Welt bereisen Das Reiseblog des Ökumenischen Heiligenlexikons

Kategorie: Tunesien, Corona und Verschiedenes

Florenz

   J. Schäfer         

Dienstag, 15. September, bis Dienstag, 29. September

Nun geht es endlich nach Florenz - ich hatte ja schon in Tunesien beabsichtigt und vorbereitet, bei der Rückkehr von dort Mitte Juli die Stadt zu besuchen - was dann die italienischen Reisebestimmungen verboten haben. Auf der Anreise besuche ich noch einige Orte am Bodensee und in Österreich, dann komme ich an meinen Standort in der Renaissance-Stadt, den perfekt augestatteten Camping Firenze in town. Der große Platz ist proppevoll, ich erwische glücklicherweise einen recht schattigen Stellplatz - die Sonne brennt bei 32°. Und am übernächsten Tag geht's mit dem Omnibus in die Stadt - sie ist wie erwartet betriebsam und mit Menschen gefüllt, aber es sind überwiegend Einheimische, die den Samstag zum Bummeln und Einkaufen nutzen - wie erwartet also nicht die riesigen Massen von Touristen und Warteschlangen.

Oberbayern

   J. Schäfer         

Freitag, 4. September, bis Mittwoch, 9. September

Noch eine kurzer Ausflug war möglich Anfang September, fünf Tage für Ziele in Oberbayern, darunter das Kloster Ettal, in dem Rupert Mayer lebte, das ehemalige Kloster Tegernsee, Bad Reichenhall - natürlich mit einem Blick auf den Königssee.
Ergebnis der gut 1500 km waren 400 Fotos, davon 74 Bilder fürs Heiligenlexikon.

München

   J. Schäfer         

Dienstag, 18. August, bis Samstag, 22. August

Vier Tage habe ich Zeit: München ist das Ziel, hier das Rathaus; von Corona ist auf dem wuseligen Platz davor nichts zu merken.

Ich fand den idealen Übernachtungsplatz: der Parkplatz am Freizeitgelände Hollerner See, unweit ist in Garching die U-Bahn-Station für die Fahrt ins Stadtzentrum. Und der Sonnenuntergang: sehenswert. Am dritten Tag geht es in die Umgebung, u. a. nach Wolfratshausen-Nantwein zu Nantwein, nach Benediktbeuern, wo es nahe der Klosterkirche einen ruhigen Übernachtunsplatz gibt, an dem ich Zeuge einer Führung zu Fledermäusen werde, die hier durch die Aenddämmerung fliegen, und nach Dießen am Ammersee, wo die ehemalige Burg die Heimat von Euphemia von Altomünster, Kunissa von Andechs, Mechthildis von Dießen, Rasso von Andechs und Rathard von Andechs war.

Ergebnis der vier Tage und knapp 1000 km Fahrstrecke sind 560 Fotos, davon 68 fürs Heiligenlexikon.

Bayern

   J. Schäfer         

Freitag, 24. Juli, bis Freitag, 7. August

Auch in Deutschland kann es idyllisch und besinnlich-ruhig sein: hier die Kapelle im Wald nahe Attenfeld bei Neuburg an der Donau, wo der Überlieferung zufolge schon Willibald von Eichstätt und seine Gefährten im Rahmen einer Pilgerreise Rast machten.
15 Tage konnte ich in bayerischen Gebieten von Mittelfranken, der Oberpfalz und Niederbayerns unterwegs sein; größere Entfernungen waren nicht möglich, da ich auch urlaubende Kollegen im Pfarrdienst vertrete. Bei meist herrlichem Wetter - mit bis zu 38° zu heiß - und drei Tagen heftigem Regen konnte ich 96 Orte besuchen und fast 1500 Fotos machen - von denen 222 ins Heiligenlexikon wanderten.

Heimkehr

   J. Schäfer         

Donnerstag 8. Juli, bis Freitag, 17. Juli

Donnerstag und Freitag verbringen wir - Gabi und Ralf, Mathias und seine Frau Nathalie - faul und weiterhin feucht-fröhlich, auch noch einmal am Pool im Hotel Khayam Garden. Für ernsthaftes Arbeiten knallt zuviel Sonne, auch wenn es auf dem Campingplatz in Nabeul viel Schatten gibt.

Am Samstag heißt es dann Abschied nehmen mit einem ganz herzlichen Dankeschön an Matthias, der uns so ungemein freundlich betreut und unermüdlich hilfreich zur Seite gestanden hat, und an Raffiq und seine Frau Fanny, die Besitzer des Campingplatzes, die zugewandten und zuverlässigen Gastgeber auf ihrem rundum empfehlenswerten Campingplatz und in ihrem ebensolchen Restaurant.

Behördenfrust

   J. Schäfer         

Donnerstag 2. Juli, bis Mittwoch, 8. Juli

Den Donnerstag verbringe ich auf dem Campingplatz, am Freitag geht es mit Mohammed, dem leitenden Mitarbeiter in der Textilfirma von Matthias, zum Zoll, um das Triptique - die Genehmigung für das Auto in Tunesien - zu verlängern. Mohammed redet mit dem Behördenchef: eine Verlängerung ist nicht möglich, ich brauche eine tunesische Sonderzulassung. Dazu: anstehen am Schalter - nebenan beim Finanzamt eine Gebührenmarke kaufen - mit dem Zoll-Formular zum Finanzamt - dort will man Kopien meiner Papiere - also zum Kopierladen - zurück: sie brauchen eine Übersetzung meines Fahrzeugscheines von einem amtlichen Übersetzungsbüro - also dorthin gefahren, kostet 10 €. Dann ist es nach 12 Uhr, um 13 Uhr machen freitags (Moscheetag) die Ämter zu, mehr ist also heute nicht zu erreichen.

Rückkehr

   J. Schäfer         

Mittwoch, 3. Juni, bis Mittwoch, 1. Juli

Vier Wochen vergingen zuhause mit Arbeit an den November-Heiligen für das Ökumenische Heiligenlexikon und immer wieder neuen Informationen über die Reisemöglichkeiten nach Tunesien. Am Mittwoch, dem 24. Juni, die Mitteilung: die Grenzöffnung steht, für die Einreise gibt es drei Listen: grün ist ohne jegliche Beschränkung, gelb mit Corona-Test und sieben Tagen Quarantäne in einem Hotel, rot heißt verweigerte Einreise. Auf welcher Liste steht Deutschland? Es gibt die Listen nirgendwo, auch die Suche auf der Webseite des Gesundheitsministeriums bleibt erfolglos. Auch am Montag, am Dienstag und am Mittwoch. Also schaue ich auf die Seite der WHO mit den Fallzahlen der Länder weltweit - demnach müsste Deutschalnd gelb sein. Also lasse ich am Donnerstag am Flughafen Stuttgart den Covid-19-Test machen - nur so bekomme ich den Bescheid noch am Montag, damit ich ihn mitnehmen kann.

Am Montag hole ich morgens den Test - keine Covid-19 - und die Arztrechnung für den kanpp zwei Minuten dauernden Abstrich: Eingehende Beratung mind. 10 min. (sic!), erhöhter Schutzaufwand Corona - Untersuchung, symptobezogen, erhöhter Schutzaufwand Corona - Abstrichentnahme, erhöhter Schutzaufwand Corona - kostet 55,06 €, die Laborrechnung wird folgen, ca. 100 €. Nach der Heimkehr um die Mittagszeit die Nachricht: die Listen sind nun veröffentlicht, Deutschland ist grün, also keinerlei Bedingungen!
Abends geht es dann nach Köln zum Flughafen, Ankunft 24 Uhr; an Schlafen ist nicht zu denken: fast stündlich gehen Flieger in die Türkei - in NRW haben am Wochenende die Ferien begonnen -, auch die ersten Tunesien-Fluggäste warten wie ich, entsprechend ist der Lärmpegel aufgeregter Heimkehrer und übernächtigter Kinder. Um 4 Uhr bildet sich die Schlange am Check-In, um 7 Uhr soll der Abflug sein - er verzögert sich 20 Minuten, weil der Purser offenbar verschalfen hat.

Pleite

   J. Schäfer         

Montag, 1. Juni, bis Dienstag, 2. Juni

5 Uhr aufstehen, 6 Uhr Straßenbahn, 7 Uhr der - fast leere - ICE nach Frankfurt-Flughafen. Dort ist der Schalter von tunis-air nicht besetzt. Aber noch sind es ja drei Stunden bis zum Abflug. Auf der Abflugtafel ist der Flug nicht vereichnet. Der Info-Mann sucht in seinem Handy - findet keinen Flug nach Tunis, aber ich soll am Info-Point fragen. Tunis - schon lange nicht mehr; kein Flug, definitiv.

Also zurück nach Stuttgart. Dazu brauche ich eine Fahrkarte, aber keiner der drei DB-Automaten nimmt Geld oder Kreditkarte. (Das ist wohl so, damit die am großen Flughafendrehkreuz Ankommenden gleich erfahren, dass sie in einem Land mit maroder Infrastruktur gelandet sind.) Glücklicherweise gibt es auch ein geöffnetes Reisebüro. Im Zug lese ich die Erklärung für den ausgefallenen Flug - der ebensowenig stattfand wie der für gestern geplante Rettungsflug, mit dem Tunesier heimgeholt werden sollten: offenbar ist tunis-air praktisch pleite, wie der Zeitungsartikel in Tunisie numerique nahelegt; dass die Fluggesellschaft Probleme hat, ist seit längerem bekannt. Zuhause angekommen, lese ich den Artikel vom Nachmittag, der Hitergründe erläutert und aus dessen Kommentaren sich die Erklärung ergibt: Verkehrsminister scheint die Haut des nationalen Luftfahrtunternehmens zu wollen; offenbar verweigert der Verkehrsminister tunisair Staatshilfen, weil er das Unternehmen seinen Freunden aus Katar günstig übergeben will.

Neuer Anlauf

   J. Schäfer         

Dienstag, 7. April, bis Sonntag, 31. Mai

Fast acht Wochen war ich nun zuhause in Stuttgart, habe die Lage in Tunesien und die Reisemöglichkeiten beobachtet, immer wieder mit dem deutschen Residenten Matthias gesprochen über die Situation - von ihm stammt das Bild von meiner Kiste mit dem Kommentar Alles in Ordnung - daran hatte ich keinen Zweifel. Es gab aber bislang praktisch keine Möglichkeiten, nach Tunesien zu kommen und von dort wieder weg. Nun aber sind für Juni Reisemöglichkeiten gegeben: Tunisair fliegt, die GNV-Fähren fahren nach Italien. Also habe ich für Montag, den 1. Juni, den Flug nach Tunis gebucht, für akzeptable 200 €. Dort muss man dann für - nur noch - eine Woche in Quarantäne in ein Hotel; das kostet 330 €, dann kann ich mich in Tunesien frei bewegen.
Die Lage vor Ort ist höchst erfreulich: Tunesien hat seit Ausbruch der Pandemie bis zum 26. Mai insgesamt nur 1068 Erkrankte, davon sind 47 gestorben und 903 geheilt, also derzeit 118 akut Infizierte; Baden-Württemberg hat ziemlich genau dieselbe Bevölkerungszahl, aber 34.431 Fälle, 1738 Gestorbene und noch immer 3095 Infizierte. Der Distrikt Nabeul hat insgesamt nur 15 Fälle seit Anfang der Pandemie, abgesehen von dem gleich zu Anfang dort Verstorbenen sind alle geheilt; der etwas weniger Menschen umfassende Stadtkreis Stuttgart hat 1465 Fälle bei 61 Toten und aktuell 5 neue Fälle an einem Tag. Lange Zeit habe ich den Leuten hier gesagt, Nabeul sei 130 Mal sicherer als Stuttgart; inwischen ist es also rein mathematisch unendlich sicherer. Und die Fallzahlen sind in Tunesien nicht deshalb so viel geringer, weil wenig getestet wird - dieser Verdacht stimmt nicht - sondern weil konsequent gehandelt und erst jetzt geöffnet wurde.

Rettungsflug

   J. Schäfer         

Donnerstag, 2. April, bis Montag, 6. April

Gestern Abend wurde ich richtig euphorisch: Raus aus der Gefangenschaft, zuhause vernünftig und produktiv arbeiten können, mit Internet am PC - wow! Ich musste mich zwingen, die Euphorie zu dämpfen: Vielleicht bekomme ich ja keinen Platz im Flieger, vielleicht klappt das nicht mit Auto beim Zoll - und auch der Flieger könnte abstürzen … - also: Gemach!
Heute morgen, nach geruhsamem Schlaf das Gefühl: ich bleibe hier, es fehlt doch an nichts! Vernunft und Telefonate und die Erinnerung an gestern Abend bringen mich zum Ergebnis: ich probiere es, dann schauen wir, was passiert, ich lege es in Gottes Hand und werde so oder so zufrieden sein. Also alles organisieren - Matthias, der Resident, war eine ganz große Hilfe. Und dann alles vorbereiten: viel packen kann ich nicht, ich habe keinen Koffer / Reisetasche etc., nur den kleinen Packsack meines Duschzeltes; aber das Auto muss ich sommerfest machen.

Am Freitag: 5 Uhr schellt der Wecker, 6 Uhr kommt das Taxi nach Tunis. Es regnet wie aus Kübeln - Tunesien will mich verabschieden, indem es sich als grau, kalt und ungemütlich erweist. Kurz nach 7 Uhr sind wir am Flughafen - wo schon eine große Menschenmenge, mehrere hundert Leute, wartet. 8 Uhr ist Einlass und dann geht alles sehr zügig: Prüfung der Erklärung für den Rettungsflug - 250€ werden einem später in Rechnung gestellt, Check-in: es kommen alle 450 Wartenden mit. Die Leute von der Botschaft sind zahlreich, sehr freundlich und sehr hilfsbereit. Meine eher kritische Anmerkung von letzter Woche ist widerlegt. Ich habe der Botschaft dann gemailt: Als Teilnehmer an Ihren gestrigen Rettungsflügen Danke ich zunächst der Bundesregierung für dieses Angebot und dann sehr herzlich den Mitarbeitern Ihrer Botschaft für das ausgesprochen freundliche und hilfsbereite Wirken am Flughafen Tunis.
Auch das Auto beim Zoll abmelden geht völlig problemlos, dann die Ausreiseerklärung ausfüllen, Passkontrolle, Boarding - und pünktlich um 11 Uhr hebt der Flieger nach Köln ab - es gab vier Flüge, das Ziel in Deutschland konnte man sich nicht aussuchen, aber Köln kommt mir gelegen. Die Maschine ist gefüllt bis auf den letzten Platz - sehr wenige Touristen, zuallermeist in Deutschland lebende und arbeitende Tunesier; die Frau neben mir ist eine junge tunesische Altenpflegerin mit Wohnsitz Köln: die braucht man dort jetzt dringend!

Gewöhnung

   J. Schäfer         

Freitag, 27. März, bis Mittwoch, 1. April

Dorothea Siems, das neoliberale Plappermaul von der WELT, in allen Talkshows sitzend und viel Nichts sagend, hält die anstehende Rentenerhöhung für in dieser Krise nicht machbar. Überhaupt müsse man - ich ergänze: frau, aber natürlich nur die Kleingeschriebenen! - jetzt den Gürtel enger schnallen. So wie Adidas: der Sportartikel-Hersteller hat auf das Ausnahme-Gesetz zurückgegriffen und die Mietzahlungen für seine Geschäfte eingestellt. Schließlich braucht der Konzern das Geld für den jetzt durchzuführenden Aktienrückkauf in Höhe von 1 Milliarde €.

Jemand hat mir geschrieben, das Fliegen verbieten, eine solche Einschränkung von Freiheit, das ginge ja gar nicht. Stimmt: Millionen Menschen wären in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Aber jetzt sind es Milliarden, die in Isolation sitzen - von den Toten mal abgesehen. Freiheit für Millionen auf Kosten der Freiheit von Milliarden - das geht? Aber nur ruhig, lieber Leser: es wird so nicht kommen.

Gelesen habe ich, was die Leute hamstern: Deutsche Klopapier, Franzosen Wein. Genau das macht den Unterschied! Und in England hat Boris Johnson, der noch vor acht Tagen keinerlei Maßnahmen ergreifen wollte, weil das der Wirtschaft schadet, jetzt der Virus befallen. Mich freut das nicht, denn klammheimliche Freude ist in Deutschland seit 40 Jahren verboten.

Grauer Corona-Alltag

   J. Schäfer         

Montag, 23. März, bis Donnerstag, 26. März

Gestern abend musste ich nun selbst kochen - das Restaurant ist ja seit heute auch zu. Na ja: die Tomatensoße warm machen, die Bernd, der Chef der Wüstenfahrertruppe von Offroadkangaroo, mir auch überlassen hatten. Die ist gut, versprach er. Stimmt. Beim Verdauungsspaziergang sehe ich Gelblicht auf der Straße und die Neugier drängt mich ans Tor: ein Tankwagen fährt langsam und ein Mann verteilt mit einer Schlauchspritze Unmengen Desinfektionsmittel über Straße, Gehweg und angrenzende Wände.
Deutsche Nahverkehrsmittel haben Desinfektionsmaßnahmen vor einigen Tagen abgelehnt, die normalen Reinigungsintervalle reichten. Kostete ja Geld. Die Stuttgarter Straßenbahnen - ein kommunales Unternehmen mit normalerweise eigentlich guter Leistung - haben weniger Passagiere gezählt und die Zahl der Fahrten eingeschränkt - so sehr, dass die Leute jetzt dichtgedrängter als zuvor stehen. Immerhin: der OB hat eingegriffen.
Die tunesische Regierung weiß, dass das hiesige Gesundheitswesen bei einer Epidemie keine Chance hat, also tut sie alles zur Prävention. Offenbar mit Erfolg: vom ersten festgestellten Fall im Land am 2. März stieg die Zahl der Infizierten nach vierzehn Tagen auf 48; die Vergleichszahlen lauten für Italien 5583 und für Frankreich 2281 für die jeweils dortigen ersten 14 Tage. Dabei geholfen haben hier natürlich auch die sowieso weitgehend geschlossenen Grenzen und der - eigentlich: leider - geringe Tourismus.

Ausgangssperre

   J. Schäfer         

Sonntag,, 22. März

Nun ist also Ausgangssperre, es ist totenstill - gespenstisch. Der Himmel dazu grau, es gab wieder Regen, aber immerhin morgens um 8 Uhr schon 16°. Der Security-Mann und der Gärtner sind hier zugange wie an jedem Tag, aber sonst: nichts außer Vogelgezwitscher. Die Katzen schleichen über den Platz - das tun sie immer, aber irgendwie spüren auch sie offensichtlich, dass etwas nicht stimmt. Ich mache Frühgymnastik - das erste Mal in meinem Leben betätige ich mich freiwillig sportlich, ich muss meinen Kreislauf gesund halten: 40 Meter zur Garage, 30 Meter zum Eingangstor, 20 Meter Richtung Nachbarhäuser, 30 Meter über die ob des vielen Regens teilweise noch grüne Wiese zur Mauer an der Straße. Mehr Auslauf ist nicht - aber immerhin. Der Laden gegenüber hat geöffnet und frisches Brot zum Frühstück, die kommunale Müllabfuhr war da - die Versorgung läuft.
Es gab in Tunsien gestern 48 Fälle, einen im Distrikt Nabeul, und einen Todesfall, ganz im Süden des Landes, eine schon infiziert aus der Türkei heimgekommene 80-jährige Frau.

Ausharren als Corona-Gefangener

   J. Schäfer         

Samstag, 21. März

Die Rettungsfliegenden sind alle weggekommen. Am gestrigen Nachmittag gab es zunächst die Meldung, das Paar mit Hund komme zurück, weil der Hund nicht in den Flieger darf. Zwei Stunden später war die Nachricht, Frau und Hund konnten fliegen, aber der Mann komme wieder, weil es mit dem Auto beim Zoll Probleme gab. Tatsächlich konnten alle drei fliegen, allerdings nach Rom und von dort aus heute nach Deutschland. Einer aus der Truppe ist Holländer - andere EU-Bürger aber nehmen die Deutschen nur mit, wenn alle Deutschen Platz im Flieger bekommen haben und dann noch welche frei sind. Toll, vereintes Europa! Aber es hat auch für ihn geklappt, alle haben es also glücklicherweise nach good old Germany geschafft.

Ich stelle mich auf mehrere Wochen Tunesien ein, in Italien und in Deutschland nimmt die Situation zunehmend schlimmere Dimensionen an. Beim Versuch einzuschlafen, überfiel mich gestern Abend die Depri-Stimmung: völlig allein, auf ungewisse Zeit und in einer Umgebung, wo sich die Lage in unkalkulierbarer Weise zuspitzen kann - hätte ich nicht doch auch Fliegen sollen? Aber die gestrige Tageslosung sagt: Der Herr deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, er birgt mich im Schutz seines Zeltes. (Psalm 27, 5). Oh, du Kleingläubiger! Und außerdem war es schon immer mein Konzept, so zu reisen, dass ich - bei allen Privilegien, Auto, Geld, deutscher Pass - möglichst nah an den Leuten im Land lebe - und hier ist es nun einmal jetzt eben so.
Morgens wache ich gut gelaunt auf. Matthias, ein deutscher Resident, der hier ganz in der Nähe wohnt, kommt vorbei und erzählt, dass es eine große Zahl von Flugzeugen war, die gestern Europaheimkehrer abholten. Und dass in der Wüste kurz vor Douz noch ein LKW mit Deutschen verharrt: ihnen ging die Lenkung kaputt. Vielleicht bekomme ich ja doch noch Gesellschaft …