Welt bereisen Das Reiseblog des Ökumenischen Heiligenlexikons

Reiseberichte - Seite 4

Ausgangssperre

   J. Schäfer         

Sonntag,, 22. März

Nun ist also Ausgangssperre, es ist totenstill - gespenstisch. Der Himmel dazu grau, es gab wieder Regen, aber immerhin morgens um 8 Uhr schon 16°. Der Security-Mann und der Gärtner sind hier zugange wie an jedem Tag, aber sonst: nichts außer Vogelgezwitscher. Die Katzen schleichen über den Platz - das tun sie immer, aber irgendwie spüren auch sie offensichtlich, dass etwas nicht stimmt. Ich mache Frühgymnastik - das erste Mal in meinem Leben betätige ich mich freiwillig sportlich, ich muss meinen Kreislauf gesund halten: 40 Meter zur Garage, 30 Meter zum Eingangstor, 20 Meter Richtung Nachbarhäuser, 30 Meter über die ob des vielen Regens teilweise noch grüne Wiese zur Mauer an der Straße. Mehr Auslauf ist nicht - aber immerhin. Der Laden gegenüber hat geöffnet und frisches Brot zum Frühstück, die kommunale Müllabfuhr war da - die Versorgung läuft.
Es gab in Tunsien gestern 48 Fälle, einen im Distrikt Nabeul, und einen Todesfall, ganz im Süden des Landes, eine schon infiziert aus der Türkei heimgekommene 80-jährige Frau.

Ausharren als Corona-Gefangener

   J. Schäfer         

Samstag, 21. März

Die Rettungsfliegenden sind alle weggekommen. Am gestrigen Nachmittag gab es zunächst die Meldung, das Paar mit Hund komme zurück, weil der Hund nicht in den Flieger darf. Zwei Stunden später war die Nachricht, Frau und Hund konnten fliegen, aber der Mann komme wieder, weil es mit dem Auto beim Zoll Probleme gab. Tatsächlich konnten alle drei fliegen, allerdings nach Rom und von dort aus heute nach Deutschland. Einer aus der Truppe ist Holländer - andere EU-Bürger aber nehmen die Deutschen nur mit, wenn alle Deutschen Platz im Flieger bekommen haben und dann noch welche frei sind. Toll, vereintes Europa! Aber es hat auch für ihn geklappt, alle haben es also glücklicherweise nach good old Germany geschafft.

Ich stelle mich auf mehrere Wochen Tunesien ein, in Italien und in Deutschland nimmt die Situation zunehmend schlimmere Dimensionen an. Beim Versuch einzuschlafen, überfiel mich gestern Abend die Depri-Stimmung: völlig allein, auf ungewisse Zeit und in einer Umgebung, wo sich die Lage in unkalkulierbarer Weise zuspitzen kann - hätte ich nicht doch auch Fliegen sollen? Aber die gestrige Tageslosung sagt: Der Herr deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, er birgt mich im Schutz seines Zeltes. (Psalm 27, 5). Oh, du Kleingläubiger! Und außerdem war es schon immer mein Konzept, so zu reisen, dass ich - bei allen Privilegien, Auto, Geld, deutscher Pass - möglichst nah an den Leuten im Land lebe - und hier ist es nun einmal jetzt eben so.
Morgens wache ich gut gelaunt auf. Matthias, ein deutscher Resident, der hier ganz in der Nähe wohnt, kommt vorbei und erzählt, dass es eine große Zahl von Flugzeugen war, die gestern Europaheimkehrer abholten. Und dass in der Wüste kurz vor Douz noch ein LKW mit Deutschen verharrt: ihnen ging die Lenkung kaputt. Vielleicht bekomme ich ja doch noch Gesellschaft …

Ins vergessene Landesinnere - und Coronastress

   J. Schäfer         

Dienstag, 17. März bis Mittwoch, 18. März

Zuerst musste ich tanken: für 63 l Diesel zahlte ich 41,50 € - paradiesisch - für unsereins.
Sidi Medien, unter den Römern Volitana und eine Bischofsstadt, ist heute ein weitestgehend verlassenes Bergdorf fernab größerer Städte oder Straßen; dennoch ist die Zufahrtsstraße asphaltiert. Bergdorf ist aber eigentlich das falsche Wort: es ist eigentlich eine sanfte Hügellandschaft, nur hier mit einem schroffen Felsen. Der höchste Berg Tunesiens ist gerade mal 1544 Meter hoch; schroff eingeschnitten sind nur manche Flussläufe, Oued genannt, in denen aber schon jetzt auch hier im Norden des Landes schon meist kein Wasser mehr fließt.
In Volitana, damals Sitz eines Bischofs, starben die Märtyrer von Volitana.

Corona

   J. Schäfer         

Montag, 16. März

Gestern Abend kam hier plötzlich das sonst im Hotelrestauant und auf der Straße lautstark tobende Leben zum Erliegen. Feiertag? Ist erst kommenden Freitag. Ramadan? Dauert noch. Des abrupt auftauchenden Rätsel Lösung: Die Bezirksregierung hat die Schließung aller Restaurants angeordnet, die tunesische Regierung eine 14-tägige Quarantäne für alle ins Land Einreisenden. Es gibt im ganzen Land aber nur drei bestätigte Krankheitsfälle.
So harre ich nun auf dem Camping Les Jasmins zusammen mit den gestrandeten Wüstenfahrern und blicke auf die reifen Orangen. Morgen werde ich ins Landesinnere fahren - mal sehen, ob die Polizei, die hier sowieso an jedem größeren Kreisverkehr die Papiere kontrolliert, mich lässt

Viele Zeitungen in Deutschland berichten wegen des Corona-Viruses über das Ökumenische Heiligenlexikon und verweisen auf unseren Artikel Corona (Stephana), denn sie ist auch Patronin gegen Seuchen. Google meldet mir für diese Seite: Ihre Seitenklicks haben sich gegenüber dem üblichen Tagesdurchschnitt von 14,3 Klicks um mehr als 1.000 % erhöht. Wie ich ja schon gestern sagte: mancher profitiert eben von der Krise

geschrieben am 16. März 2020

Karthago - und kein Corona!

   J. Schäfer         

Donnerstag, 12. März, bis Sonntag, 15. März

Heute scheint nun endlich die Sonne - und sie hat Kraft, Pullover ade! Mein Ziel ist nun Karthago, der Villenvorort von Tunis mit Häusern, denen man Luxus ansieht. Dazwischen verstreut liegen verschiedene Ausgrabungsorte, als ersten besuche ich das Gelände an den Antoninus-Thermen, in dem auch diese Ruinen alter punischer Gräber …

Palermo und glückliches Entkommen

   J. Schäfer         

Montag, 2. März bis Freitag, 6. März

Die letzten Tage auf dem Campingplatz Alessandra gehören der Vorbereitung auf Tunesien. Am Freitag fahre ich dann nach Palermo, denn ich muss am Samstag schon um 7 Uhr im Hafen sein. So kann ich dort noch einige Stellen besuchen, an denen ich noch nicht war, zuerst das Wohnhaus, vor dem der Priester Pino Puglisi erschossen wurde, der sich als Gegener der Mafia positioniert und engagiert hatte; er war der erste von der Mafia ermorderte Priester. Vor dem Haus wird auf großen Fototafeln an den Besuch von Papst Franziskus erinnert …

Messina, das Tor zu Sizilien

   J. Schäfer         

Sonntag, 1. März

Am Sonntag heißt es früh aufstehen und dann auf der Autobahn in die Stadt, nach Messina. Sie liegt um 9 Uhr tatsächlich noch fast regungslos da, so finde ich problemlos einen Parkplatz im Zentrum.
Am Hafen steht die Marienstatue mit dem Segensspruch, den diese angeblich Bachylus, dem der Überlieferung zufolge ab 42 ersten Bischof der Stadt, erteilte: Ich segne Dich und Deine Stadt.

Sonne tanken auf Sizilien

   J. Schäfer         

Dienstag, 4. Februar, bis Dienstag, 11. Februar

Unverkennbar: Ich bin auf Sizilien angekommen: im Ort die riesige, das Zentrum überblickende Marienstatue, der Motorroller, die Sonne.
Im Herbst hatte ich gedacht, ich bereise diesmal die Ägäischen Inseln, um damit Griechenland komplett zu machen, und anschließend Süditalien. Im Laufe der Wochen habe ich mich umentschieden: es soll nach Tunesien gehen und dann in den Süden Italiens. Tunesien hatte ich letztes Jahr schon ins Auge gefasst, aber die Lage dort schien mir zu unsicher; inzwischen hat sich das als falsche Befürchtung herausgestellt.
Am Freitag Abend wollte ich von Civitavecchia bei Rom aus das Schiff nach Tunis nehmen. Wie immer ging's aber erst nach Aigle in der Schweiz zum Besuch bei meiner Tante. Es waren wieder zwei entspannte Tage bei fast frühlingshaftem Wetter, aber uns beiden machte eine leichte Erkältung zu schaffen. Bei der Weiterfahrt hielt mich dann mein Mittagsschlaf nach der Überquerung der Alpen ganze vier Stunden im Bett, ich kam an diesem Tag nur bis zur Raststätte Stura, noch vor Genua; damit war das Schiff kaum noch erreichbar und ich merkte zudem: ich brauche noch Erholung. Deshalb die Entscheidung: drei Nächte in Rom auf dem mir bekannten und rundum guten Campingplatz Roma zum ganz gesund werden und dann zuerst nach Sizilien zum Arbeiten. Montags ging's dann weiter nach Süden, abends noch mit der Fähre auf die Insel und am Dienstag vormittag schließlich auf den mir ebenfalls aus dem Jahr 2017 bekannten Campingplatz Alessandra in Torrenova - neben dem Camping Luminoso und seinen Nachbarn im Süden von Sizilien sicher der nach Ausstattung und Sauberkeit beste Platz auf Sizilien.

Die Heiligen in Österreich

   J. Schäfer         

In den vergangenen Wochen konnten wir bei zwei Reisen Orte der Heiligen in Österreich, nämlich in Kärnten, der Steiermark, dem Burgenland, in Niederösterreich, Oberösterreich und Salzburg besuchen. Neben Detailinformationen sind 237 neue Fotos für das Ökumenische Heiligenlexikon der Ertrag. Mit Ausnahme von Wien haben wir damit (fast) alle Orte in Österreich punktgenau lokalisiert. Das Bild zeigt die wunderschön gelegene Johannesbergkapelle in Traunkirchen.

Anfang Februar nächsten Jahres wollen wir uns wieder auf eine längere Reise begeben: Ziele sind zunächst Catania auf Sizilien, dann der Süden des italienischen Festlandes und schließlich die Ägäischen Inseln in Griechenland, die wir bei der diesjährigen Reise nicht mehr besuchen konnten.

Im Nordwesten Griechenlands

   J. Schäfer         

Dienstag, 2. Juli, bis Sonntag, 7. Juli

Fünf Tage arbeite ich auf dem wirklich empfehlenswerten Camping in Kalamitsi - italienische Besitzer, die können es! Johanni ist vorüber, die Tage werden wieder kürzer - Hubert von Goisern kommt mir in den Sinn: Jetzt san dia Dag scho kürzer wor'n und Blatteln falln au von de Baam … singt er mit den Alpinkatzen in Weit weit weg, das manche als das schönste Liebeslied bezeichnen. Tatsächlich fallen hier ob der Hitze auch die Blättern massenhaft von den Bäumen. Meine Cds/DVDs hatte ich leider alle vergessen mitzunehmen, aber abends gibts manchmal Musik von YouTube - die griechische Alltagsmusik im Radio ist nicht so mein Fall - nicht alle Griechen sind Mikis Theodorakis.

Griechenlands Norden

   J. Schäfer         

Donnerstag, 27. Juni, bis Freitag, 28. Juni

Noch einen Tag planen auf dem Campingplatz Akti Retzika bei Epanomi, dann geht es endlich weiter, zuerst zum Johannes-Kloster in Souroti, wo Paisios vom Athos gepflegt wurde, starb und begraben ist. Das bleibt aber leider freitags geschlossen; deshalb geht es einen Berg hinauf zum nächsten Kloster bei Vasilika, das Anastasia geweiht ist und von Theophano Martiniake gestiftet wurde. Es präsentiert sich von außen höchst farbenfroh …

In Meteora und auf Paulus' Spuren

   J. Schäfer         

Mittwoch, 19. Juni, bis Freitag, 21. Juni

Nach zwei weiteren Tagen auf dem Campingplatz Hellas - die Recherchen für Thessaloniki sind aufwändig - geht es endlich weiter, zuerst durch eine weite Ebene - der Liebe Gott hatte die Lust am Falten verloren - in die Berge nach Anatoli zu dem Kloster, das Damian der Jüngere gegründet hat und in dem David von Euböa zum Diakon geweiht wurde. Auf den 17 km von der Hauptstraße bis zum Kloster auf fast 1100 m Höhe begegnet mir auf der gut ausgebauten Straße kein einziges Auto - auf der Rückfahrt auch keines.

Im Südosten des Festlandes

   J. Schäfer         

Mittwoch, 5. Juni bis Sonntag, 9. Juni

Weitere vier Tage verbringe ich arbeitend auf dem Campingplatz bei Eretria, vor allem, um zentral- und mittelgriechische Heilige zu recherchieren. Von Jahresende 2018 bis heute habe ich nun 206 Biografien von - meist orthodoxen - Heiligen neu verfasst. Es ist sehr heiß - darunter leidet der Arbeitseifer, viel Schweiß fließt schon beim Nichtstun. An den Wocheneden ist der Platz gut gefüllt mit Griechen; als ich am Samstag im Vorbeigehen wie üblich welche grüße, die beim Mittagessen sitzen , bekomme ich fünf Minuten später auf dem Rückweg einen großen Teller Spaghetti Bolognese in die Hand gedrückt; ich sei doch der, der da allein ist. Das erinnert an das Video Unglaubliche Gastfreundschaft - eigentlich ein Werbefilm für Kreta, dennoch nicht wirklich übertrieben, sondern treffend.
In den Nachrichten wird berichtet über Proteste in Hasankeyf, die Höhlenstadt im Tal des Tigris in der Türkei. Deren Besiedelung ist schon für das 9. Jahrhundert v. Chr. nachgewiesen, eine große Brücke aus dem 12. Jahrhundert teilweise erhalten. Dass Adam und Eva hier lebten, ist nicht überliefert - aber irgendwo in der Nähe war es
Das alles ist nun vorbei, man hat einen Staudamm gebaut, der ist fertig wird nun geflutet, sein Wasser bedeckt dann alles. Ich hab es glücklicherweise 2013 noch gesehen.