Welt bereisen Das Reiseblog des Ökumenischen Heiligenlexikons

Kategorie: Süditalien / Malta 2017

Malta - eine Reise wert!

   J. Schäfer         

Gruendonnerstag, 13. April

Nach einer ruhigen Nacht schaue ich von St Paul's Bay aus auf die St Paul's Islands. Der Überlieferung zufolge schwamm Paulus von der Insel hierher auf die Hauptinsel.

Dort wurde er von den Einheimischen mit außergewöhnlicher Freundlichkeit empfangen und konnte sich an einem von diesen für die aus dem Wasser Gestiegenen angefachten Feuer wärmen; als er dann von einer giftigen Schlange gebissen wurde aber er überlebte, sagten die Leute, er sei ein Gott (Apostelgeschichte 28, 1 - 6); an dieser Stelle steht nun diese St Paul's Shipwreck Chapel; schon 1533 wurde von einer Kapelle an dieser Stelle berichtet. Der heutige Bau wurde nach schwerer Zerstörung durch deutsche Bomben im 2. Weltkrieg ab 1950 errichtet und 1956 geweiht.

V. a. Anfang des 17. Jahrhunderts wurde der unbefestigte Norden Maltas immer wieder von Piraten überfallen; zum Schutz errichtete Großmeister Wignacourt in St Paul's Bay diesen Wehrturm, der nun seinen Namen trägt.

In Rabat - arabisch: Pferdelager -, der Stadt vor der alten Hauptstadt Mdina, muten die Häuser noch immer arabisch an.

An der Pauluskirche in Rabat findet sich diese Statue eines Bischofs, wohl Publius von Malta darstellend.

Die Kirche der Franziskaner in Rabat, der ältesten Niederlassung des Ordens auf Malta, gebaut 1500.

Das Stadttor von Mdina - arabisch: von Mauern umgebende Stadt -, der Hauptstadt bis zum Eintreffen des Malteserordens.

Die Agatha von Catania geweihte Kapelle in Mdina ….

… steht genau neben dem Benediktinerkloster, in dem Maria Adeodata Pisani Äbtissin war.

Die Kathedrale von Mdina ist bis heute die eigentliche Bischofskirche, schon Manas von Malta war hier Bischof, Konrad Confalonieri von Piacenza zu Besuch; seine Residenz hat der Erzbischof von Malta heute in Valletta.

Zum Fest reich geschmückt: die Lukas-Kapelle

Der Boden besteht aus reich geschmückten Grabplatten.

schön: ein Haus am Platz der Kathedrale

unweit: die Rochus-Kapelle

riesig: die Kirche der Karmeliter

eng: Gut, dass ich zu Fuß unterwegs bin, denn wer weiß schon, wie breit 5'6'' ist? (Google: 170,688 cm, zu schmal für meine Kiste)

Von Mdina, ziemlich im Westen der Insel, geht der Blick auf die Hauptstadt Valetta und die sie umgebenden Städte im Osten. Man sieht, wie klein die Insel ist. Wenn Papa in Valetta zu seiner Familie sagt: Heute machen wir einen richtig groooßen Ausflug und fahren bis ans Ende unseres Landes, dann meint er: 29 km; in der Breite sind es maximal 15 km - nicht Luftlinie, sondern Fahrstraßenentfernung. Wenn Papa seiner Familie eine längere Reise gönnen möchte, muss er spätestens am Tag vorher das Ticket kaufen, für seinen VW-Golf 200 € (einschl. Rückfahrt) auf den Tisch legen, um 5 Uhr morgens am Fährhafen bereitstehen - und kommt dann um 8 Uhr in Pozallo an - im Nichts auf Sizilien. Die Rückfahrt ist - außer mittwochs - frühestens am nächsten Morgen möglich, also Übernachtung muss auch drin sein. So geht's, wenn die Fähre fährt; wenn, denn es ist ein Katamaran - worauf die Malteser sehr stolz sind - schnell, aber anfällig gegen Wellen. Heute, da ich schreibe, fährt sie wegen des Wetters nicht. In der Zeitung Independent - sie liegt auf der Fähre aus - ist zu lesen, dass Lidl für seine 7 Läden auf Malta ein eigenes Verteilzentrum bauen will, da ihm die Beschickung aus Sizilien wegen der häufigen Ausfälle des Schiffes zu unsicher ist.

Wieder am Ausgang der Stadt - Mdina ist winzig, 236 Einwohner -: das Naturkundemuseum von Malta.

Auch Rabat besticht durch enge Gassen.

Nachdem das Kathedralmuseum in Mdina nichts besonderes zeigte, versuche ich es auch im Museum an der Paulus-Kirche in Rabat im ehemaligen Kolleg Wignacourt. Es zeigt das einstige Auto des Erzbischofs, ein Austin Six von 1937, bis in die 1960-er Jahre benutzt; 7 Sitze, 70 PS, über 112 km/h schnell, Anschaffungspreis damals: 595 £ - aber für den Bischof doch sicher ein Werbegeschenk?
Für mich lohnte der Besuch wegen vieler Gemälde von Ordensheiligen.

Die Pauluskirche in Rabat ist jetzt festlich geschmückt für die kommenden Festtage.

Das Priesterseminar am Stadtrand ist ziemlich neu - und hässlich - und ich brauchte es eigentlich, wie sich zeigte, nicht aufzusuchen - aber es gab einen schattigen Platz für den Mittagsschlaf, denn wie schon gestern ist auch heute hier herrlichstes Sommerwetter, 30° um 15 Uhr.

Am Abend komme ich durch Mosta an die Kirche, deren riesige Kuppel man von fast überall her sieht. Es ist, lerne ich, die Kirche Maria Assunta, sie hat die viertgrößte freitragende Kuppel Europas - nach dem Petersdom und dem Pantheon, beide in Rom, und dem Dom in Florenz - mit 60 m Höhe und 52 m Durchmesser. Nach dem auch auf Malta vieles zerstörenden Erdeben von 1693 war der Vorgängerbau in schlechtem Zustand, ein Neubau wurde dringend, aber es gab kein Geld. So machten sich 1833 die Einwohner mit Eigenmitteln und -arbeit an den Bau und errichteten die Kirche und die Kuppel - aus Kostengründen ohne Gerüst! 1871 war alles fertig, 1400 Menschen haben Platz.

In der Kirche beginnt bald die Gruendonnerstagsmesse. Neben dem Bau ist mit der Kirche ein zweites Wunder verbunden: 1942 warfen die Deutschen eine Bombe auf die Kuppel, die diese durchschlug, aber nicht explodierte, deshalb blieben die gerade in der Kirche versammelten 300 Menschen alle unverletzt.

auch hier: ein prächtig geschmückter Seitenaltar.

Vor der Kirche kann man mit den Kriegserinnerungen ein wenig Geld verdienen.
Schon im Juni 1940 gab es deutsch-italienische Angriffe auf die Insel, die dort stationierte britische Marine sollte gehindert werden, die Versorgung der Wüstenkriegs-Truppen in Nordarfika zu behindern. Göring ordnete die völlige Vernichtung Maltas an, täglich gab es bis Ende 1942 Luftangriffe der auf Sizilien stationierten Luftwaffe, allein im April fielen 6700 Bomben. Die Bevölkerung hatte ja keine Fluchtmöglichkeit, dank der alten Festungen, Höhlen und Katakomben starben nur 2000 Menschen. Diese deutsch-italienische Heimsuchung wird in Malta als die zweite Belagerung - nach der ersten durch die Türken 1565 - bezeichnet. König Georg VI. von England verlieh den Maltesern ob ihrer Standhaftigkeit das Georgskreuz, die höchste Auszeichnung für Zivilisten, das heute die maltesische Flagge ziert. Mit dem Scheitern des deutschen Afrika-Feldzugs im Mai 1943 war auch Malta endlich erlöst.
Wenn ich so schlau schreibe, dann Dank des wirklich exzellenten Reiseführers, der jede Kleinigkeit exakt beschreibt und erläutert. 1

Zuhause an meinem Stellplatz angekommen, hat der sich gefüllt. Man kann auf Malta zwar nicht mobil sein - wohin denn? - aber wohnen. Was ich schon immer ahnte, bestätigt sich: der Begriff Wohnmobil ist falsch, es ist ein Wohn auf Rädern, aber nicht zum wirklich Fortbewegen.

Karfreitag, 14. April

Im Vorbeifahren - inzwischen ist Linksfahren möglich, vor jedem Start heißt der Denkspruch: Wir fahren Links und im Kreisverkehr kommen sie von rechts! 2 - ein Blick auf Mdina.

In Rabat besuche ich die Agatha von Catania geweihte Kirche; die Katakomben sind heute leider geschlossen.

In einer Kirche in Paola wird Ubaldesca verehrt. Unweit steht die große Pfarrkirche, um die herum das Feiertagstreiben lebendig ist.

Drinnen wartet die Tragefigur auf die Prozession.
Vor der Kirche irritiert mich lautes Tack - - Tack - - Tack - bis ich entdecke: auf dem Kirchendach steht eine riesige Rätsche aus Holz, die das Geräusch macht (angetrieben vom Wind?) Und dann höre ich es die nächsten Tage auch an anderen Kirchen, auch noch am Ostersonntag auf Sizilien. Da wird sich der Herr Jesus aber freuen; im pietistischen Württemberg galt die Regel, dass man Karfreitag und - samstag nicht im Garten graben und nicht in den Keller gehen darf, um den Herrn Jesus nicht in seiner Grabesruhe zu stören.

An einem Privathaus; das ist Frömmigkeit!

die Pfarrkirche von der Seite

In Birkirkara - arabisch: (nur) eine Kirche ist Scheiße - steht das Geburtshaus von Ignatius Falzon. Unweit ist eigentlich dem Pestheiligen Rochus von Montpellier diese Kapelle geweiht, das Volk verehrt heute hier aber Rita von Cascia - Pest ist glücklicherweise kein Thema mehr.

Birkirkara ist mit 21.889 Einwohnern (Ende 2013) die größte Stadt Maltas. Die Pfarrkirche ist Helena geweiht.

Auf der Suche nach der ehemaligen Adelheid Cini-Schule komme ich in Ħamrun an das von der von Georg Preca gegründeten Organisation betriebene Schulzentrum. Wenn die Pädagogik ist wie die Gebäude …

Gegenüber ist das Denkmal für die Kriegsopfer 1940 bis 1942: in Ħamrun 127 Tote zwischen 3 und 91 Jahren.

In Santa Venera steht noch die Anfang des 17. Jahrhunderts errichtete Wasserleitung, die vom Landesinneren nach Valletta führte.

Ich suche das Institut, das Adelheid Cini in Santa Venera gründete, und finde es nicht - heute weiß ich, dass ich wieder einmal wenige Meter davor stand: not visible at all from the main road just a few meters away. Stattdessen sehe ich die Venera geweihte Kirche

… die in verschlafener Feiertagsruhe stehenden Häuser …

… das Duplikat meines allerersten Autos, das ich vor ziemlich genau 45 Jahren kaufte …

… ein anderes Bildungsinstitut, 1914 von einem wohlhabenden Ehepaar als Kolleg für Technik gestiftet …

… und das vom selben Ehepaar gestiftete, 1876 bis 1880 gebaute ehemalige Konservatorium

… in Ħamrun das örtliche Parteilokal der konservativen Partit Nazzjonalista

… noch eine Schule, die von der von Georg Preca gegründeten Organisation betrieben wird …

… und dann mit Glück das andere gesuchte, das von Georg Preca gegründete Institut.

Am Hafen in Vittoriosa - eigentlich Birgu, arabisch Burg, aber nach der überstandenen Belagerung durch die Türken 1565 in die Siegreiche umbenannt - verbringen einfachen Leute vor der Kulisse der Luxusjachten ihren Feiertag.

Auch dieser alte Dampfer liegt ruhig im Wasser.

Das Fort St Angelo in Vittoriosa ist aus der Nähe noch eindrucksvoller wehrhaft.

Gegen Abend besuche ich nocheinmal die Publius-Kirche in Floriana und bewundere daneben das für die Prozession inzischen aufgebaute Tor, gekrönt von Publius von Malta

… und kann jetzt auch das Kircheninnere bewundern …

… nicht zuletzt die Kronleuchter.

1 Werner Lips: Malta, Gozo, Camino, 6. Aufl., Reise Know-How Verlag, Bielefeld 2010

2 Ich dachte übrigens: wenn alles hier links ist, muss auch die Vorfahrtsregel links vor rechts sein; die braucht man aber nicht, weil alle Einmündungen sorgsam und sichtbar - wir sind hier nicht auf Sizilien! - gekennzeichnet sind. Inzwischen weiß ich: es gälte dennoch rechts vor links. Die Engländer sind halt ein komisches Völkchen.

Ostersamstag, 15. April

Um die Fassade der Publius-Kirche in der Sonne zu fotografieren, ging wieder nach Floriana, aber mit zwei Stunden Fahrzeit für 23 km hatte ich nicht gerechnet - auf den Straßen war die Hölle los!

Nun nocheinmal nach Valletta hinein, wo mir dieses Denkmal zur Erinnerung an das Kriegsende von 1943 begegnet.

Auch die Augustinerkirche ist festlich geschmückt.

die Franziskanerkirche

die Karmeliterkirche

Die anglikanische, Paulus geweihte Kathedrale

… ist auch von vorn mächtig prächtig.

Auch in Valletta: abseits der Touristenpfade hält sich der Wohlstand sichtlich in Grenzen.
Das BiP pro Kopf beträgt (2013) 22.872 $ - ziemlich genau die Hälfte des deutschen und ⅔ des italienischen, aber das anderthalbfach des sizilianischen - und mit 7,2 % Steigerung zum Vorjahr. Im Bereich der Dienstleistungen werden 83,1 % des BIP generiert, v. a. im Tourismus, aber auch in der Finanzwirtschaft. Im Staatshaushalt betrugen die Ausgaben 2015 umgerechnet 3,4 Mrd. $, dem standen Einnahmen von umgerechnet 4,0 Mrd. $ gegenüber - ein Haushaltsüberschuss in Höhe von 6,6 Prozent des BIP! Mit einer Unternehmenssteuer von 5% ist das Land neben Zypern eine der wichtigsten Steueroase innerhalb der EU.

die Dominikanerkirche

Davor werden die Banner für die Prozession angebracht.

die Jakobus geweihte Kirche

und das prächtige Wappen an der italienischen Herberge

auch heute im Hafen: ein großes Kreuzfahrtschiff

Und zum Abschied von Valletta, schon in Floriana: das Kriegsdenkmal, 1938 errichtet, ursprünglich für die Opfer des 1. Weltkrieges, 1949 umgewidmet für die beider Weltkriege; von hier geht's noch zum Kapuzinerkloster in Floriana; Ivo von Malta war Kapuziner.

Ostersonntag, 16. April, bis Sonntag, 23. April

Ich habe im Hafen übernachtet, denn für die Fähre musse ich mich um 5 Uhr (?) bereitstellen. Es wurde eine nahezu schlaflose Nacht mit viel Lärm in Hafen - trotz Feiertag - und Verkehr auf der Straße - wegen des Feiertags. Viele junge Männer auf Malta fahren wirklich, als ob es kein Morgen gäbe - rasen auch durch die Städte, wenn möglich. Es gibt zwar viele Blitzer, aber deren Standort kennen sie ja; auf den Straßen gibt es extrem viele Spuren von Unfällen - obwohl die Zahl der Verkehrstoten nur die Hälfte des EU-Wertes beträgt, wohl weil fast alles im Stadtverkehr stattfindet.
Im Morgengrauen hieß es dann Abschied nehmen.

Noch ein Blick auf die massiven Befestigungen …

… auf Valletta …

… und dessen südöstliche Ecke.
Malta ist definitiv einen Besuch wert - der muss nicht lange dauern, weil alles eng beieinander ist. Ich war nur kurz, aber länger hier als für vergleichbare Recherchen und habe mich sehr wohl gefühlt. Es waren sehr intensive und reich gefüllte Tage, dennoch auch die erhoffte Erholung vom sizilianischen Elend. Neben der spannenden Geschichte und der ausgeprägten Frömmigkeit hat Malta sicher auch für Erholung und Urlaubspaß Suchende viel zu bieten, nicht zuletzt herrliches Wetter.

In Taormina galt es noch einige Restarbeiten zu erledigen, so der Besuch in der Kirche San Francesco di Paola, dem früheren Dom. Maximus von Taormina, Nikon von Taormina und Pankratius von Taormina waren - der Überlieferung zufolge - hier frühchristliche Bischöfe.

Vor der Pankratius geweihten Kirche, die auf den Resten eines Isis-Tempels steht, gibt es Ausgrabungen römischer Besiedelung.

Von hier oben nocheinmal ein herrlicher Blick auf die Isola bella; leider ist das Wetter hier jetzt miserabel, der Ätna hat wieder sein Schneekleid und das weit nach unten, der Himmel ist dunkelgrau, am Abend wird es gewittern und heftig regnen.

Von der alten Kirche Santa Maria di Gesù des ehemaliegen Franziskanerklosters, in dem Cherubinus von Messina lebte, ist im moderene Gebäude der Franziskaner-Missionarinnen wenig übrig.

Die Überfahrt von Sizilien aufs Festland geht wie immer schnell - so durfte die Kiste heute zwei Mal Schiff fahren. Abends komme ich an den südlichsten akzeptablen Cmapingplatz in Kalabrien, Camping Mimosaa in Nicotera, um nun die folgenden Tage hier zu arbeiten; trotz viel Sonnenschein sind die Tage und Nächte sehr kalt, Pullover und Heizung sind wieder nötig.

Tracks
gibt's nur den fragmentarischen nach
Nicotera; ich, das Gerät und der Strom sind zu blöd.

geschrieben am 19. 20., und 21. April 2017

Valetta - Maltas Hauptstadt

   J. Schäfer         

Mittwoch, 12. April

Nun hieß es: 6 Uhr aufstehen, um rechtzeitig nach Pozallo zu kommen - für 48 km, davon die Hälfte Autobahn, muss man hier durchaus mit einer Stunde Fahrzeit rechnen - und das Schiff zu buchen, für das man sich um 8 Uhr bereitstellen muss.
Ich hatte zunächst damit gerechnet, dass die Zustände in Malta besser seien als hier - englischer Kolonialismus hinterlässt ja Spuren! - dann aber gelesen, dass vor dem EU-Betritt (der 2004 erfolgte) nur 1% der Straßen auf der Insel als dem EU-Standard entsprechend eingestuft wurden. Also sogar schlimmer als Sizilien? Das Schiff war eine erste Überraschung: alles sauber, ordentlich, gepflegt - eine andere Welt!
Angekommen, wollte ich zum Parkplatz vor Valetta fahren - 1,5 km, mein Navi weist mich. Nur ist das nicht so einfach: wie soll man rechts abbiegen, wenn man links fährt und einem rechts Autos entgegenkommen (!). Also geradeaus, den anderen hinterher - an einem Kreisverkehr ist es einfacher - aber da muss man die von rechts (von rechts!) im Kreisverkehr Kommenden beachten. Und dann Spurwechsel: die überholen hier alle rechts - und das ist sogar legal! Schließlich sehe ich einen freien Parkplatz - erst mal rein, tief durchatmen und erholen! Und dann stelle ich fest: er ist nur 1,3 km vom Zentrum entfernt, also kann ich von hier problemlos zu Fuß gehen. Das erste Fotomotiv nach dem Linksfahr-Schock: die Telefonzelle im englischen Stil …

Rund um den Ätna

   J. Schäfer         

Mittwoch, 29. März, bis Freitag, 31. März

Am Morgen bin ich in Taormina; hier wollte ich dereinst Pfarrer werden - es gab damals eine evangelische Pfarrstelle für Sizilien! -, was aber nicht geklappt hat - wie sich dann alsbald herausstellte, war das großes Glück. Taormina gilt als exklusiver Urlaubsort - tatsächlich ist es ein Ort für Bergsteiger. Außer im Zentrum heißt Taormina: Bergsteigen. Eigentlich habe ich einen recht idealen Parkplatz nahe am Zentrum gefunden; mein Navi lotst mich dann zu Fuß aus unerfindlichen Gründen statt ins Zentrum zuerst hoch zum Santuario Madonna della Rocca - das wollte ich eigentlich mit dem Auto machen. Von oben lohnt der Blick hinab aufs Meer und zum wie meist nun wieder wolkenumschlungenen Ätna alle Mühe.

Inseln und Ätna

   J. Schäfer         

Sonntag, 26. März und Montag, 27. März

Am Sonntag hieß es früh aufstehen, um das Schiff nach Lipari auf der gleichnamigen Eolischen Insel zu erreichen - dazu kam noch die geklaute Stunde wegen der blöden Zeitumstellung. Bei der Ausfahrt aus dem Hafen von Milazzo geht der Blick auf den Dom und die Zitadelle dahinter.

Bergland am Meer

   J. Schäfer         

Sonntag, 19. März bis Samstag, 25. März

Wir haben hier keine bleibende Stadt, erinnert der Hebräerbrief (13, 14). Aber in Italien baut man auch für die Toten Städte wie hier auf dem Friedhof von Enna am ehemaligen Kapuzinerkloster; Ägidius von Enna wurde hier geboren. Auf der Zufahrtsstraße ist noch größeres Verkehrschaos als üblich: am Sonntagvormittag besucht man die Verstorbenen.

Berge und Schnee

   J. Schäfer         

Donnerstag, 16. März bis Samstag, 18. März

Ein Nachtrag zu Monreale: der Erzbischof Michele Pennisi hat jetzt Mafia-Mitgliedern das Amt des Tauf- oder Firmpaten untersagt. Pennisi erhielt bereits 2008 Polizeischutz, nachdem er sich als Bischof von Piazza Armerina geweigert hatte, einen Trauergottesdienst für einen Mafia-Boss in der dortigen Kathedrale zu feiern.

Hausarbeiten an der Kiste und Restarbeiten in Palermo standen heute auf dem Programm: zuerst die Kirche des Noviziats der Jesuiten, San Stanislao al Noviziato mit dem Grab von Simon Bucceri. Hier gibt es diese Reliquie der Erscheinung Marias vor dem Juden Alphonse Ratisbonne im Jahr 1842, der daraufhin zur katholischen Kirche konvertierte. Unfasslich!
In der Kirche wird gerade die Trauerfeier für ein gestorbenes Kind gehalten; am Sonntag sah ich auf dem Friedhof an Santa Maria di Gesù ein Familiengrab, in dem drei kleine Kinder bestattet waren; wie dankbar darf ich sein, vier gesunde Kinder zu haben!
An der Stelle des Martyriums von Oliva von Palermo wurde eine Kirche errichtet - die heutigen Kirche San Francesco di Paola.
Wenn man sein Auto kennt, ist das Fahren in Palermo kein Problem - aber es dauert, alles ist voller Stau auch außerhalb der Rush-hour, zu Fuß ginge es schneller.

Palermo, die Schöne

   J. Schäfer         

Samstag, 11. März, bis Mittwoch, 15. März

Beim Stadtrundgang in Palermo begrüßt mich das Teatro Massimo, das Opernhaus, 1875 bis 1897 gebaut, eines der größten und bedeutendsten in Europa.

Löwenhöhle und Normannenkathedrale

   J. Schäfer         

Dienstag, 7. März, bis Freitag, 10. März

Auch am Dienstag ist noch immer Sturm; er hat gestern abend begonnen, bläst heute den ganzen Tag heftig und wird is zur Abfahrt morgen anhalten. Er bringt trotz gelegentlichem Sonnenschein Kälte mit sich und man wünscht, es möge jemand den Ausschaltknopf betätigen; aber da ist keiner.

Warten auf den Sommer

   J. Schäfer         

Samstag, 27. Januar bis Sonntag, 12. Februar

Ich fühle mich pudelwohl hier auf dem Camping Luminoso, es ist alles einfach perfekt, oft auch der Sonnenuntergang.
Die Fahrt zum Einkaufen nutze ich, um Madonna delle Milizie, die Madonna des Volksheeres zu besuchen; dies geht zurück auf das in einer Legende des 17./18 Jahrhunderts erzählte Erscheinen der Maria hoch zu Ross beim Kampf gegen die Muslimen 1091 an der Stelle des heutigen Santuario Maria delle Milizie oberhalb der Küste - ähnlich wie Jakobus in der Schlacht bei Clavijo -; so ermutigt eroberte Normannenfürst Roger I. die Insel.

Eine Winterreise

   J. Schäfer         

Donnerstag, 12. Januar bis 26. Januar

Nachdem der Wetterbericht nach längerer Zeit für Donnerstag den ersten schnee- und eisfreien Tag vorhergesagt hatte, habe ich mir diesen für die Fahrt zu meiner Tante nach Aigle in der Schweiz ausgesucht. Tatsächlich wurde es eine entspannte Tour, sogar ohne Stau.
Für den nächsten Tag war dann schon wieder Schnee angesagt; er kam am übernächste und, wie man sieht: in großer Menge. Für die Weiterfahrt entscheid ich mich deshalb gegen die direkte Route über den Tunnel durch den Großen St. Bernhard - dessen Einfahrt liegt auch schon auf über 1900 Metern - und für den Umweg über Genf und den Mont-Blanc-Tunnel - alles Autobahn und nur rund 1300 Meter hoch. Gleich hinter Aigle begann wieder heftiger Schneefall, auch die ordentlicher Schweizer bekamen ihre Autobahn nicht geräumt, bis hinter Lausanne ging's im Schneckentempo. Die Vorstellung, in zwei Tagen das Ziel auf Sizilien zu erreichen, war endgültig dahin. Immerhin: nach dem Tunnel, in Italien: kein Schnee, sogar Sonne. Am Abend bei Modena sagte ich meiner Tante am Telefon, das Thema Winter sei für mich definitiv vorüber. Ein Irrtum!

Vorschau

   J. Schäfer         

Im Januar soll es wieder losgehen: Tunesien ist diesmal mein Ziel. Dort war mit Karthago ein wichtiges Zentrum des frühen Christentums, aber auch an anderen Orten lebten und wirkten Christen.
Die Einreise nach Algerien wäre möglich, aber man kann dort nur in vorgebuchten Hotels wohnen und sich oft nur in Polizeibegleitung durch's Land bewegen, das will ich mir nicht antun.
Nach Tunesien geht's deshalb - voraussichtlich im Februar - zurück nach Sizilien und dann durch Süditalien, hoffentlich schaffe ich auch Rom noch, bevor ich im Juli zurückkehren muss.