Welt bereisen Das Reiseblog des Ökumenischen Heiligenlexikons

Reiseberichte

Korfu, Griechenlands "Malle"

   J. Schäfer         

Mittwoch, 10. Juli

In der Kirche in Kassiopi, ganz im Norden von Korfu, lagen die Gebeine von Donatus von Euroea; außerdem so habe ich gelernt, gab es hier die Wundersame Heilung von Stephanos dem Erblindeten durch die Heiligste Gottesmutter. Das ist baulich die merkwürdigste Kirche, die ich je gesehen habe, der Turm erinnert an ein Getreidesilo …

… die Kirche ist aber innen stilvoll.
Der kleine Ort selbst: Touristen en masse, schon am Morgen Geschiebe und Gedränge durch die Hauptstraße.

Nun geht es wieder zurück, in die Inselhauptstadt. Schon gestern waren die überall an der Straße sich aufhäufenden Müllberge ins Auge gesprungen - schlimmer als in Neapel! Später erzählt mir ein Korfu-Erfahrener: letztes Jahr war es noch schlimmer, sie wissen nicht wohin mit dem vielen Müll, den begonnen Bau einer Müllverbrennungsanlage hat die widerständische Bevölkerung gestoppt, die Schluchten sind voll. Auffallend am Wegesrand auch die vielen LKWs für Wassertransport. Die Touristenmassen überfordern die Insel in jeder Hinsicht.

Vorbei an der Antonios- und Andreas-Kirche komme ich zur Metropolitankirche; Arsenios von Korfu, Sosipater und Spyridon Thaumaturgos sind Patrone der Stadt, von Theodora II. „der Jüngeren” werden hier Reliquien verwahrt.

An der Panagia Kremasti-Kirche steht dieser schöne venezianische Brunnen.

In der Nikolaus-Kirche lagen früher die Reliquien von Theodora II.. In den engen Gassen ist nicht nur das Fotografieren schwieirig, auch mein Navi findet oft die Satelitten nicht und führt gelegentlich in die Irre statt ans Ziel.

Gut besucht, auch zentral gelegen: die Spyridon Thaumaturgos geweihte Kirche.

Natürlich auch hier: eine Johannes dem Vorläufer geweihte Kirche.

Die Franziskus von Assisi geweihte Kirche ist verborgen hinter Verkaufsbuden und Mauern; sie steht an der Stelle einer der ältesten Kirchen der Stadt, wurde nach der Besetzung der Insel durch die Kreuzfahrer 1272 katholische Erzbischofskirche, 1367 mit einem Franziskanerkloster erweitert und ist heute noch katholische Kirche.

Den ganzen Tag schon hingen dunkle Wolken am Himmel, die Temperaturen waren erträglich - ideal für den Stadtrundgang. Gleich zwei Kreuzfahrtschiffe suchten an diesem Tag de Insel heim.

Im Stadtteil Palaiopolis von Korfu-Stadt steht die Jason und Sosipater geweihte Kirche mit ihren Reliquien und unweit die Athansios-Kirche mit Resten des früheren Stadtturmes, sie steht für Kerkyra, Murinus (Christodoulos) und die Sieben heiligen Diebe von Korfu. Von hier aus fällt der Blck auf die Halbinsel mit dem ab 1550 von den venezianischen Herrschern erbauten alten Fort.

Am südlichen Ende dieser Halbinsel Kanoni wurde das seit um 1980 verlassene Vlachernon-Kloster zum beliebtesten Fotomotiv auf Korfu.

Die wunderschöne, herrlich grüne Gegend war bei Touristen höchst belienbt, viele Hotels wurden dort gebaut - bis die schlauen Griechen genau an diese Stelle den Flughafen für Korfu gebaut haben. Jetzt verfallen einige der Hotels sichtlich.

An der frühchristlichen Kirche in Palaiopolis war Arsenios von Korfu wohl der erste Erzbischof der Insel.

Zurück in Korfu-Stadt sehe ich noch die alte Festung; Kosmas von Aitolia legte sich hier mit den venezianischen Herrschern an, die in der Geschichte der Wundersamen Heilung von Stephanos dem Erblindeten erwähnte Hauptperson wurde hier verurteilt.

Nun heißt es im Hafen warten auf die Fähre nach Italien. Zwei junge mitwartende Bayern weisen mich hin auf das Sehnsuchtslied Irgendwann bleib i dann dort, das Rainhard Fendrich gecovert hat - im Original: Trio S.T.S. - wo 1985 die Griechenland-Sehnsucht besungen wurde mit der Schlussfolgerung Und irgendwann bleib i dann dort / Lass alles lieg'n und steh'n / Geh von daham für immer fort / Darauf gib i dir mei Wort.
Was ist aus diesem Sehnsuchtsland, das auch wir 1993 und 1988 bereist hatten, geworden? Der katholische Erzbischof von Athen und Vorsitzende der katholischen griechischen Bischofskonferenz sagt nach der Wahl vom 7. Juli, dass das Volk es nicht mehr aushält: Die Haupterwartungen sind eine Steuerminderung auf der einen und eine Verbesserung des Arbeitsmarktes auf der anderen Seite. Denn es gibt nach wie vor viele Arbeitslose, die Quote liegt fast bei 18 Prozent. Insbesondere die Europäische Union habe sich sehr unbeugsam gezeigt. Das Volk erwartet sich viel, erhofft eine Änderung.
Ich sehe diese Änderung nicht. Die EU wird nicht helfen. Chancen für Industrie kann ich nicht erkennen. Die wenigen lukrativen Unternehmen sind privatisiert und verkauft: der Hafen von Piräus an die Chinesen, die gewinnbringenden Flughäfen an die deutsche FRAPORT, usw. Ertragreiche Landwirtscaft ist topografisch und klimatisch nicht möglich. Die neue Regierung der Nea Dimokratia besteht aus der Partei, die das Elend maßgeblich angerichtet hat. Der Billig-Tourismus der Osteuropäer bringt zu wenig Geld ins Land, finanzkräftigere, aber anspruchsvolle Touristen aus dem Westen meiden das zerfallende Land. Der Klimawandel wird noch höhere, unerträglich werdende Temepraturen im Sommer und katastrophenträchtige Unwetter bewirken. Kreta ist großartig, eindrucksvoll, ein ganz besonderes Erlebnis. Vieles andere wirklich sehenswert, europäisches und Welt-Kulturerbe; die Menschen sind außerordentlich freundlich, nicht aufgesetzt sondern natürlich - aber das wird für eine Wende nicht ausreichen. Man könnte weinen.

So nehme ich Abschied mit Kitschstimmung, Symbol für Wehmut.
Die Überfahrt nach Ancona wird stürmisch - auf Chalkidiki sterben in dieser Nacht 6 Touristen durch den dort noch heftigeren Sturm.

Donnerstag, 11. Juli, bis Sonntag, 14. Juli

Am Mittag in (Nord-!)Italien angekommen, finde ich eine andere Welt: alles ist in Ordnung, sauber, geordnet, aufgeräumt! Als mtteleuropäisches Luxuskind fühle ich mich wohl. Nach einer Nacht auf der Autobahnratstätte Novara - die freundlichen Italiener sperren extra für mich von 22 Uhr bis 6 Uhr die komplette Autobahn (offizielle Brgründung: Bauarbeiten) und sorgen so für eine ruhige Nacht, die zudem angenehme Temperaturen bietet - komme ich an das auserwählte Ziel, den Camping Gran Combin in Valpelline bei Aosta, fast 1000 m hoch, herrlich kühl, ideal zum Arbeiten.

Montag, 15. Juli, bis Samstag, 20. Juli

Der Sprung zur Tante in Aigle in der Schweiz ist kurz, dort triff sich die Familie zur Feier ihres 90. Geburtstages. Wir verbringen höchst geruh- und erholsame Tage bei gutem Wetter mit interessanten Unterhaltungen über Gegenwart und Vergangenheit sowie Essen in schweizer Qualität - mein Urlaub von der Reise.
Bilanz des halben Jahres in Griechenland: 224 neue Biografien, rund 8500 Fotos aufgenommen, davon jeweils knapp 800 im Heiligenlexikon und im Blog verwendet; 363 verschiedene Orte und Stellen besucht, dafür 14.500 km mit der Kiste gefahren, dazu knapp 2000 km auf Fähren.

Tracks
Korfu
Novara
Valpelline bei Aosta gibt's mal wieder nicht
Aigle2
Stuttgart

Logbuch Reiselogbuch-2019-1-11

geschrieben am 11., 12., 13. und 19. Juli 2019

Im Nordwesten Griechenlands

   J. Schäfer         

Dienstag, 2. Juli, bis Sonntag, 7. Juli

Fünf Tage arbeite ich auf dem wirklich empfehlenswerten Camping in Kalamitsi - italienische Besitzer, die können es! Johanni ist vorüber, die Tage werden wieder kürzer - Hubert von Goisern kommt mir in den Sinn: Jetzt san dia Dag scho kürzer wor'n und Blatteln falln au von de Baam … singt er mit den Alpinkatzen in Weit weit weg, das manche als das schönste Liebeslied bezeichnen. Tatsächlich fallen hier ob der Hitze auch die Blättern massenhaft von den Bäumen. Meine Cds/DVDs hatte ich leider alle vergessen mitzunehmen, aber abends gibts manchmal Musik von YouTube - die griechische Alltagsmusik im Radio ist nicht so mein Fall - nicht alle Griechen sind Mikis Theodorakis.

Griechenlands Norden

   J. Schäfer         

Donnerstag, 27. Juni, bis Freitag, 28. Juni

Noch einen Tag planen auf dem Campingplatz Akti Retzika bei Epanomi, dann geht es endlich weiter, zuerst zum Johannes-Kloster in Souroti, wo Paisios vom Athos gepflegt wurde, starb und begraben ist. Das bleibt aber leider freitags geschlossen; deshalb geht es einen Berg hinauf zum nächsten Kloster bei Vasilika, das Anastasia geweiht ist und von Theophano Martiniake gestiftet wurde. Es präsentiert sich von außen höchst farbenfroh …

In Meteora und auf Paulus' Spuren

   J. Schäfer         

Mittwoch, 19. Juni, bis Freitag, 21. Juni

Nach zwei weiteren Tagen auf dem Campingplatz Hellas - die Recherchen für Thessaloniki sind aufwändig - geht es endlich weiter, zuerst durch eine weite Ebene - der Liebe Gott hatte die Lust am Falten verloren - in die Berge nach Anatoli zu dem Kloster, das Damian der Jüngere gegründet hat und in dem David von Euböa zum Diakon geweiht wurde. Auf den 17 km von der Hauptstraße bis zum Kloster auf fast 1100 m Höhe begegnet mir auf der gut ausgebauten Straße kein einziges Auto - auf der Rückfahrt auch keines.

Im Südosten des Festlandes

   J. Schäfer         

Mittwoch, 5. Juni bis Sonntag, 9. Juni

Weitere vier Tage verbringe ich arbeitend auf dem Campingplatz bei Eretria, vor allem, um zentral- und mittelgriechische Heilige zu recherchieren. Von Jahresende 2018 bis heute habe ich nun 206 Biografien von - meist orthodoxen - Heiligen neu verfasst. Es ist sehr heiß - darunter leidet der Arbeitseifer, viel Schweiß fließt schon beim Nichtstun. An den Wocheneden ist der Platz gut gefüllt mit Griechen; als ich am Samstag im Vorbeigehen wie üblich welche grüße, die beim Mittagessen sitzen , bekomme ich fünf Minuten später auf dem Rückweg einen großen Teller Spaghetti Bolognese in die Hand gedrückt; ich sei doch der, der da allein ist. Das erinnert an das Video Unglaubliche Gastfreundschaft - eigentlich ein Werbefilm für Kreta, dennoch nicht wirklich übertrieben, sondern treffend.
In den Nachrichten wird berichtet über Proteste in Hasankeyf, die Höhlenstadt im Tal des Tigris in der Türkei. Deren Besiedelung ist schon für das 9. Jahrhundert v. Chr. nachgewiesen, eine große Brücke aus dem 12. Jahrhundert teilweise erhalten. Dass Adam und Eva hier lebten, ist nicht überliefert - aber irgendwo in der Nähe war es
Das alles ist nun vorbei, man hat einen Staudamm gebaut, der ist fertig wird nun geflutet, sein Wasser bedeckt dann alles. Ich hab es glücklicherweise 2013 noch gesehen.

Athen

   J. Schäfer         

Mittwoch, 29. Mai

Der Weg in die Stadt geht wie in einer Großstadt üblich mit Omnibus und dann U-Bahn, beide sind ganz ok. Ich lande zuerst an der Athener Trilogie aus Nationalbibliothek, Universität und hier der ab 1856 errichteten Akademie. Die drei von deutschen und österreichischen Architekten zur Zeit der Regentschaft von König Otto - weitgehend aus Spenden finanzierten - Gebäude sollten die antiken Vorbilder nachahmen, nachdem Athen 1834 die Hauptstadt geworden war und aus dem Dorf von 4000 Einwohnern eine Stadt werden sollte.

Ägina - protzig, aber schön

   J. Schäfer         

Donnerstag, 23. Mai bis Samstag, 25. Mai

Zwei weitere Tage arbeite ich auf dem Campingplatz Verdelis - in der Abendsonne fällt der Blick auf die Halbinsel Methana (Mitte), von deren Hafen ich auf die Insel Ägina (links) fahren werde.
Dieser Campingplatz ist sehr einfach ausgestattet - dafür Heimat vieler Ameisen und Schnaken, die mich gerne haben -, aber auch sehr familiär durch einen äußerst redseligen 79-jährigen (!!) ehemaligen Metzger aus Heinsberg und seine Frau, der seit 14 Jahren hier das Frühjahr verbringt.

Inselhopping

   J. Schäfer         

Dienstag, 14. Mai bis Donnerstag, 16. Mai

Nach zwei Tagen Arbeit, noch auf dem Campingplatz in Kato Alissos, geht es am Donnerstag nach Kyllini, von dort dampft die Fähre zur Insel Zakynthos. Gleich beim Ankommen in der gleichnamigen Inselhauptstadt fällt die dirkekt am Hafen stehende Dionysioskirche - geweiht dem hier geborenen Dionysios von Zakynthos - ins Auge, an der es auch ein großes Kloster gibt.

Schon das Kloster schindet Eindruck.

Landleben Ade!

   J. Schäfer         

Donnerstag, 9. Mai

Spät eingeschlafen, dennoch früh raus: um 8 Uhr öffnet das Ausgrabungsgelände von Olympia, ich will dann gleich dort sein. Aber schon um diese Zeit kommen Busse im Minutentakt, die Touristensaison hat begonnen, und wie immer gehören die Asiaten zu den eifrigsten.
Auch hier waren wir schon vor rund 30 Jahren, aber es lohnt auch ein zweites Mal.

Burgenland

   J. Schäfer         

Montag, 6. Mai

Koroni ist wirklich ein hübsches Küstenstädtchen, beherrscht durch die große ehemalige Festung, die in byzantinischer Zeit errichtet, dann beim 4. Kreuzzug erobert und nach der 1206 erfolgten Machtübernahme durch die Venezianer ausgebaut wurde; es folgten 1500 die Türken, 1532 die Genuesen, dann wieder die Osmanen, im 17. Jahrhundert die Spanier, Ende des 18. die Russen, Anfang des 19. die Franzosen.
Dennoch: die Menschen haben ihre Liebenswürdigkeit und der Ort seinen Charme bewahrt! Merkwürdig, dass ich auf dem Campingplatz erlebe, dass die meisten Leute nur eine Nacht bleiben.

Auf Kythira und im Süden des Peloponnes

   J. Schäfer         

Mittwoch, 1. Mai

Nach frühem Aufstehen - um 8 Uhr musste ich in der Agentur sein für das Fährticket nach Kythira - folgte die gut einstündige Überfahrt auf die Insel mit einer fast leeren Fähre. Mit Einchecken sind das fast zwei Stunden Langeweile; mein Büchervorrat geht zur Neige - ich lese gerade ein mäßig spannende Romanbiografie des kubanischen Autors Leonardo Padura über das Schicksal von Leo Trotzki mit dem Titel Der Mann, der Hunde liebte - das war Trotzkis Auftragskiller.
Mein erstes Ziel auf Kythira war das Kloster bei Pitsinades, das aus der Einsiedelei von Theodor von Kythira wuchs. Auch hier zeigt sich wieder: Klöster machen hier den Eindruck von Bauernhöfen - oder Wehrburgen.

Sonne und Feiertage

   J. Schäfer         

Dienstag, 23. April

Heute geht die Fahrt in den Osten der Halbinsel Argolis, deren Südseite kaum erschlossen ist; wieder quäle ich mich schleichend über schmale Bergstraßen zum kleinen Bauerndorf Thermisia, das bessere Zeiten hinter sich hat und aus dem wohl Peter von Temissis stammte.

Kein Schiff wird kommen

   J. Schäfer         

Mittwoch, 17. April, bis Donnerstag, 18. April

Meine letzten Ziele auf Kreta liegen im Osten der Insel. Das erste ist die Ruine der großen Basilika in Chersonissos, der bei Gerasimos IV. von Kreta und Gefährten erwähnte Joachim war Bischof der Stadt. Im Reiseführer - Eberhard Fohrer: Kreta, 21. Aufl. Michel Müller Verlag, Erlangen 2018, der absolut beste nicht nur für Kreta, sondern aller Reiseführer, die ich kenne - wird noch erzählt, dass die Ruinen frei zugänglich sind, aber die Touristen ständig Bruchstücke, v. a. der Mosaiken, stehlen. Jetzt ist das Gelände ganz abgesperrt, ich muss mich mit der kleinen Kirche Agia Paraskevi direkt unterhalb begnügen.

Vom guten Hafen in die Hauptstadt

   J. Schäfer         

Freitag, 12. April, bis Samstag, 13. April

Eigentlich steht heute eine einfach Aufgabe an: unweit der Hauptstraße liegt Agios Mironas, wo Myron von Kreta geboren wurde, zeitweise lebte und starb und ihm die Kirche geweiht ist. Aber die Zufahrtstraße ist wegen Erdrutsch gesperrt, also Ausweichroute suchen, auf der engen Straße mich durchquälen - was einfach schien, wird langwierig.