Welt bereisen Das Reiseblog des Ökumenischen Heiligenlexikons

Reiseberichte

Rund um Parnass und Pilion

   J. Schäfer         

Mittwoch, 12. Juni

Zum Übernachten hatte ich mich für die nahe Autobahnraststätte bei Schimantari entschieden, da die Ebene um Thiva nichts anbot. Aber auch hier gab's Schnaken, Hitze und dazu den üblichen Raststätten-Krach - na ja!
Also ging am Morgen wieder zurück, um zur Metropolitankirche in Livadia zu gelangen, wo einst die - angebliche - Kopfreliquie von Georg dem Märtyrer verwahrt wurde.

Die Weiterfahrt führt mich durchs Dorf Distomo. Kein Deutscher kann da einfach durchfahren, Distomo ist eines der 121 Märtyrerdörfer Griechenlands - davon allein 40 auf Kreta -, das von den Deutschen im 2. Weltkrieg platt gemacht wurde. 218 Menschen im Alter von 2 Monaten bis 88 Jahren wurden am 10. Juni 1944 als Vergeltungsaktion für einen Partisanenanschlag getötet, alle Häuser niedergebrannt. Als Angehörige bei deutschen Gerichten auf Entschädigung klagten, wurde das abgeweisen mit der Begründung, das seien normale Maßnahmen der Kriegsführung gewesen. Auch das Bundesverfassungsgericht wies 2006 die Klage ab, Individualansprüche könne es nicht geben; der Europäische Menschenrechts-Gerichtshof hielt 2011 die Klagen für unzulässig. Als Griechenland dann die Zwangvollstreckung deutschen Besitzes, z. b. von Goethe-Instituten, beschloss, gab es diplomatischen Druck …
Auf dem Hügel oberhalb des Dorfes wurde eine Gedenkstätte errichtet …

… mit den Namen der Opfer …

… und dem Masoleum, in dem ihre Schädel verwahrt werden. Mir wird an solchen Orten - und auch jetzt beim Schreiben - immer sehr flau in der Magengegend, es ist einfach schändlich: das Geschehene sowieso, das Verhalten der deutschen Gerichte und Regierung gegenüber den Geplagten bis heute aber auch.

Nicht weit ist es nun nach Stiri, wo die Pfarrkirche offen ist, weil eine Bestattung vorbereitet wird. David von Euböa lebte hier als Einsiedler, Nikolaus der Pilger wurde hier geboren.

Nahe Stiri ist das Lukas-Kloster, das aus der Einsiedelei des Lukas von Griechenland wuchs, Nikolaus der Pilger lebte kurz dort. Heute ist es noch bewohnt, aber auch Museum und UNESCO-Weltkulturerbe. Im Vordergrund: das große Refektorium, dahinter das Katholikon.

Das Refektorium dient nun als Museum.

Auch dieses Kloster klebt am Berg, rechts das Katholikon …

… mit Mosaiken und Fresken aus dem 11. Jahrhundert, hier das Kuppelfresko, das allerdings nach einem Einsturz im 16./17. Jahrhundert erneuert wurde.

Neben dem Katholikon gibt es noch die Panagia-Kirche, der Kirche der Allerheiligsten (Gottesmutter).

Hier ist jedes Detail einfach wunderbar - Menschen können großartiges vollbringen. Und nutzen es oft so schändlich, Distomo ist nicht einmal 9 km entfernt.

Antikyra am Meer ist ein netter Ort …

… mit einer ebensolchen Kirche, wenig vom Tourismus berührt; leider finde ich nicht den gesuchten Punkt Kalamion, an dem Lukas von Griechenland drei Jahre lebte; erst jetzt weiß ich: gemeint ist die Kirche Panagia Kalamiotissa südöstlich von Antikyra, die aber für mich und meine Kiste wohl nur schwer oder gar nicht zu erreichen gewesen wäre.

Dennoch lohnt die Fahrt allein aufgrund der Landschaft. Es ist unfasslich, wieviel Aufwand und Liebe zum Detail der Liebe Gott und sein Spieltrieb sich gemacht haben beim Falten der griechischen Landschaft. Fast kein Stück eben, alles sorgfältig in unzählige Falten gelegt. Die Fahrt ging jetzt vom Meer direkt auf 1000 m Höhe …

… um nach Delphi zu kommen. Das eigentliche Ausgrabungsgelände kann ich mir ersparen - wir waren vor gut 30 Jahren dort - mich interessiert die Kastalische Quelle, die direkt an der Straße liegt, wegen Felsstürzen aber seit einiger Zeit unzugänglich ist; sie wird erwähnt bei Juventinus und Maximus. Das Bouleuterion ist wichtig für die Datierung von Paulus' Aufenthalt in Korinth und damit seine gesamte Biografie.
Was nicht im Reiseführer - jetzt: Andreas Neumeier und Peter Kanzler: Nord- und Mittel-Griechenland, 12. Aufl. Michael Müller Verlag Erlangen 2016, ganz ordentlich - steht: es muss hier eine Omnibus-Fabrik geben, ich habe noch nie so viele an einerm Ort gesehen.

Herrlich ist der Blick vom modernen Ort Delphi - gebaut als Ersatz für den für die Ausgrabungen aufgegebenen Ort Kastri - auf den Golf von Korinth.
Dann geht es einen großen Sprung nach Norden, wieder über Berge des Parnass mit dem Pass in fast 900 m Höhe. Nahe der Nordküste der Halbinsel Attika liegt in den Bergen das Kloster in der verlassenen Siedlung Drakospilia, in dem Michael von Chonai im Alter - notgedrungen - lebte und starb. Den Versuch, dort hinzukommen, gebe ich nach einigen 100 Metern auf, der Weg ist für meine Kiste wieder zu ausgewaschen und zu steil.

Sehr mühsam auch der nächste Versuch: ich brauche Geld. Mein Navi zeigt den nächsten Aurotmaten in 48 km Entfernung an! Aber in der nahen großen Stadt Lamia muss es einen geben, also fahre ich an den Hauptplatz - da tummeln sich die Banken ja gerne - und sehe: keine Bank. Der Taxifahrer zeigt mir eine Straße, ich gehe dorthin - keine Bank. Ich frage mein Navi nicht nach Geldautomat sondern nach Bank und bekomme zwei angezeigt, also steige ich die Stufen den Berg hinauf: keine Bank. Nächster Versuch an anderer Stelle - ja, das war eine Bank, ist aber aufgegeben. Weiterer Navi-Tipp: von Erfolg gekrönt, genau am Hauptplatz, gegenüber der Stelle, an der ich geparkt hatte, aber hinter Bäumen versteckt - wusste das der Taxifahrer etwa nicht?. Eine Hitzestunde in Lamia: unbezahlbar, aber ich habe jetzt Geld.

Letztes Ziel für heute ist Agria, nochmals ein ganzes Stück nach Norden, auf die Halbinsel Pilion; eigentlich ist das eine Fahrt auf der Autobahn, aber die ist unterwegs - offenbar dauerhaft - gesperrt, hinter LKWs geht es qualvoll über die bergige und enge alte Straße; schließlich komme ich doch noch an die Kirche in Agria; hier stellte sich der Märtyrer Gideon von Karakallou den türkischen Behörden.
Wenige Kilometer weiter liegt in Kato Gatzea der Campingplatz Hellas - mit topmodernen Sanitärs, sehr sauber, sehr gutem Internet, guter Taverne und brechend voll.

Donnerstag, 13. Juni, bis Samstag, 15. Juni

Nach zwei Tagen Arbeit auf dem Campingplatz Hellas - es ist heftig heiß und unerträglch schwül - geht es am Samstag in die Umgegend, zunächst über die Berge Richtung Ostküste nach Keramidi, wo Gideon von Karakallou eine Zeit lang lebte. Hier gibt es keinen Tourismus - der Ort liegt zu abseits und hoch über dem Meer -, die Zeit scheint stehen geblieben. Auf dem schattigen Dorfplatz vor der Pfarrkirche diskutieren einige Männer schon am Vormittag - über die in drei Wochen in Griechenland anstehenden Wahlen?

Die Kirche ist leider verschlossen …

… viele Häuser stehen leer.

In Velestino, wo Gideon von Karakallou arbeitete und zum Islam konvertierte, steht neben der Pfarrkirche dieser frisch renovierte Stadtturm. Velestino ist bekannt als Heimat des Schriftstellers, Politikers und Revolutionärs Rigas Pheraios, der Nationalist und Vordenker der griechischen Revolution von 1821 war und heute die griechischen 10-Cent-Münzen ziert. Seine Vision war die Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich in Form einer Föderation der Länder Südosteuropas, wobei Griechenland deren Führungsrolle übernehmen sollte.

Sonntag, 16. Juni, bis Dienstag, 18. Juni

Sonntag und Montag waren hier die Pfingstfeiertage, ich verbrachte sie arbeitend auf dem nun auch mit griechischen Wochenend-Touristen weiter aufgefüllten Campingplatz Hellas.
Vatican-News meldet: Im Jahr 2019 befürwortete das Bundesamt für Migration bis Ende April in nur zwei von 147 Fällen das Ersuchen einer Kirchengemeinde, die einem Flüchtling Kirchenasyl gewährt hatte, ein Asylverfahren in Deutschland zu führen, auch wenn eigentlich ein anderer europäischer Staat zuständig gewesen wäre. Somit wurden nur 1,4 % aller Fälle als besondere Härtefälle anerkannt, 2018 waren es nach Angaben der Bundesregierung noch fast 12 %, 2015 und 2016 lag die Quote der anerkannten Fälle bei Kirchenasyl durch das BAmF noch bei 80 %.

Nach den Feiertagen geht es am Dienstag zu Zielen in der Nähe, zuerst zum Laurentios-Kloster in Agios Laurentios, natürlich hoch am Berg - des Pilion - gelegen und durch Laurentios von der Großen Laura gegründet. Trotz anderslautendem Anschlag ist es leider verschlossen, ich sehe das Katholikon nur von außen.

Glück habe ich dafür in der Apostolos-Kirche in Agios Laurentios, die dem Märtyrer Apostolos von Agios Laurentios geweiht ist: sie ist offen, ich kann fotografieren. Als ich das Wesentliche im Kasten habe kommt der bislang in einem Nebenraum tätige Mesner: fotografieren ist strengsten verboten, Ikonen werden verehrt und geküsst, nicht fotografiert!

Erstaunlich immer wieder mit welcher Pracht die Kirchen ausgestattet sind: das Dorf hatte 2011 noch 273 Einwohner und neben dieser noch weitere vier Hauptkirchen, dazu Kapellen und das Kloster.

Mein nächstes Ziel ist Makrinitsa, wo Gideon von Karakallou geboren wurde. Das sind Luftlinie 7 km, ein Klacks - tatsächlich aber 33 km auf engen Bergstraßen, erst kurvenreich wieder zum Meer, dann ebenso wieder nach oben, dauert gut eine Stunde!
Makrinitsa ist ob seiner herrlichen Lage und Urwüchsigkeit ein beliebtes Ziel für Touristen, auch heute am Werktag sind einige Omnibusse hier - Kompliment an deren Fahrer!

Mein nächstes Ziel ist Makrinitsa, wo Gideon von Karakallou geboren wurde. Das sind Luftlinie 7 km, ein Klacks - tatsächlich aber 33 km auf engen Bergstraßen, erst kurvenreich wieder zum Meer, dann ebenso wieder nach oben, dauert gut eine Stunde!
Das Dorf selbst ist ob seiner herrlichen Lage auf rund 650 m Höhe und seiner Urwüchsigkeit ein beliebtes Ziel für Touristen, auch heute am Werktag sind einige Omnibusse hier - Kompliment an deren Fahrer!

Der Blick auf Volos und die nach der Stadt benannte Bucht ist fantastisch.

Ikonostase in der Johannes dem Vorläufer geweihten Kirche am durch riesige Platanen schattigen Dorfplatz.

Hohl, aber lebendig: eine der Platanen am Dorfplatz.

Wasser gibt es hier in Hülle und Fülle aus den Wäldern des Berges Pilion, hier der Brunnen am Dorfplatz …

… dessen Abwasser unter der Kirche hindurch und dann ins Tal fließt (rechts unten).

Unverkennbar ist der türkische Baustil vieler Häuser und der (einstige) Reichtum der Besitzer. Das viele Wasser ermöglichte Gerbern ihr Handwerk und brachte so Reichtum, Makranitsa war Anfang des 19. Jahrhunderts die an Geld und Bevölkerung reichste Stadt der Region und hatte auch besondere Privilegien von den Osmanen erhalten.

34 km bergauf auf gut 1200 m Höhe zum Pass im Pilion-Massivs, an dem im Winter (bis April) die Skilifte in Betrieb sind, und wieder hinab auf der Ostseite bis fast ans Meer: nach Zagora zur Pfarrkirche bin ich gut eine Stunde unterwegs. Aber bei der Fahrt in der Höhe und fast immer durch dichten Wald sind die Temperaturen sehr angenehm; überhaupt ist glücklicherweise seit gestern die unerträgliche, schwüle Hitze gewichen, wohl Dank der Ausläufer der Unwetter über Mitteleuropa gibt es jetzt manchmal Wolken.
Der Reichtum des Dorfes Zagora stammte aus der Seidenproduktion mit Exporten nach ganz Europa und aus der Schiffsflotte, mit der sie im Mittelmeer und im Schwarzen Meer unterwegs waren.

Ein großes Kloster war Metamorphosis tou Sotiros, der Verklärung des Erlösers, geweiht, Arsenios von Paros der Jüngere und Christodoulos lebten zeitweise dort; heute ist nur noch das zur Pfarrkirche umgebaute Katholikon erhalten, die wie schon das Kloster auch eine Schule beherbergt …

… und daneben diese, eine der zum Kloster gehörenden Kapellen.

Nach der älteren Kirche, die dem Märtyrer Triandaphyllus in Zagora geweiht ist, sehe ich auch die neue Kirche, die man 1981 ihm zu Ehren baute. Daneben steht diese berühmte frühere Schule, die der aus Zagora stammende Patriarch Kallinikos III. 1762 bauen ließ mit Unterstützung von Ioannis Prinkos, einem Händler aus Zagora, der in Holland reich geworden war. Zuvor gab es schon eine Schule im Kloster Metamorphosis tou Sotiros, dann ab 1702 eine im Kloster Agios Prodromos, heiliger Johannes der Vorläufer.

Das Katholikon des Klosters Agios Prodromos neben der Schule von 1762, heute Friedhofskirche. Die Schulen in Zagora waren - wie alle anderen, oft von den Klöstern und im Geheimen betriebenen Schulen - entscheidend dafür, dass griechische Sprache und Kultur sowie orthodoxer Glaube in der Zeit der Osmanischen Herrschaft erhalten wurden. Auch Rigas Pheraios, der uns in Velestino schon begegnete, ging hier zur Schule.

Abschluss des Ausfluges, der kurz hätte werden sollen und dann einen ganzen Tag dauerte: die Cyriaca von Nicomedien geweihte Kirche in Zagora.

Tracks
Kato Gatzea
Velestino
Zagora

Logbuch Reiselogbuch-2019-1-9

geschrieben am 16., 17. und 19. Juni 2019

Im Südosten des Festlandes

   J. Schäfer         

Mittwoch, 5. Juni bis Sonntag, 9. Juni

Weitere vier Tage verbringe ich arbeitend auf dem Campingplatz bei Eretria, vor allem, um zentral- und mittelgriechische Heilige zu recherchieren. Von Jahresende 2018 bis heute habe ich nun 206 Biografien von - meist orthodoxen - Heiligen neu verfasst. Es ist sehr heiß - darunter leidet der Arbeitseifer, viel Schweiß fließt schon beim Nichtstun. An den Wocheneden ist der Platz gut gefüllt mit Griechen; als ich am Samstag im Vorbeigehen wie üblich welche grüße, die beim Mittagessen sitzen , bekomme ich fünf Minuten später auf dem Rückweg einen großen Teller Spaghetti Bolognese in die Hand gedrückt; ich sei doch der, der da allein ist. Das erinnert an das Video Unglaubliche Gastfreundschaft - eigentlich ein Werbefilm für Kreta, dennoch nicht wirklich übertrieben, sondern treffend.
In den Nachrichten wird berichtet über Proteste in Hasankeyf, die Höhlenstadt im Tal des Tigris in der Türkei. Deren Besiedelung ist schon für das 9. Jahrhundert v. Chr. nachgewiesen, eine große Brücke aus dem 12. Jahrhundert teilweise erhalten. Dass Adam und Eva hier lebten, ist nicht überliefert - aber irgendwo in der Nähe war es
Das alles ist nun vorbei, man hat einen Staudamm gebaut, der ist fertig wird nun geflutet, sein Wasser bedeckt dann alles. Ich hab es glücklicherweise 2013 noch gesehen.

Montag, 10. Juni

Erstes Ziel ist heute das Kloster Nikolaos Amarinthos bei Ano Vathia in den Bergen, in dem Porphyrios Bairaktaris von Kafsokalyvia eine Zeit lang lebte. Leider ist es - obwohl anders ausgeschildert - geschlossen. Von hier hat man einen herrlichen Blick auf den Golf von Euböa und - im Dunst - das Festland gegenüber.

Wenig spektakulär ist die Kirche im Dorf Ágios Ioánnis, in dem Porphyrios Bairaktaris geboren wurde. Es gibt dort auch keine Erinnerung an ihn.

Hinter den Bergen, auf der Ostseite von Euböa liegt auf rund 500 m Höhe bei Avlonari das Charalambos-Kloster, dessen Nonnen den kränklichen Porphyrios Bairaktaris gepflegt haben. Das hat nun Mittagsruhe - und auch ich gönne mir eine solche; hier in der Höhe und im Schatten des Waldes hat es endlich angenehme Temperatur.

Über Chalkida, wo ich nun doch noch die richtige Metropolitankirche finde, geht es durch Berge und dichte Wälder in den Norden der Insel, zuerst nach Prokopi, das sich mit den Reliquien des Johannes von Euböa zum Wallfahrtsort entwickelt hat - ein Feeling fast wie in Lourdes und auch am Werktag - Pfingsten ist hier ja erst nächste Woche - mit vielen Besuchern.

Die Johannes geweihte Kirche in Prokopi, links sein Sarkophag.

Wieder an der Küste besuche ich die Kapelle bei Limni an der Stelle der Höhle, in der Christodoulos bis zu seinem Tod lebte …

… und habe von dort den Blick auf den malerisch gelegen Ort.

Schon in abendlichem Schatten grüßt das Eingangstor zum von David von Euböa gegründeten und nach ihm benannten Davids-Kloster in den Bergen oberhalb von Rovis. Ein Omnibus mit rumänischen Wallfahrern ist auch da und feiert in einer Nebenkirche besonders lautstark - Lautsprecher ins Freie sind hier an allen Kirchen üblich - die göttliche Liturgie.

Wie immer herrlich, hier besonders: das Katholikon des Davids-Kloster

… und höchst ansehnlich auch der Brunnen im Innenhof. Es rauscht hier alle paar Meter eine Quelle, in der waldreichen Berggegend gibt es Wasser wie selten hier im Süden.

Zu der Höhle, in der David vor der Gründung des Klosters als Einsiedler lebte, führt eine Schotterstraße - frisch geschoben und deshalb in sehr gutem Zustand. Ich habe nur ungenaue Koordinaten, aber nach einigem Suchen finde ich den Einstieg, die letzten 200 m sind Fußweg.

Nicht nur die Höhle habe ich gefunden, am Beginn des Fußweges auch den idealen Schlafplatz: mitten im Wald, völlig ruhig, auf fast 600 m kühl, völlig ohne Insekten, die mich in den letzten Tagen stundenlang plagten und trotz Autan am Einschlafen hinderten; endlich wieder tiefer, erholsamer Schlaf - herrlich! Einziger Kritikpunkt: der Staub des Schotterweges hat meine Kiste eingzuckert, nachdem ich sie doch erst am Nachmittag hatte waschen lassen: 2 Mann waren eine halbe Stunde beschäftigt, kostete 6 €!

Dienstag, 11. Juni

Nachdem ich am Morgen noch das Davids-Kloster in der Sonne fotografieren konnte, sehe ich den Strand in Rovis, an dem David gelandet war und erreiche dann die Fähre von Loutra Edipsou hinüber ans Festland nach Arkitsa, die den großen Umweg über die Brücke in Chalkida erspart.
Hier sieht man übrigens im Track, dass die Höhenangaben im GPS recht ungenau sind: die Schiffahrt - die Kiste steht auf der Fähre max. 5 m über dem Wasserspiegel - gibt das GPS mit 38 m, am Ende sogar mit 53 m Meereshöhe an. Ungenau ist en Detail auch die Wegstrecke, da nur alle 3 Sekunden oder nach 50 Metern ein Wegpunkt gespeichert wird, also die Kurven werden nicht ausgefahren; die km-Zahl ist deshalb am Ende zu gering und die Geschwindigkeitsangeben sind es auch ein bisschen.

Gardinitsa, das heutige Kyparissi, war Davids Geburtsort; in dem kleinen Dorf ist ihm die wenig spektakuläre Pfarrkirche geweiht.

In Milesi, schon wieder nahe Athen, steht das Kloster, das Porphyrios Bairaktaris von Kafsokalyvia gegründet hat. Der riesige Komplex sieht eher nach einer Fabrik aus, auch das Katholikon versprüht genau diesen Charme; Geld macht eben nicht glücklich - und erst recht nicht spirituell.

Der vorgelagerte Bau am Eingang verstärkt den Eindruck noch. Schnell weg!

Weil ich inzwischen weiß hatte, dass vor einiger Zeit das Grab von Philothea Venizelou von Athen in dem Athener Vorort Filothei gefunden wurde, geht es noch einmal ins Verkehrsgewühl im Speckgürtel der Hauptstadt; neben dem aufwändig ausgebauten Grab wurde auch diese Philothea geweihte Kirche errichtet.

Südwestlich von Athen steht nahe Megara das Hierotheos von Athen und der Entschlafung Marias geweihte Kloster, in dem Hierotheos' Schädelreliquie bewahrt wird. Eine sehr freundliche Nonne zeigt mir alles - leider kann sie kein Wort Englisch und der gerade hier tätige Handwerker, der zu dolmetschen versucht, auch nicht viel. Zum Abschied gibt's einen Lukoumi - den pudergezuckerten Geleewürfel aus Mandelsirup - und dann natürlich eine Spende.

In der Stadt Megara steht die Kirche der 4 Märtyrer für Adrianos und Gefährten und unweit die Kirche der 6 Märtyrer für Seraphim und Gefährten.

Am Spätnachmittag komme ich ans Meletios dem Jüngeren geweihte Kloster bei Lefka und entscheide mich, hier in der Bergeshöhe erst einmal für den Mittagsschlaf.

Als ich dann eintreten will, verwehrt mir die Nonne am Eingang den Zutritt, es sei geschlossen, denn sie versammelten sich jetzt in der Kirche vor dem Kloster - das ist üblicherweise die Friedhofskirche, es ist wohl eine der Nonnen gestorben, die anderen gehen mit ernstem Blick dorthin.

In Thiva - dem antiken Theben - besche ich zuerst die Lukaskirche, gebaut an der Stelle, an der Lukas nach mancher Überlieferung als Märtyrer starb und von wo aus Artemius seine Gebeine demnach nach Konstantinopel überführte. Die Kirche steht auf einem aufgelassenen Friedhofsareal, auf dem man einige Gräber offensichtlich wichtiger Bürger der Stadt stehen ließ. Rufus der Auserwählte war hier nach orthodoxr Überlieferung der erste Bischof der Stadt

Im Kloster, das damals an der Georgskirche - der heutigen Metropolitankirche - im Zentrum der Stadt stand, war Meletios der Jüngere Mönch und Abt.

Direkt gegenüber: die geschäftige Stadt mit 2011 22.883 Einwohnern zeigt, dass der Wohlstand woanders zuhause ist. In der Stadt gibt es auffallend viele Sinti und Roma, vor der Stadt ein großes Quartier aus Plastikplanen und Wellblech

Vom einstigen Glanz Thebens zeugt nur noch das archäologische Museum und der dort stehende mächtige Turm aus der Zeit der fränkischen Herrschaft im 13. Jahrhundert.

Tracks
Davids-Kloster
Thiva

geschrieben am 13. und 14. Juni 2019

Athen

   J. Schäfer         

Mittwoch, 29. Mai

Der Weg in die Stadt geht wie in einer Großstadt üblich mit Omnibus und dann U-Bahn, beide sind ganz ok. Ich lande zuerst an der Athener Trilogie aus Nationalbibliothek, Universität und hier der ab 1856 errichteten Akademie. Die drei von deutschen und österreichischen Architekten zur Zeit der Regentschaft von König Otto - weitgehend aus Spenden finanzierten - Gebäude sollten die antiken Vorbilder nachahmen, nachdem Athen 1834 die Hauptstadt geworden war und aus dem Dorf von 4000 Einwohnern eine Stadt werden sollte.

Ägina - protzig, aber schön

   J. Schäfer         

Donnerstag, 23. Mai bis Samstag, 25. Mai

Zwei weitere Tage arbeite ich auf dem Campingplatz Verdelis - in der Abendsonne fällt der Blick auf die Halbinsel Methana (Mitte), von deren Hafen ich auf die Insel Ägina (links) fahren werde.
Dieser Campingplatz ist sehr einfach ausgestattet - dafür Heimat vieler Ameisen und Schnaken, die mich gerne haben -, aber auch sehr familiär durch einen äußerst redseligen 79-jährigen (!!) ehemaligen Metzger aus Heinsberg und seine Frau, der seit 14 Jahren hier das Frühjahr verbringt.

Inselhopping

   J. Schäfer         

Dienstag, 14. Mai bis Donnerstag, 16. Mai

Nach zwei Tagen Arbeit, noch auf dem Campingplatz in Kato Alissos, geht es am Donnerstag nach Kyllini, von dort dampft die Fähre zur Insel Zakynthos. Gleich beim Ankommen in der gleichnamigen Inselhauptstadt fällt die dirkekt am Hafen stehende Dionysioskirche - geweiht dem hier geborenen Dionysios von Zakynthos - ins Auge, an der es auch ein großes Kloster gibt.

Schon das Kloster schindet Eindruck.

Landleben Ade!

   J. Schäfer         

Donnerstag, 9. Mai

Spät eingeschlafen, dennoch früh raus: um 8 Uhr öffnet das Ausgrabungsgelände von Olympia, ich will dann gleich dort sein. Aber schon um diese Zeit kommen Busse im Minutentakt, die Touristensaison hat begonnen, und wie immer gehören die Asiaten zu den eifrigsten.
Auch hier waren wir schon vor rund 30 Jahren, aber es lohnt auch ein zweites Mal.

Burgenland

   J. Schäfer         

Montag, 6. Mai

Koroni ist wirklich ein hübsches Küstenstädtchen, beherrscht durch die große ehemalige Festung, die in byzantinischer Zeit errichtet, dann beim 4. Kreuzzug erobert und nach der 1206 erfolgten Machtübernahme durch die Venezianer ausgebaut wurde; es folgten 1500 die Türken, 1532 die Genuesen, dann wieder die Osmanen, im 17. Jahrhundert die Spanier, Ende des 18. die Russen, Anfang des 19. die Franzosen.
Dennoch: die Menschen haben ihre Liebenswürdigkeit und der Ort seinen Charme bewahrt! Merkwürdig, dass ich auf dem Campingplatz erlebe, dass die meisten Leute nur eine Nacht bleiben.

Auf Kythira und im Süden des Peloponnes

   J. Schäfer         

Mittwoch, 1. Mai

Nach frühem Aufstehen - um 8 Uhr musste ich in der Agentur sein für das Fährticket nach Kythira - folgte die gut einstündige Überfahrt auf die Insel mit einer fast leeren Fähre. Mit Einchecken sind das fast zwei Stunden Langeweile; mein Büchervorrat geht zur Neige - ich lese gerade ein mäßig spannende Romanbiografie des kubanischen Autors Leonardo Padura über das Schicksal von Leo Trotzki mit dem Titel Der Mann, der Hunde liebte - das war Trotzkis Auftragskiller.
Mein erstes Ziel auf Kythira war das Kloster bei Pitsinades, das aus der Einsiedelei von Theodor von Kythira wuchs. Auch hier zeigt sich wieder: Klöster machen hier den Eindruck von Bauernhöfen - oder Wehrburgen.

Sonne und Feiertage

   J. Schäfer         

Dienstag, 23. April

Heute geht die Fahrt in den Osten der Halbinsel Argolis, deren Südseite kaum erschlossen ist; wieder quäle ich mich schleichend über schmale Bergstraßen zum kleinen Bauerndorf Thermisia, das bessere Zeiten hinter sich hat und aus dem wohl Peter von Temissis stammte.

Kein Schiff wird kommen

   J. Schäfer         

Mittwoch, 17. April, bis Donnerstag, 18. April

Meine letzten Ziele auf Kreta liegen im Osten der Insel. Das erste ist die Ruine der großen Basilika in Chersonissos, der bei Gerasimos IV. von Kreta und Gefährten erwähnte Joachim war Bischof der Stadt. Im Reiseführer - Eberhard Fohrer: Kreta, 21. Aufl. Michel Müller Verlag, Erlangen 2018, der absolut beste nicht nur für Kreta, sondern aller Reiseführer, die ich kenne - wird noch erzählt, dass die Ruinen frei zugänglich sind, aber die Touristen ständig Bruchstücke, v. a. der Mosaiken, stehlen. Jetzt ist das Gelände ganz abgesperrt, ich muss mich mit der kleinen Kirche Agia Paraskevi direkt unterhalb begnügen.

Vom guten Hafen in die Hauptstadt

   J. Schäfer         

Freitag, 12. April, bis Samstag, 13. April

Eigentlich steht heute eine einfach Aufgabe an: unweit der Hauptstraße liegt Agios Mironas, wo Myron von Kreta geboren wurde, zeitweise lebte und starb und ihm die Kirche geweiht ist. Aber die Zufahrtstraße ist wegen Erdrutsch gesperrt, also Ausweichroute suchen, auf der engen Straße mich durchquälen - was einfach schien, wird langwierig.

Rund um die Messara-Ebene

   J. Schäfer         

Dienstag, 2. April bis Mittwoch, 3. April

Nachdem ich am Dienstag eine Auszeit einlegen musste mit Halsweh und Ohrenschmerzen - das habe ich sonst nie - und etwas Fieber, offenbar dem Sturm und der Kälte als Tribut gezollt, nahm ich mir für Mittwoch eine leichte Aufgabe vor: auf der Hauptstraße nach Gortyna fahren, der frührenen Hauptstadt Kretas. Dort stehen Reste der Titus-Basilika, benannt nach Titus, dem ersten Bischof, 824 von den Sarazenen zerstört. Sie ist das besterhaltene Bauwerk der ab 1884 von italienischen Archäologen ausgegrabenen Stadt, aber nicht die von Titus gegründete Kirche - und wegen Bauarbeiten auch nicht zugänglich.

Irrwege

   J. Schäfer         

Dienstag, 26. März bis Donnerstag, 28. März

Zum Abschied gab es nach zwei Tagen Arbeit - auch den Einbau meiner Kiste, der sich auf den Bergstraßen wieder verschoben hatte, musste ich richten - am Strand des Campingplatzes Elisabeth noch ein herrliches Abendrot mit Blick auf Réthymno.

Langsamkeit lernen!

   J. Schäfer         

Mittwoch, 19. März bis Sonntag, 24. März

Nach vier Tagen Arbeit auf dem ruhigen Campingplatz Elisabeth geht es heute in die Umgebung. Das erste Ziel ist ganz in der Nähe, gut 5 km, das wird schnell gehen. Die Anfahrt führt am Ende über eine Offroad-Piste mit tiefen Furchen, einer Bachdurchfahrt und ordentlichen Steigungen, aber meine Kiste schlägt sich prächtig - bis zu der Stelle, wo an einer Wasserleitung eine 20 cm hohe Stufe im Weg ist, das schafft keiner. Also zu Fuß weiter, nur noch gut 1 km. Nach 800 m ist der Weg mt einem Weidezaun versperrt und der ist so gut befestigt, dass man ihn ohne Werkzeug nicht öffnen kann. Also zurück - und die Kiste schafft auch den Rückweg, ich hatte schon Schlimmeres befürchtet!
Nun muss ich es also aus der anderen Richtung probieren, vom Dorf Chromonastri aus, das ich mir nun erst einaml anschaue - und mich in den engen Gassen verlaufe, dann an der Hauptstraße aber auf das Militärmuseum stoße, das die griechische Armee (!) hier eingerichtet hat. Na ja.

Ständig auf und ab

   J. Schäfer         

Dienstag, 12. März bis Samstag, 16. März

Nachdem Regen, Kühle und Katastrophen sich lange genug ausgetobt hatten, kam ab Mittwoch die Wende.