Welt bereisen Das Reiseblog des Ökumenischen Heiligenlexikons

San Pietro als Höhepunkt

   J. Schäfer          

Dienstag, 20. Juni bis Mittwoch, 21. Juni

Nachdem es an Pfingsten nicht hat sollen sein, kommt nun der Höhepunkt zum Schluss: S. Pietro.


55 Minuten Schlange stehen in praller Sonne, aber diesmal geht es wenigstens voran.

Der Eingang zu den Papstgemächern an der Piazza Retta, dem trapezförmigen Teil des Petersplatzes, ist von einem Schweizergardisten in Festuniform bewacht und von Paulus, Maria und Petrus geziert.

Und dann bin ich in der Kirche und mitten im Gewühle und Gedränge; am schlimmsten sind wie immer die Chinesen, die ja keine Sekunde Zeit haben, weil sie ganz Europa in zehn Tagen machen, und überall das Selfie schießen müssen zum Beweis: Ich war da!.
Am Denkmal für Königin Kristina von Schweden, der Tochter von König Gustav II. Adolf, ist ihr Übertritt zum Katholizismus dargestellt; sie dankte 1654 ab und wurde katholisch, zog 1655 nach Rom in den Palazzo Farnese und wurde nach ihrem Tod 1689 in den Vatikanischen Grotten unterhalb des Petersdoms - dort, wo sonst fast nur Papstgräber sind - bestattet. Das Relief schuf 1702 Jean-Baptiste Théodon.

der Sarg von Papst Urban VIII., † 1644

das Grabmal für Innozenz XII. † 1700, geschaffen von Filippo Valle 1746

Das Grab für Gregor XIII., † 1585, geschaffen von Bernardino Camelli und Carlo Francesco Melloni, um 1710; auf dem Relief am Sarg ist seine Kalenderreform dargestellt.

Gegenüber ist das Grabmal für Gregor XIV., † 1591; es ist schmucklos, weil - der Volksüberlieferung zufolge - der Papst sich zu Lebzeiten aus seinem Gold ein Mehl als Lebenselexier habe machen lassen und deshalb für sein Grab kein Geld mehr da war.

das monumentale Grab von Papst Alexander VII. von Gian Lorenzo Bernini, 1672 bis 1678

das Grab von Papst Pius VIII. von Pietro Tenerani, 1866

das Grab von Papst Pius VII. von Bertel Thorwaldsen, 1823

das Grab von Papst Leo XI. von Alessandro Algardi, 1642 - 1644

Grabmal für Innozenz VIII., das einzige, das aus der alten Peterskirche übernommen wurde und das erste, das den Papst auf dem Thron sitzend und als Herrscher darstellt.

Pietro Canonica und Luca BeltramI: Grab von Papst Benedikt XV., 1928

Das Taufbecken, 1697, in der Taufkapelle - wie es sich eigentlich gehört gleich am Eingang - wurde gefertigt aus einem Sarkophag aus der römischen Kaiserzeit.

Der Blick auf die heilige Pforte - nach Papst Franziskus' heiligem Jahr der Barmherzigkeit nun wieder verschlossen - 1433 bis 1445 von Antonio Averulino (il Filarete) gefertigt -, beendet nach drei Stunden den Rundgang durch den Petersdom - und ich habe auch am nächsten Tag noch viel zu Tun mit Schreiben.


 

Donnerstag, 22. Juni bis Montag, 26. Juni

Nach 7½ Wochen verabschiede ich mich vom Camping Roma, der mir mit seiner perfekten Infrastruktur eine gute Bleibe für Rom war. Und als letzte Aktivität in Rom finde ich im vierten Anlauf tatsächlich doch noch die Katakomben des Processus und Martinianus, in denen Processus und Martinianus bestattet waren.

Noch einmal geht es vorbei am Kolosseum

,… und dann an der Porta Maggiore. Das ist der letzte Eindruck von Rom, dieser wirklich einzigartigen, traditionsreichen und pulsierenden Stadt. Mit vier Wochen Aufenthalt hatte ich gerechnet, es sind fast acht geworden. Die Stadt hat riesige Probleme, miserable Straßen (und Gehwege), chaotischen Verkehr, massive Schwierigkeiten bei der Müllbeseitigung - und jetzt Hitze - bei 21° Tageshöchstemperatur war ich angekommen, bei 36° bin ich nun abgereist aus Rom. Aber sie hat auch neben all den einzigartigen Sehenswürdigkeiten ihre duldsamen und supercoolen Menschen und eine Lebenslust,die so wohl nur in katholischer Gegend gedeihen kann. Ich schließe mich Goethe an - er war 14 Monate hier: Soviel kann ich sagen, daß ich in Rom immer glücklicher geworden bin, daß noch mit jedem Tag mein Vergnügen wächst; und wenn es traurig scheinen möchte, daß ich eben scheiden soll, … so ist es doch eine große Beruhigung, daß ich so lange haben bleiben können, um auf den Punkt zu gelangen. 1

Außerhalb der Stadt nahe Tivoli will ich nun die Stelle finden, an der Symphorosa und ihre sieben Söhne verehrt wurden, weil es ja am vergangenen Samstag ein Fehlversuch war; ich finde an der nun angefahrenen Stelle aber nur einen groen Steinbruch und erst jetzt nach neuer Recherche die richtige Stelle in Albuccione, einem Ortsteil von Guidonia Montecelio bei Tivoli.
Dann geht es nach Ostia an die Kathedrale - nach all dem Glanz und oft Protz in Rom ein höchst bescheidener Bau, aber mit reicher Geschichte, erbaut an der Stelle des Grabes von Monika; Benedikt XI. war hier Bischof und Kardinal, ebenso Innozenz V., Petrus Damiani und Urban II., Gerald von Ostia nur Bischof.

Die Kathedrale steht neben der trutzigen Burg, die 1483 bis 1486 errichtet wurde.

Der alte Ortskern atmet noch Mittelalter.

Vom antiken Hafen Ostia sind Gebäudereste im Ausgrabungsgelände erhalten; Augustinus von Canterbury brach wohl von hier nach England auf.

Der ehemalige Hafen ist verlandet, was zum Niedergang der antiken Stadt führte, die bis zu 100.000 Einwohnern hatte.
Im antiken Ostia gab es eine christliche Basilika. Hier wurde Asterius verehrt, Fabiola von Rom half Pammachius von Rom beim Aufau eines Hospizes, Lea von Rom wurde hier begraben.

Keine Bahnhof, sondern die moderne Monika-Kirche in Lido di Ostia, der Strandsiedlung für die Erholung suchenden Römer - eine Retortenstadt, hässlich hoch drei und Mafia atmend aus allen Poren, Straßen und Wohnblocks.
By the way: Deutschland - genauer: Finanzminister Schäuble - hat gerade per Gesetz die Bekämpfung der Mafia in Deutschland eingestellt. Unglaublich? Aber wahr: statt 345 Beamte im Bundeskriminalamt und den Landeskriminalämtern liegt die Zuständigkeit jetzt beim Zoll - Dienstherr: Schäuble - und dort nun bei 140 Beamten. Die Mafia legt in Europa schätzungsweise 100 Milliarden € pro Jahr an; Schäuble möchte davon jetzt einen noch größeren Anteil für sein Land. Die italienische Polizei - schon bislang unzufrieden mit mangelndem deutschem Verfolgungswillen - schäumt.

Ich habe mich nun zurückgezogen an den Lago di Bracciano auf einen Campingplatz, der herrlichen Schatten unter hohen Bäumen bietet und ein herrlicher Fleck Erde ist; die Temperaturen sind hier mit 32° am Mittag wie erwartet angenehmer als in Rom - und es ist herrlich ruhig. Erst jetzt merke ich, wie nervig es auf dem Camping Roma doch war: die grölenden Schülergruppen - am schlimmsten die englischen, gefolgt von den deutschen - die tägliche Discomusik mit den hämmernden Bässen von 23 bis 1 Uhr in nur 30 m Entfernung, der Lärm der 7-spurigen Ausfallstraße rund um die Uhr - dazu eine mehr als lausige Internet-Verbindung ob all der Schüler-Handys …

Auch Familie Schwan fühlt sich hier sichtlich wohl, obwohl auch hier die Blätter fallen wie im Herbst. Meine deutsche Nachbarin, die seit 48 Jahren (!) hierher kommt, meint, so leer sei der See noch nie gewesen; der Wasserstand sinkt täglich sichtbar, wohl weil der See als Wasserreservoir für Rom und / oder die Landwirtschaft dient. Dennoch soll es Leute geben, die am Klimawandel zweifeln!


 

Dienstag, 27. Juni bis Donnerstag, 29. Juni

Nach vier Tagen Schreiben über Rom - da gibt es noch viel zu tun! - fahre ich in die Umgebung des Campingplatzes am Lago di Bracciano, zuerst in die Kleinstadt Nepi, wo Cecilia Eusepi am Kloster an der Kirche San Bernardo ab 1915 die Schule besuchte - Vergangenheit, heute ist hier nur noch Hundeklo.

Vorbei an der Kirche San Tolomeo, wo Cecilia Eusepi sich den Serviten anschloss, komme ich ins Zentrum des Städtchens mit diesem Rathaus

… und dann dem Dom. Der spätere Papst Pius V. war hier Bischof.

natürlich auch hier: Barock.
Und dann finde ich tatsächlich auch das Landgut La Massa, auf dem Cecilia Eusepi aufwuchs und starb. Als der Bauer angefahren kommt, hält er um zu fragen, was ich hier wolle, es ist ein Privatweg; La Massa kennt er nicht und von Cecilia Eusepi habe er noch nie etwas gehört - vor gerade mal fünf Jahren wurde sie mit großer Feier hier im Dom seliggesprochenn. Ich glaube inzwischen, die Ahnungslosigkeit der Leute ist nicht mangelndes Wissen, sondern Skepsis gegenüber Fremden: nichts sehen, nichts hören, nichts sagen - das Gesetz der Mafia vermeidet Probleme.

Eindrucksvoll: die riesige Stadtmauer samt Aquädukt.

Etwas zierlicher sind die Mauer und das Stadttor im benachbarten Castel Sant'Elia.

Unterhalb des Ortes steht das frühere Kloster mit der erhaltenen Basilika Sant'Elia; hier lebten Anastasius und Gefährten, die Gebeine von Nonnosus von Soracte wurden einst hierher übertragen, Odo von Cluny reformierte das Kloster. Eindrucksvoll ist der Chor …

… und von hier unter aus die Lage des Ortes auf dem Felsen.

Im Ort ist das Ordenshaus der Suore Madre Addolorata, in dem Franziska Streitel lebte und starb.

Noch viel mittelalterlicher als das Bisherige ist der Ort Calcata Vecchia - eine perfekte Filmkulisse, aber dort leben Menschen. Sagenhaft auch der Grund meines Besuches: hier wurde bis 1983 die Vorhaut Jesus Christi - seine einzige denkbare Körperreliquie - verehrt. Dann wurde sie wegen des kostbaren Reliquiars gestohlen - oder auf elegante Art eine Peinlichkeit entsorgt.

Auch dieser herrliche Ort wurde 1944 am 27. Juni - genau heute vor 73 Jahren - Opfer deutscher Bombenangriffe.

Schwierig wird die Suche nach den Resten der Burg Paterno bei Faleria; Heribert von Köln war dort, bei Heinrich II. wird sie erwähnt. Aber nach einigen Irrfahrten auf Feldwegen habe ich sie gefunden.

Ebenfalls mitten im Nichts, aber gut erreichbar nahe des Ortes Rignano Flaminio, steht die Abundius und Abundianus geweihte Kirche.

Wieder ein gut erhaltener mittelalterlicher Ort mit intakter Stadtmauer und engsten Gassen ist Sant'Oreste mit der Pfarrkirche San Lorenzo Martire im Gassengewirr. Hier in der Provinz sind die Kirchen leider wieder alle geschlossen.

Der Ort hat seinen Namen - verballhornt - von Edistus.

Hier ist alles alt: auch das Jesuskind hat schon eine Halbglatze.

Die Edistus geweihte Kirche etwas außerhalb ist heute die Friedhofskirche.

Auf dem hohen Monte Soratte habe Silvester I. einst eine Kirche errichtet, daraus entstand ein Kloster, in dem Anastasius und Gefährten sowie Nonnosus von Soracte lebten, das Paulus Giustiniani für die Kamaldulenser übernahm und in dem Edistus seit Alters her verehrt wurde. Etwas unterhalb gründete dann auch Karlmann ein neues Kloster.

Seit diesem Jahr ist die Auffahrt auf den Berg gesperrt. Zu Fuß in der Mittagshitze sind mir gut eine Stunde Aufstieg zuviel, also fotografiere ich den schönen Blick auf den Ort Sant'Oreste.
Und weil Faulheit bestraft wird, zerstöre ich mir beim Ausparken mein Rücklicht an einer Mauer - weil ich schlicht dachte, es sei jede Menge Platz und gar nicht geschaut habe. Ärgerlich, so viel Dummheit.

Glück dagegen in Civita Castellana, wo die Kathedrale auch am Mittag geöffnet ist. Papst Alexander III. starb hier im Exil, Maria ad Rupes ist die Diözesanpatronin - das ist aber nicht die auf diesem Bild dargestellte Maria.

Auch der alte Engel fällt mir ins Auge …

… oder diese Grabplatte.

Man glaubt es kaum, aber am Mittwoch kommen dann nicht nur dunkle Wolken und Wind, sondern sogar etwas Regen - zehn Minuten lang, der Boden verdampft ihn und wird nicht einmal nass, aber immerhin: der erste Regen seit fast 10 Wochen. Und auch der Donnerstag hat dann angenehmere Temperaturen. Dennoch wird es Zeit, zu gehen: der Platz wird voller, in Italien beginnen die Ferien.

1 Goethe: Italienische Reise. Hg. von Herbert von Einem, 3. Aufl. der Sonderausgabe. C. H. Beck, München 1985, S. 531

Tracks
gibt es wie aus Rom keine, denn mein Navi-Trafo setzt in der Hitze immer wieder aus, da kann man keine Tracks aufzeichnen.

Logbuch Reiselogbuch - 2017-1-11

geschrieben am 21., 23., 24., 25. und 29. Juni 2017



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