Welt bereisen Das Reiseblog des Ökumenischen Heiligenlexikons

Reiseberichte

Heimkehr

   J. Schäfer         

Donnerstag 8. Juli, bis Freitag, 17. Juli

Donnerstag und Freitag verbringen wir - Gabi und Ralf, Mathias und seine Frau Nathalie - faul und weiterhin feucht-fröhlich, auch noch einmal am Pool im Hotel Khayam Garden. Für ernsthaftes Arbeiten knallt zuviel Sonne, auch wenn es auf dem Campingplatz in Nabeul viel Schatten gibt.

Am Samstag heißt es dann Abschied nehmen mit einem ganz herzlichen Dankeschön an Matthias, der uns so ungemein freundlich betreut und unermüdlich hilfreich zur Seite gestanden hat, und an Raffiq und seine Frau Fanny, die Besitzer des Campingplatzes, die zugewandten und zuverlässigen Gastgeber auf ihrem rundum empfehlenswerten Campingplatz und in ihrem ebensolchen Restaurant.

Im Hafen in La Goulette bei Tunis heißt es dann stundenlang Warten - dabei enstand das Bild von Gabi und Ralf und ihrem LKW; glücklicherweise ist es Abend und die Temperaturen sind angenehm. Mit uns reisen ausschließlich Tunesier auf dem Weg in ihre Wahlheimaten.Die Kabine auf dem Schiff ist groß uns sehr ordentlich, das rieseige Schiff transportiert nur wenige ausreisende Tunsier. Die Nacht zum Sonntag, den Sonntag und die Nacht zum Montag verbringen wir auf der gut klimatisierten Fähre. Am Montag morgen erreichen wir Civitavecchia und haben die strenge Kontrolle des italienischen Zolls zu passieren. Außerdem will man dort die zweite Kopie der drei von uns ausgefüllten Formulare, in denen wir unterschrieben haben, nicht in Italien zu bleiben, sondern nach spätestens 36 Stunden ausgereist zu sein. Das dritte Exemplar wird also sicher bei der Ausreise verlangt, damit die Italiener die Einhaltung kontrollieren können; das Risiko der angedrohten sehr hohen Strafe wollen wir nicht eingehen; ich werde also nicht wie geplant Florenz besuchen, Gabi und Ralf werden umgehend nach Spanien ausreisen - das kann man in ihrem Blog nachlesen.

Die Fahrt durch Italien geht am Meer entlang und dann über die Alpen - alles eigentlich sehr von Touristen frequentierte Gebiete - aber man sieht keinen. Auf fast 700 km durch Italien: kein einziges deutsches Auto, trotz Hochsaison! Für Italien eine Katastrophe! Nach einer Nacht überquere ich die Grenze zur Schweiz, der italienische Beamte schaut bei der Ausreise kurz meinen Personalausweis an, mehr will er nicht; so halte ich ihm den dritten Zettel unter die Augen - erstaunt liest er dessen erste Zeilen, so etwas hat er offenbar noch nie gesehen, und gibt ihn mir zurück; wir hätten in Italien bleiben können, die 36 Stunden werden nicht kontrolliert! So komme ich in Aigle an auf dem Campingplatz, bleibe dort drei Nächte bei mäßigem Wetter - ich genieße die Kühle und den dadurch möglichen erholsamen Schlaf - und kann dann meiner Tante zum 91. Geburtstag gratulieren, bevor es zurück geht nach Stuttgart.

Corona hat den Tunesien-Trip zu einer Stippvisite werden lassen, auch wenn ich nun insgesamt fast sieben Wochen dort verbracht habe. Aber ich werde wiederkommen, sobald Corona eine Fährpassage ohne Rückkehr-Risiko zulässt. Ich war höchst positiv überrascht von dem Land. Lock-down, Ausreise und Rückkehr zur Abholung meiner Kiste hat viel Zeit gekostet, zudem rund 1500 €, auch die geplante Reise durch Süditalien und nach Neapel konnte nicht stattfinden. Für die nächsten Wochen und dann im Herbst plane ich kürzere Resien in der Nähe - ja nach Corona-Lage.

Logbücher Reiselogbuch-2020-1-6
Reiselogbuch-2020-1-7

geschrieben am 18. Juli 2020

Behördenfrust

   J. Schäfer         

Donnerstag 2. Juli, bis Mittwoch, 8. Juli

Den Donnerstag verbringe ich auf dem Campingplatz, am Freitag geht es mit Mohammed, dem leitenden Mitarbeiter in der Textilfirma von Matthias, zum Zoll, um das Triptique - die Genehmigung für das Auto in Tunesien - zu verlängern. Mohammed redet mit dem Behördenchef: eine Verlängerung ist nicht möglich, ich brauche eine tunesische Sonderzulassung. Dazu: anstehen am Schalter - nebenan beim Finanzamt eine Gebührenmarke kaufen - mit dem Zoll-Formular zum Finanzamt - dort will man Kopien meiner Papiere - also zum Kopierladen - zurück: sie brauchen eine Übersetzung meines Fahrzeugscheines von einem amtlichen Übersetzungsbüro - also dorthin gefahren, kostet 10 €. Dann ist es nach 12 Uhr, um 13 Uhr machen freitags (Moscheetag) die Ämter zu, mehr ist also heute nicht zu erreichen.

Rückkehr

   J. Schäfer         

Mittwoch, 3. Juni, bis Mittwoch, 1. Juli

Vier Wochen vergingen zuhause mit Arbeit an den November-Heiligen für das Ökumenische Heiligenlexikon und immer wieder neuen Informationen über die Reisemöglichkeiten nach Tunesien. Am Mittwoch, dem 24. Juni, die Mitteilung: die Grenzöffnung steht, für die Einreise gibt es drei Listen: grün ist ohne jegliche Beschränkung, gelb mit Corona-Test und sieben Tagen Quarantäne in einem Hotel, rot heißt verweigerte Einreise. Auf welcher Liste steht Deutschland? Es gibt die Listen nirgendwo, auch die Suche auf der Webseite des Gesundheitsministeriums bleibt erfolglos. Auch am Montag, am Dienstag und am Mittwoch. Also schaue ich auf die Seite der WHO mit den Fallzahlen der Länder weltweit - demnach müsste Deutschalnd gelb sein. Also lasse ich am Donnerstag am Flughafen Stuttgart den Covid-19-Test machen - nur so bekomme ich den Bescheid noch am Montag, damit ich ihn mitnehmen kann.

Am Montag hole ich morgens den Test - keine Covid-19 - und die Arztrechnung für den kanpp zwei Minuten dauernden Abstrich: Eingehende Beratung mind. 10 min. (sic!), erhöhter Schutzaufwand Corona - Untersuchung, symptobezogen, erhöhter Schutzaufwand Corona - Abstrichentnahme, erhöhter Schutzaufwand Corona - kostet 55,06 €, die Laborrechnung wird folgen, ca. 100 €. Nach der Heimkehr um die Mittagszeit die Nachricht: die Listen sind nun veröffentlicht, Deutschland ist grün, also keinerlei Bedingungen!
Abends geht es dann nach Köln zum Flughafen, Ankunft 24 Uhr; an Schlafen ist nicht zu denken: fast stündlich gehen Flieger in die Türkei - in NRW haben am Wochenende die Ferien begonnen -, auch die ersten Tunesien-Fluggäste warten wie ich, entsprechend ist der Lärmpegel aufgeregter Heimkehrer und übernächtigter Kinder. Um 4 Uhr bildet sich die Schlange am Check-In, um 7 Uhr soll der Abflug sein - er verzögert sich 20 Minuten, weil der Purser offenbar verschalfen hat.

Pleite

   J. Schäfer         

Montag, 1. Juni, bis Dienstag, 2. Juni

5 Uhr aufstehen, 6 Uhr Straßenbahn, 7 Uhr der - fast leere - ICE nach Frankfurt-Flughafen. Dort ist der Schalter von tunis-air nicht besetzt. Aber noch sind es ja drei Stunden bis zum Abflug. Auf der Abflugtafel ist der Flug nicht vereichnet. Der Info-Mann sucht in seinem Handy - findet keinen Flug nach Tunis, aber ich soll am Info-Point fragen. Tunis - schon lange nicht mehr; kein Flug, definitiv.

Also zurück nach Stuttgart. Dazu brauche ich eine Fahrkarte, aber keiner der drei DB-Automaten nimmt Geld oder Kreditkarte. (Das ist wohl so, damit die am großen Flughafendrehkreuz Ankommenden gleich erfahren, dass sie in einem Land mit maroder Infrastruktur gelandet sind.) Glücklicherweise gibt es auch ein geöffnetes Reisebüro. Im Zug lese ich die Erklärung für den ausgefallenen Flug - der ebensowenig stattfand wie der für gestern geplante Rettungsflug, mit dem Tunesier heimgeholt werden sollten: offenbar ist tunis-air praktisch pleite, wie der Zeitungsartikel in Tunisie numerique nahelegt; dass die Fluggesellschaft Probleme hat, ist seit längerem bekannt. Zuhause angekommen, lese ich den Artikel vom Nachmittag, der Hitergründe erläutert und aus dessen Kommentaren sich die Erklärung ergibt: Verkehrsminister scheint die Haut des nationalen Luftfahrtunternehmens zu wollen; offenbar verweigert der Verkehrsminister tunisair Staatshilfen, weil er das Unternehmen seinen Freunden aus Katar günstig übergeben will.

Neuer Anlauf

   J. Schäfer         

Dienstag, 7. April, bis Sonntag, 31. Mai

Fast acht Wochen war ich nun zuhause in Stuttgart, habe die Lage in Tunesien und die Reisemöglichkeiten beobachtet, immer wieder mit dem deutschen Residenten Matthias gesprochen über die Situation - von ihm stammt das Bild von meiner Kiste mit dem Kommentar Alles in Ordnung - daran hatte ich keinen Zweifel. Es gab aber bislang praktisch keine Möglichkeiten, nach Tunesien zu kommen und von dort wieder weg. Nun aber sind für Juni Reisemöglichkeiten gegeben: Tunisair fliegt, die GNV-Fähren fahren nach Italien. Also habe ich für Montag, den 1. Juni, den Flug nach Tunis gebucht, für akzeptable 200 €. Dort muss man dann für - nur noch - eine Woche in Quarantäne in ein Hotel; das kostet 330 €, dann kann ich mich in Tunesien frei bewegen.
Die Lage vor Ort ist höchst erfreulich: Tunesien hat seit Ausbruch der Pandemie bis zum 26. Mai insgesamt nur 1068 Erkrankte, davon sind 47 gestorben und 903 geheilt, also derzeit 118 akut Infizierte; Baden-Württemberg hat ziemlich genau dieselbe Bevölkerungszahl, aber 34.431 Fälle, 1738 Gestorbene und noch immer 3095 Infizierte. Der Distrikt Nabeul hat insgesamt nur 15 Fälle seit Anfang der Pandemie, abgesehen von dem gleich zu Anfang dort Verstorbenen sind alle geheilt; der etwas weniger Menschen umfassende Stadtkreis Stuttgart hat 1465 Fälle bei 61 Toten und aktuell 5 neue Fälle an einem Tag. Lange Zeit habe ich den Leuten hier gesagt, Nabeul sei 130 Mal sicherer als Stuttgart; inwischen ist es also rein mathematisch unendlich sicherer. Und die Fallzahlen sind in Tunesien nicht deshalb so viel geringer, weil wenig getestet wird - dieser Verdacht stimmt nicht - sondern weil konsequent gehandelt und erst jetzt geöffnet wurde.

Rettungsflug

   J. Schäfer         

Donnerstag, 2. April, bis Montag, 6. April

Gestern Abend wurde ich richtig euphorisch: Raus aus der Gefangenschaft, zuhause vernünftig und produktiv arbeiten können, mit Internet am PC - wow! Ich musste mich zwingen, die Euphorie zu dämpfen: Vielleicht bekomme ich ja keinen Platz im Flieger, vielleicht klappt das nicht mit Auto beim Zoll - und auch der Flieger könnte abstürzen … - also: Gemach!
Heute morgen, nach geruhsamem Schlaf das Gefühl: ich bleibe hier, es fehlt doch an nichts! Vernunft und Telefonate und die Erinnerung an gestern Abend bringen mich zum Ergebnis: ich probiere es, dann schauen wir, was passiert, ich lege es in Gottes Hand und werde so oder so zufrieden sein. Also alles organisieren - Matthias, der Resident, war eine ganz große Hilfe. Und dann alles vorbereiten: viel packen kann ich nicht, ich habe keinen Koffer / Reisetasche etc., nur den kleinen Packsack meines Duschzeltes; aber das Auto muss ich sommerfest machen.

Am Freitag: 5 Uhr schellt der Wecker, 6 Uhr kommt das Taxi nach Tunis. Es regnet wie aus Kübeln - Tunesien will mich verabschieden, indem es sich als grau, kalt und ungemütlich erweist. Kurz nach 7 Uhr sind wir am Flughafen - wo schon eine große Menschenmenge, mehrere hundert Leute, wartet. 8 Uhr ist Einlass und dann geht alles sehr zügig: Prüfung der Erklärung für den Rettungsflug - 250€ werden einem später in Rechnung gestellt, Check-in: es kommen alle 450 Wartenden mit. Die Leute von der Botschaft sind zahlreich, sehr freundlich und sehr hilfsbereit. Meine eher kritische Anmerkung von letzter Woche ist widerlegt. Ich habe der Botschaft dann gemailt: Als Teilnehmer an Ihren gestrigen Rettungsflügen Danke ich zunächst der Bundesregierung für dieses Angebot und dann sehr herzlich den Mitarbeitern Ihrer Botschaft für das ausgesprochen freundliche und hilfsbereite Wirken am Flughafen Tunis.
Auch das Auto beim Zoll abmelden geht völlig problemlos, dann die Ausreiseerklärung ausfüllen, Passkontrolle, Boarding - und pünktlich um 11 Uhr hebt der Flieger nach Köln ab - es gab vier Flüge, das Ziel in Deutschland konnte man sich nicht aussuchen, aber Köln kommt mir gelegen. Die Maschine ist gefüllt bis auf den letzten Platz - sehr wenige Touristen, zuallermeist in Deutschland lebende und arbeitende Tunesier; die Frau neben mir ist eine junge tunesische Altenpflegerin mit Wohnsitz Köln: die braucht man dort jetzt dringend!

Gewöhnung

   J. Schäfer         

Freitag, 27. März, bis Mittwoch, 1. April

Dorothea Siems, das neoliberale Plappermaul von der WELT, in allen Talkshows sitzend und viel Nichts sagend, hält die anstehende Rentenerhöhung für in dieser Krise nicht machbar. Überhaupt müsse man - ich ergänze: frau, aber natürlich nur die Kleingeschriebenen! - jetzt den Gürtel enger schnallen. So wie Adidas: der Sportartikel-Hersteller hat auf das Ausnahme-Gesetz zurückgegriffen und die Mietzahlungen für seine Geschäfte eingestellt. Schließlich braucht der Konzern das Geld für den jetzt durchzuführenden Aktienrückkauf in Höhe von 1 Milliarde €.

Jemand hat mir geschrieben, das Fliegen verbieten, eine solche Einschränkung von Freiheit, das ginge ja gar nicht. Stimmt: Millionen Menschen wären in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Aber jetzt sind es Milliarden, die in Isolation sitzen - von den Toten mal abgesehen. Freiheit für Millionen auf Kosten der Freiheit von Milliarden - das geht? Aber nur ruhig, lieber Leser: es wird so nicht kommen.

Gelesen habe ich, was die Leute hamstern: Deutsche Klopapier, Franzosen Wein. Genau das macht den Unterschied! Und in England hat Boris Johnson, der noch vor acht Tagen keinerlei Maßnahmen ergreifen wollte, weil das der Wirtschaft schadet, jetzt der Virus befallen. Mich freut das nicht, denn klammheimliche Freude ist in Deutschland seit 40 Jahren verboten.

Grauer Corona-Alltag

   J. Schäfer         

Montag, 23. März, bis Donnerstag, 26. März

Gestern abend musste ich nun selbst kochen - das Restaurant ist ja seit heute auch zu. Na ja: die Tomatensoße warm machen, die Bernd, der Chef der Wüstenfahrertruppe von Offroadkangaroo, mir auch überlassen hatten. Die ist gut, versprach er. Stimmt. Beim Verdauungsspaziergang sehe ich Gelblicht auf der Straße und die Neugier drängt mich ans Tor: ein Tankwagen fährt langsam und ein Mann verteilt mit einer Schlauchspritze Unmengen Desinfektionsmittel über Straße, Gehweg und angrenzende Wände.
Deutsche Nahverkehrsmittel haben Desinfektionsmaßnahmen vor einigen Tagen abgelehnt, die normalen Reinigungsintervalle reichten. Kostete ja Geld. Die Stuttgarter Straßenbahnen - ein kommunales Unternehmen mit normalerweise eigentlich guter Leistung - haben weniger Passagiere gezählt und die Zahl der Fahrten eingeschränkt - so sehr, dass die Leute jetzt dichtgedrängter als zuvor stehen. Immerhin: der OB hat eingegriffen.
Die tunesische Regierung weiß, dass das hiesige Gesundheitswesen bei einer Epidemie keine Chance hat, also tut sie alles zur Prävention. Offenbar mit Erfolg: vom ersten festgestellten Fall im Land am 2. März stieg die Zahl der Infizierten nach vierzehn Tagen auf 48; die Vergleichszahlen lauten für Italien 5583 und für Frankreich 2281 für die jeweils dortigen ersten 14 Tage. Dabei geholfen haben hier natürlich auch die sowieso weitgehend geschlossenen Grenzen und der - eigentlich: leider - geringe Tourismus.

Ausgangssperre

   J. Schäfer         

Sonntag,, 22. März

Nun ist also Ausgangssperre, es ist totenstill - gespenstisch. Der Himmel dazu grau, es gab wieder Regen, aber immerhin morgens um 8 Uhr schon 16°. Der Security-Mann und der Gärtner sind hier zugange wie an jedem Tag, aber sonst: nichts außer Vogelgezwitscher. Die Katzen schleichen über den Platz - das tun sie immer, aber irgendwie spüren auch sie offensichtlich, dass etwas nicht stimmt. Ich mache Frühgymnastik - das erste Mal in meinem Leben betätige ich mich freiwillig sportlich, ich muss meinen Kreislauf gesund halten: 40 Meter zur Garage, 30 Meter zum Eingangstor, 20 Meter Richtung Nachbarhäuser, 30 Meter über die ob des vielen Regens teilweise noch grüne Wiese zur Mauer an der Straße. Mehr Auslauf ist nicht - aber immerhin. Der Laden gegenüber hat geöffnet und frisches Brot zum Frühstück, die kommunale Müllabfuhr war da - die Versorgung läuft.
Es gab in Tunsien gestern 48 Fälle, einen im Distrikt Nabeul, und einen Todesfall, ganz im Süden des Landes, eine schon infiziert aus der Türkei heimgekommene 80-jährige Frau.

Ausharren als Corona-Gefangener

   J. Schäfer         

Samstag, 21. März

Die Rettungsfliegenden sind alle weggekommen. Am gestrigen Nachmittag gab es zunächst die Meldung, das Paar mit Hund komme zurück, weil der Hund nicht in den Flieger darf. Zwei Stunden später war die Nachricht, Frau und Hund konnten fliegen, aber der Mann komme wieder, weil es mit dem Auto beim Zoll Probleme gab. Tatsächlich konnten alle drei fliegen, allerdings nach Rom und von dort aus heute nach Deutschland. Einer aus der Truppe ist Holländer - andere EU-Bürger aber nehmen die Deutschen nur mit, wenn alle Deutschen Platz im Flieger bekommen haben und dann noch welche frei sind. Toll, vereintes Europa! Aber es hat auch für ihn geklappt, alle haben es also glücklicherweise nach good old Germany geschafft.

Ich stelle mich auf mehrere Wochen Tunesien ein, in Italien und in Deutschland nimmt die Situation zunehmend schlimmere Dimensionen an. Beim Versuch einzuschlafen, überfiel mich gestern Abend die Depri-Stimmung: völlig allein, auf ungewisse Zeit und in einer Umgebung, wo sich die Lage in unkalkulierbarer Weise zuspitzen kann - hätte ich nicht doch auch Fliegen sollen? Aber die gestrige Tageslosung sagt: Der Herr deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, er birgt mich im Schutz seines Zeltes. (Psalm 27, 5). Oh, du Kleingläubiger! Und außerdem war es schon immer mein Konzept, so zu reisen, dass ich - bei allen Privilegien, Auto, Geld, deutscher Pass - möglichst nah an den Leuten im Land lebe - und hier ist es nun einmal jetzt eben so.
Morgens wache ich gut gelaunt auf. Matthias, ein deutscher Resident, der hier ganz in der Nähe wohnt, kommt vorbei und erzählt, dass es eine große Zahl von Flugzeugen war, die gestern Europaheimkehrer abholten. Und dass in der Wüste kurz vor Douz noch ein LKW mit Deutschen verharrt: ihnen ging die Lenkung kaputt. Vielleicht bekomme ich ja doch noch Gesellschaft …

Ins vergessene Landesinnere - und Coronastress

   J. Schäfer         

Dienstag, 17. März bis Mittwoch, 18. März

Zuerst musste ich tanken: für 63 l Diesel zahlte ich 41,50 € - paradiesisch - für unsereins.
Sidi Medien, unter den Römern Volitana und eine Bischofsstadt, ist heute ein weitestgehend verlassenes Bergdorf fernab größerer Städte oder Straßen; dennoch ist die Zufahrtsstraße asphaltiert. Bergdorf ist aber eigentlich das falsche Wort: es ist eigentlich eine sanfte Hügellandschaft, nur hier mit einem schroffen Felsen. Der höchste Berg Tunesiens ist gerade mal 1544 Meter hoch; schroff eingeschnitten sind nur manche Flussläufe, Oued genannt, in denen aber schon jetzt auch hier im Norden des Landes schon meist kein Wasser mehr fließt.
In Volitana, damals Sitz eines Bischofs, starben die Märtyrer von Volitana.

Corona

   J. Schäfer         

Montag, 16. März

Gestern Abend kam hier plötzlich das sonst im Hotelrestauant und auf der Straße lautstark tobende Leben zum Erliegen. Feiertag? Ist erst kommenden Freitag. Ramadan? Dauert noch. Des abrupt auftauchenden Rätsel Lösung: Die Bezirksregierung hat die Schließung aller Restaurants angeordnet, die tunesische Regierung eine 14-tägige Quarantäne für alle ins Land Einreisenden. Es gibt im ganzen Land aber nur drei bestätigte Krankheitsfälle.
So harre ich nun auf dem Camping Les Jasmins zusammen mit den gestrandeten Wüstenfahrern und blicke auf die reifen Orangen. Morgen werde ich ins Landesinnere fahren - mal sehen, ob die Polizei, die hier sowieso an jedem größeren Kreisverkehr die Papiere kontrolliert, mich lässt

Viele Zeitungen in Deutschland berichten wegen des Corona-Viruses über das Ökumenische Heiligenlexikon und verweisen auf unseren Artikel Corona (Stephana), denn sie ist auch Patronin gegen Seuchen. Google meldet mir für diese Seite: Ihre Seitenklicks haben sich gegenüber dem üblichen Tagesdurchschnitt von 14,3 Klicks um mehr als 1.000 % erhöht. Wie ich ja schon gestern sagte: mancher profitiert eben von der Krise

geschrieben am 16. März 2020

Karthago - und kein Corona!

   J. Schäfer         

Donnerstag, 12. März, bis Sonntag, 15. März

Heute scheint nun endlich die Sonne - und sie hat Kraft, Pullover ade! Mein Ziel ist nun Karthago, der Villenvorort von Tunis mit Häusern, denen man Luxus ansieht. Dazwischen verstreut liegen verschiedene Ausgrabungsorte, als ersten besuche ich das Gelände an den Antoninus-Thermen, in dem auch diese Ruinen alter punischer Gräber …

Palermo und glückliches Entkommen

   J. Schäfer         

Montag, 2. März bis Freitag, 6. März

Die letzten Tage auf dem Campingplatz Alessandra gehören der Vorbereitung auf Tunesien. Am Freitag fahre ich dann nach Palermo, denn ich muss am Samstag schon um 7 Uhr im Hafen sein. So kann ich dort noch einige Stellen besuchen, an denen ich noch nicht war, zuerst das Wohnhaus, vor dem der Priester Pino Puglisi erschossen wurde, der sich als Gegener der Mafia positioniert und engagiert hatte; er war der erste von der Mafia ermorderte Priester. Vor dem Haus wird auf großen Fototafeln an den Besuch von Papst Franziskus erinnert …

Messina, das Tor zu Sizilien

   J. Schäfer         

Sonntag, 1. März

Am Sonntag heißt es früh aufstehen und dann auf der Autobahn in die Stadt, nach Messina. Sie liegt um 9 Uhr tatsächlich noch fast regungslos da, so finde ich problemlos einen Parkplatz im Zentrum.
Am Hafen steht die Marienstatue mit dem Segensspruch, den diese angeblich Bachylus, dem der Überlieferung zufolge ab 42 ersten Bischof der Stadt, erteilte: Ich segne Dich und Deine Stadt.