Welt bereisen Das Reiseblog des Ökumenischen Heiligenlexikons

Kategorie: Griechenland 2019

Vom guten Hafen in die Hauptstadt

   J. Schäfer         

Freitag, 12. April, bis Samstag, 13. April

Eigentlich steht heute eine einfach Aufgabe an: unweit der Hauptstraße liegt Agios Mironas, wo Myron von Kreta geboren wurde, zeitweise lebte und starb und ihm die Kirche geweiht ist. Aber die Zufahrtstraße ist wegen Erdrutsch gesperrt, also Ausweichroute suchen, auf der engen Straße mich durchquälen - was einfach schien, wird langwierig.

Unterhalb der Kirche ist die nun zur Gedenkstätte ausgebaute Höhle, in der Myron zeitweise lebte …

… und die aufwändig überbaut ist.

Im nun leicht zu erreichenden nahen Weinbauort Dafnes, seinem Heimatort, wurde 2012 diese Charalambos dem Neuerschienenen geweihte Kirche eröffnet.

In Kaloi Limenes, der Hafen, in dem Paulus nach Apostelgeschichte 27, 8 gelandet war, war ich am Dienstag - aber alle meine Fotos waren misslungen, unbemerkt hatte ich etwas verstellt und das erst auf dem Rückweg bemerkt. Da es noch weitere Ziele an der Südküste gibt, mache ich mich noch einmal auf den längeren Weg dorthin, diesmal aber von Osten her, wo es eine Teerstraße gibt. Vom Bergpass davor öffnet sich der Blick auf den Hafen mit dem kleinen Ort - auch hier, weitab vom Schuss, wird offenbar in Gewächshäusern Gemüse für unsere Supermärkte angebaut - und die kleine vorgelagerte Paulus-Insel mit den Öltanks. Hierher bringen Schiff Öl aus Afrika - nach Libyen sind es gerade mal 300 km -, das dann auf griechische Schiffe umgeladen und nach Piräus gebracht wird.

Oberhalb der Höhle, in der Paulus offenbar mehrere Monate lebte, hat man 1911 diese Kirche gebaut …

… in der man dieses sehr westlich anmutende Paulus-Bild zeigt …

… und von wo man einen herrlichen Blick auf den Hafen und den kleinen Ort hat.

Der Eingang zur kleinen Höhle, in der Paulus lebte.>

Den Plan, an der Südküste auch noch das Kloster Koudoumá, das Parthenios und Eumenios wiederbegründet haben, anzufahren, gebe ich auf: die letzten 15 km sind Piste, über 1000 Höhenmeter zu bewältigen; nachdem ich den durch die Unwetter bedingten Zustand der Asphaltstraße nach Kaloi Limenes erlebt habe, möchte ich das weder mir noch meiner Kiste zumuten - sie würde auch die Steigungen bei dem vielen losen Geröll wohl nicht schaffen. Daselbe gilt für die 9 km Piste mit über 800 Höhenmetern nach Agios Ioannis, wo an der heutigen Johanneskirche die beiden ebenfalls lebten, genauso wie in der nahen Antonius Kirche und der Abbakóspēlio-Höhle.
Statt dessen genieße ich den Ausblick über die Messara-Ebene nach Nordwesten auf das Ida-Gebirge, wo jetzt der Schnee schon deutlich weniger geworden ist.

Im Kloster Epanosifi liegen Reliquien von Methodios von Nivritos. Das Katholikon eines der reichsten Klöster Kretas - so der von Kretas Metropolieen herausgegebene Reiseführer für Religiöse Fahrten - ist innen tatsächlich überreich dekoriert …

… und auch das Abtsgebäude nicht von schlechten Eltern. Ich bin wieder ziemlich im Norden, hier ist eine Weinbaugegend und relativ ebenes Gelände mit wohl fruchtbaren Böden, das macht Bauern reich.

Im Katholikon: diese Ikone vom hier weit verbreiteten Typ Hodegtria, die mit der rechten Hand auf Jesus zeigende Maria

… und davor dieser Brunnen, auch nicht von schlechten Eltern.

Ansonsten haben de Klöster hier eher den Stil eines geordneten Bauernhofes, meist auch hat jeder Mönch sein eigens Gebäude, was den dörflichen Charakter noch unterstreicht. Ort der Kontemplation ist weniger der Alltag und die Klosteranlage als solche, sondern das Katholikon.

Etwas außerhalb des Klosters leigt dessen Friedhof mit dieser Kirche.

In Skillous, dem heutigen Kalloni, wurde Patriarch Gerasimos Palladas von Alexandria geboren. Auch an der Pfarrkirche macht der Ort, obwohl nicht so weit von Iráklio entfernt, keinen guten Eindruck. Am Ortsrand hat man Gerasimos zu Ehren eine neue Kirche gebaut.

Und weil es hier gerade rumsteht ist Gelegenheit, das kretische Auto zu würdigen: gefühlt die Hälfte aller Autos sind hier Pick-ups. Die sind praktisch: auf die Ladefläche passen Ziegen und Schafe, Menschen und Kinder, Strohballen und Einkaufstüten, einfach alles, was bewegt werden muss. Dieser hier ist vom Zustand her im unteren Durchschnitt, manche sind wesentlich schlimmer - einen TÜV scheint es hier nicht zu geben. Wohlhabende Jüngere haben einen Pick-up mit oft extremer Spurverbreiterung, dann schauen die Reifen - unbedeckt - weit über die Kotflügel heraus; das hat keinen erkennbaren Sinn außer Imponiergehabe.

Im Kloster Angarathos wurde - auch er später Patriarch - Meletios I. von Alexandria Mönch und dann Abt, Joachim, der bei Gerasimos IV. von Kreta und Gefährten genannte Bischof von Chersonissos, hatte damals hier seinen Sitz.

Letzte Station: der schöne große Ort Archanes, wo die bei Gerasimos IV. von Kreta genannten Gefährten, Bischof Hierotheos von Lampi mit Sitz in Réthymno und sein Diakon, getötet wurden. Mein Navi führt mich von Osten her steil den Berg hinab durch engste Gässchen, wieder einmal reicht es millimetergenau und nur mit tatkräftiger Hilfe eines Ladenbesitzers, der die letzten benötigten Zentimeter freiräumt.
Die Marienkirche wurde der Legende zufolge gebaut, nachdem ein Mädchen an dieser Stelle ein Licht sah und dann eine wunderwirkende Ikone der Allerheiligsten Gottesmutter fand. Einer anderen Geschichte zufolge erlaubte der osmanische Gouverneur der Region den Christen, eine Kirche nur dann zu bauen, wenn sie es in einer Nacht vollbringen; den Menschen in Archanes gelang das nicht; nun räumte der Gouverneur eine zusätzliche Nacht ein, in der man aber kein Wasser verwenden dürfe, deshalb nahmen die Einheimischen Milch und bauten die Kirche bis zum Morgen des nächsten Tages.
Überliefert wird auch, dass die Deutschen während der Besatzung 1941 bis 1945 versucht hätten, den Ort zu bombardieren, aber sie blieben erfolglos, weil eine schwarze Wolke unter dem Bomber das Gebiet bedeckte und die Feinde daran hinderte, ihr Ziel zu finden.

Neben der Marienkirche steht diese ältere, Antonius „dem Großen” geweihte Kapelle …

… und zurück in der Ortsmitte - zu Fuß, ich bin ja lernfähig - die Nikolauskirche, 1857 gebaut und innen reich ausgestattet; offenbar beginnt demnächst ein Gottesdienst - die Kirche ist schon gut gefüllt, weitere - nicht nur ältere - Leute strömen herbei.

Direkt vor dem Camping Kreta fotografiere ich am Schreibtag, dem Samstag: man kann hier sehen, warum nachts Autofahren nicht empfehlenswert ist: so abrupt ohne Schild oder sonstigen Hinweis endet die erst wenige Jahre alte Uferpromenade …

… aber auch, wer den Schwenk nach links schafft, hat noch nicht jedes Risiko ausgeschaltet.
Der Camping Kreta liegt direkt in der Einflugschneise des Flughafens von Iráklio, normalerweise kommen am Abend drei bis vier Maschinen an, das war's. Am heutigen Samstag kommen die Flieger den ganzen Tag, mindestens halbstündlich: in Deutschland haben die Osternferien begonnen. Schon gestern, als es wechselnd bewölkt war mit 20° Luft- und 16° Wassertemperatur, sah ich noch abends Menschen in Badekleidung am Strand und wenigsten bis zu den Knöcheln im Wasser. Man hat ja bezahlt, da muss man nicht nur das all-inclusive-Buffet räubern, sondern auch baden, und wenn es einen noch so schüttelt …
Immerhin: ich habe den gestrigen Abend erstmals ohne Heizung verbracht.

Sonntag, 14. April, bis Dienstag, 16. April

Sonntag ist Stadt-Tag, Iraklio wartet, zuerst die Ruinen des ehemaligen Dominikanerklosters, direkt hinter der ehemaligen venezianischen Stadtmauer zum Meer hin, …

… und dessen für hiesige Verhältnisse und selbst für eine Dominikanerkirche riesige, erst neulich wieder restaurierte, aber verschlossene Kirche, Petrus „dem Märtyrer” geweiht.

Vorbei am Dermatas-Tor, einem der drei Tore der Stadtmauer zum Meer hin, genannt nach dem Meerbusen …

… komme ich zum ehemaligen Johannes-Kloster, in dem Joseph Samakos „der Geheiligte” Mönch war. Dort ist in der heute orthodoxen Kirche gerade der Gottesdienst zuende.

Nun hat das Historische Museum geöffnet, das ich zur Klärung offener Fragen besuche; so finde ich dort die Antwort auf den Standort des damaligen türkischen Gouverneurspalasts, in dem Johannes von Kapsa verhört wurde, und dieses Foto des ehemaligen Franziskanerklosters mit Minarett aus türkischer Zeit …

… oder diese Darstellung der Stadt aus dem späten 18. Jahrhundert, eine Wandmalerei aus dem Palast des damaligen türkischen Statthalters, …

… und das originale Arbeitszimmer von Nikos Kazanzakis, das er 1948 bis 1957 in Antibes in Frankreich benutzte.

Vorbei an der Kirche Agia Paraskevi, die wohl an der Stelle des ehemaligen Servitenklosters steht, in dem Antonius von Viterbo starb, komme ich zur Katharinenkirche, die heute Ikonenmuseum ist.

Die Katharinenkirche liegt schon im Zentrum, der Platz davor lebt jetzt.

In der kleinen alten Menas-Kathedrale (links) fand die SynodeSynode (altgriech. für Zusammenkunft) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten. In der alten Kirche wurden "Konzil" und "Synode" synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet. unter Leitung von Gerasimos IV. von Kreta statt, nach der dann viele Bischöfe und andere als Märtyrer starben. Daneben steht die große neue Menas-Kathedrale von 1895, auch sie ist dem Stadtpatron Menas von Ägypten geweiht …

… und ist auch innen prächtig, immerhin ja Sitz des Metropoliten von Kreta und ganz Europa - so genannt, seit nach dem Ende der venezianischen Herrschaft und der Machtübernahme der Osmanen die orthodoxen Bistümer wiederhergestellt werden konnten.

Im Zentrum der Stadt: der 1628 vom venezianischen Statthalter Francesco Morosini gebaute und nach ihm benannte Brunnen.

Die venezianische Loggia wurde ebenfalls unter Statthalter Morosini als Repräsentationsbau errichtet; im 2. Weltkrieg komplett zerstört, dann vollständig wieder aufgebaut, ist sie heute das Rathaus. Sonst gibt es in der im 2. Weltkrieg von den Deutschen heftigst bombardierten Stadt nicht viel Sehenswertes, es fehlt ihr der Charme von Chaniá oder Réthymno.

Das Kastro Koules auf der Hafenmole, gebaut von den Venezianern, damals die stärkste Festung im Mittelmeer, von den Türken nach 22-jährigem Beschuss 1669 eingenommen, war dann das Gefängnis für die einheimischen Rebellen, so Johannes Dragatis, Myron von Heraklion und Nikephoros.

In der Tituskirche, gebaut als Moschee, seit 1925 Kirche, liegt nun wieder die Schädelreliquie von Titus, die 1966 aus Venedig zurückgegeben wurde.

Auch innen ist die Tituskirche reich ausgestattet.
Eine ganze Reihe von mit Iraklio verbundenen Heiligen kann nicht genau lokalisiert werden, so Athanasios der Athonite, Dasius, Hilarion der Jüngere, Meletios I. von Alexandria, Myron von Heraklion und Paul von Kreta.

Knossos ist natürlich für seine Ausgrabungen des minoischen Palastes bekannt und Touristenmagnet. Mich aber interessiert in dem daneben noch immer bestehenden kleinen Dorf die Kirche, denn Knossos war auch Bischofssitz, so möglicherweise von Myron von Kreta und Petrus dem Jüngeren, sicher von Pinytus von Knossos und dem bei Gerasimos IV. von Kreta und Gefährten genannten Neophytos; auch Zotikos, genannt bei Theodulus von Kreta und Gefährten, stammte von hier. An der Sophia geweihten Dorfkirche wird mit dem Fresko über dem Eingang an die alte Tradition erinnert.

Auch am Montag erlebe ich, wie ständig neue Flugzeuge ankommen, die Menge der Touristen aller Altersgruppen sichtbar wächst und die - hier sowieso eher mäßige - Internetverbindung wohl deshalb schlechter wird. Nur, es hilft ja nicht: ich muss eben auch schreiben.
Am Abend dann die Horrornachricht von Brand in St-Denis in Paris. Macron hat, wenn nicht in der Ursache, so doch in der Wirkung, seinen Reichstagsbrand - wer will da noch etwas über Gelbwesten

hören? Glücklicherweise ist offenbar die Substanz und sind die Kunstschätze weitgehend gerettet, wie sich dann am Dienstag zeigt.

Tracks
Kali Limenes

geschrieben am 13., 14. und 15. April 2019

Rund um die Messara-Ebene

   J. Schäfer         

Dienstag, 2. April bis Mittwoch, 3. April

Nachdem ich am Dienstag eine Auszeit einlegen musste mit Halsweh und Ohrenschmerzen - das habe ich sonst nie - und etwas Fieber, offenbar dem Sturm und der Kälte als Tribut gezollt, nahm ich mir für Mittwoch eine leichte Aufgabe vor: auf der Hauptstraße nach Gortyna fahren, der frührenen Hauptstadt Kretas. Dort stehen Reste der Titus-Basilika, benannt nach Titus, dem ersten Bischof, 824 von den Sarazenen zerstört. Sie ist das besterhaltene Bauwerk der ab 1884 von italienischen Archäologen ausgegrabenen Stadt, aber nicht die von Titus gegründete Kirche - und wegen Bauarbeiten auch nicht zugänglich.

Irrwege

   J. Schäfer         

Dienstag, 26. März bis Donnerstag, 28. März

Zum Abschied gab es nach zwei Tagen Arbeit - auch den Einbau meiner Kiste, der sich auf den Bergstraßen wieder verschoben hatte, musste ich richten - am Strand des Campingplatzes Elisabeth noch ein herrliches Abendrot mit Blick auf Réthymno.

Langsamkeit lernen!

   J. Schäfer         

Mittwoch, 19. März bis Sonntag, 24. März

Nach vier Tagen Arbeit auf dem ruhigen Campingplatz Elisabeth geht es heute in die Umgebung. Das erste Ziel ist ganz in der Nähe, gut 5 km, das wird schnell gehen. Die Anfahrt führt am Ende über eine Offroad-Piste mit tiefen Furchen, einer Bachdurchfahrt und ordentlichen Steigungen, aber meine Kiste schlägt sich prächtig - bis zu der Stelle, wo an einer Wasserleitung eine 20 cm hohe Stufe im Weg ist, das schafft keiner. Also zu Fuß weiter, nur noch gut 1 km. Nach 800 m ist der Weg mt einem Weidezaun versperrt und der ist so gut befestigt, dass man ihn ohne Werkzeug nicht öffnen kann. Also zurück - und die Kiste schafft auch den Rückweg, ich hatte schon Schlimmeres befürchtet!
Nun muss ich es also aus der anderen Richtung probieren, vom Dorf Chromonastri aus, das ich mir nun erst einaml anschaue - und mich in den engen Gassen verlaufe, dann an der Hauptstraße aber auf das Militärmuseum stoße, das die griechische Armee (!) hier eingerichtet hat. Na ja.

Ständig auf und ab

   J. Schäfer         

Dienstag, 12. März bis Samstag, 16. März

Nachdem Regen, Kühle und Katastrophen sich lange genug ausgetobt hatten, kam ab Mittwoch die Wende.

Weltuntergang und Frühlingserwachen

   J. Schäfer         

Montag 25. Februar, bis Montag, 11. März

Es kann so idyllisch sein hier auf dem Campingplatz bei Paleochora. Und ebenso schrecklich: vorvergangenen Montag kam das Chaos: am Nachmittag heftigster Regen, Strom- und Telefon- (also auch: Internet-)ausfall - auch mobil, weil die Stationen ja Strom brauchen; in der Nacht Gewitter, das ich körperlich spürte, so elektrisch war die Luft. Schlaflos das Prasseln des Regens und das Wackeln der Kiste im Regen erduldet. Bin ich deshalb 2500 km von zuhause entfernt? Dienstag gegen Abend war dann die Sintflut zuende; die Straße nach Chaniá wegen Erdrutschen gesperrt, aber immerhin Strom und Telefon repariert.
radio-kreta.de meldete dann: Mehr als 100 Millionen Euro Schaden in Westkreta. 7 große Brücken sind zerstört. Das Militär hat bereits Notbrücken geschickt. Lidl in Platania ist zweimal in einer Woche überschwemmt worden. Das gesamte Strassennetz ist zu 50% zerstört oder stark beschädigt. In den Bergen oberhalb Paleochora 496 L/m². Über 100 Strommasten sind durch die Stürme umgeknickt. Insgesamt sind 5 Tote zu beklagen, die in den reißenden Flüssen ihr Leben ließen. Durch unkoordinierte Besiedelung / Bebauung sind in den letzten 50 Jahren von 240 Flußläufen nur noch 38 übriggeblieben. Nun hat sich das Wasser seinen Weg gebahnt. Und die Griechenland Zeitung: Griechische Medien sprechen von einer biblischen Katastrophe; eine ähnliche habe es seit 50 Jahren auf Kreta nicht mehr gegeben.
Der Klimawandel und die hiesigen Umweltsünden forden ihren Tribut, das Unwetter auf Kreta ist offensichtlich die Kehrseite des gleichzeitig schönen Wetters zuhause: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) mit seinen rund 2000 Messstationen im ganzen Land bezeichnet den ausgehenden Winter als erheblich zu mild. Mit 2,6 Grad Celsius über dem Mittel der Jahre 1961 bis 1990 gehörte er in Deutschland zu den wärmsten je registrierten.

Stürmische Zeiten

   J. Schäfer         

Mittwoch 13. Februar, bis Sonntag, 24. Februar

Eine Herausforderung war das Wetter am vorvergangenen Mittwoch und Donnerstag: dunkle Wolken, teils heftiger Regen - er hat mit immerhin die Salzschicht von meiner Kiste gewaschen, die ich mir auf den deutschen und schweizerischen Autobahnen eingefangen hatte, eine Waschgelegeneheit habe ich seither nicht gefunden - und dazu ein Orkan mit laut Wetterbericht 125 km/h Windgeschwindigkeit - da wackelt die Kiste, die Bäume biegen sich und das Meer rauscht. Paleochora ist nicht nur die wärmste Gegend Kretas - wobei es dann am Abend auch nur noch 8° hatte und meine Standheizung viel Arbeit bekam -, sondern die Südwestecke der Insel ist auch die sturmreichste. Dass Paulus hier in der Gegend bei seiner Fahrt nach Rom hier ganz in der Nähe wegen eines Sturms strandete, wird leichjt nachvollziehbar.
Der Campingplatzbesitzer - genauer: der englische Lebensgefährte der griechischen Besitzerin - erzählt, soviel Regen wie in letzter Zeit habe es hier noch nie gegeben - schon seit Oktober immer wieder, das sei ganz außergewöhnlich, seitdem waren 600 l/m², fast das Doppelte der normalen Jahresmenge. Und allein am Donnerstag gab es laut Wetterbericht zusätzlich 80 l/m², ⅔ der normalen Monatsmenge für Februar.
Das deutschsprachige Radio Kreta meldete am Freitag auf seiner Webseite: Eisige Winde, sintflutartiger Regen, Hagel und Schnee. Viele Straßen sind überflutet. Wind aus Nord mit 10 Beaufort. Kein Schiff wird kommen. Erdrutsche überall. Temperaturen an den Küsten um 6°. In den Bergen Minus und viel Schnee. Die meisten Schulen bleiben heute und morgen geschlossen. 30% aller Straßen in der Gemeinde Platanias sind zerstört.
Der Sturm hielt - etwas schwächer - noch an bis vorvergangenen Samstag; ab Sonntag kam dann wieder die Sonne und die Temperaturen stiegen etwas, starke kühlende Windböen gab es aber weiterhin. Ich bin froh an meiner Standheizung!

Endlich: es geht wieder los!

   J. Schäfer         

Nach einem Jahr ohne Reise – nur kurze Ausflüge in die Gegend um Köln, ins württembergische Oberland und nach Franken – geht es im Februar endlich wieder los, diesmal nach Griechenland. Der große Umbau im Haus meiner Oma nahm seit Oktober 2017 Gedanken und Arbeitskraft in Beschlag. Aber Ende Januar 2019 werden wir fertig sein und das Haus von Grund auf erneuert haben, Griechenland ruft und ab Mitte Februar gibt es hier wieder Einträge. Ich fahre zuerst nach Kreta und von dort aus geht es dann langsam immer weiter nach Norden, durch Griechenland und auf den Balkan.