Welt bereisen Das Reiseblog des Ökumenischen Heiligenlexikons

Reiseberichte

Rückkehr

   J. Schäfer         

Mittwoch, 3. Juni, bis Mittwoch, 1. Juli

Vier Wochen vergingen zuhause mit Arbeit an den November-Heiligen für das Ökumenische Heiligenlexikon und immer wieder neuen Informationen über die Reisemöglichkeiten nach Tunesien. Am Mittwoch, dem 24. Juni, die Mitteilung: die Grenzöffnung steht, für die Einreise gibt es drei Listen: grün ist ohne jegliche Beschränkung, gelb mit Corona-Test und sieben Tagen Quarantäne in einem Hotel, rot heißt verweigerte Einreise. Auf welcher Liste steht Deutschland? Es gibt die Listen nirgendwo, auch die Suche auf der Webseite des Gesundheitsministeriums bleibt erfolglos. Auch am Montag, am Dienstag und am Mittwoch. Also schaue ich auf die Seite der WHO mit den Fallzahlen der Länder weltweit - demnach müsste Deutschalnd gelb sein. Also lasse ich am Donnerstag am Flughafen Stuttgart den Covid-19-Test machen - nur so bekomme ich den Bescheid noch am Montag, damit ich ihn mitnehmen kann.

Am Montag hole ich morgens den Test - keine Covid-19 - und die Arztrechnung für den kanpp zwei Minuten dauernden Abstrich: Eingehende Beratung mind. 10 min. (sic!), erhöhter Schutzaufwand Corona - Untersuchung, symptobezogen, erhöhter Schutzaufwand Corona - Abstrichentnahme, erhöhter Schutzaufwand Corona - kostet 55,06 €, die Laborrechnung wird folgen, ca. 100 €. Nach der Heimkehr um die Mittagszeit die Nachricht: die Listen sind nun veröffentlicht, Deutschland ist grün, also keinerlei Bedingungen!
Abends geht es dann nach Köln zum Flughafen, Ankunft 24 Uhr; an Schlafen ist nicht zu denken: fast stündlich gehen Flieger in die Türkei - in NRW haben am Wochenende die Ferien begonnen -, auch die ersten Tunesien-Fluggäste warten wie ich, entsprechend ist der Lärmpegel aufgeregter Heimkehrer und übernächtigter Kinder. Um 4 Uhr bildet sich die Schlange am Check-In, um 7 Uhr soll der Abflug sein - er verzögert sich 20 Minuten, weil der Purser offenbar verschalfen hat.

Der Flieger ist bis auf den letzten Platz gefüllt, alles Tunesier, die in Deutschland leben und arbeiten und nun mit großem Gepäck Heimaturlaub machen. Nach knapp 2½ Stunden - Ortszeit 8.40 Uhr - die Landung in Tunis. Die Abfertigung ist völlig problemlos, beim Zoll bekomme ich meine Fahrzeugpapiere wieder, der von Matthias organisierte Fahrer wartet schon und bringt mich in flotter Fahrt auf den Campingplatz nach Nabeul. Dort werde ich freundlichst und mit Anerkennung empfangen: der Letzte, der ging, der Erste der wiederkommt! Ich bin schließlich der Beweis, dass Tourismus und damit verbundenen Geschäfte wieder möglich werden

Es ist heiß, aber alles in Ordnung: meine Kiste wie beim Verlassen - nur außen nach ¼ Jahr noch mehr verdreckt -, sie springt sofort an. Nach ausführlichem Mittagsschlaf - trotz Hitze, aber den fehlenden Nachtschlaf ausgleichend - kommt am Abend Matthias, wir genießen kaltes Bier im Restaurant und beraten, wie er mir bei der Beschaffung der Verlängerung des Triptiques - der Genehmigung für das Auto in Tunesien - helfen wird. Zu uns gesellt sich ein anderer Deutscher: ein 81-jähriger Rentner, der die ganze Zeit hier allein durchgestanden hat, kein Internet hat, deshalb von allen Informationen abgeschieden war und nun überglücklich ist, endlich wieder Deutsche zu treffen.

Am Tag geht es in die Stadt für Besorgungen. Das Leben ist hier wieder völlig normal, keine Masken, kein Abstandhalten, boomendes Gewühle, als habe es Corona nie gegben. Tatsächlich gibt es schon seit Anfang Mai keine Neuinfektionen im Land mehr, wenige neue Fälle gehen auf Einreisende zurück: COVID-19 pandemic in Tunisia. Die rigoroden Maßnahmen haben Wirkung gezeigt! Am Abend laden Matthias und seine Frau mich ein an den Pool im Hotel Khayam Garden - dort hätte ich die zeitweise im Gespräch gewesene Quarantäne verbringen müssen. Chic!

geschrieben am 2. Juli 2020

Pleite

   J. Schäfer         

Montag, 1. Juni, bis Dienstag, 2. Juni

5 Uhr aufstehen, 6 Uhr Straßenbahn, 7 Uhr der - fast leere - ICE nach Frankfurt-Flughafen. Dort ist der Schalter von tunis-air nicht besetzt. Aber noch sind es ja drei Stunden bis zum Abflug. Auf der Abflugtafel ist der Flug nicht vereichnet. Der Info-Mann sucht in seinem Handy - findet keinen Flug nach Tunis, aber ich soll am Info-Point fragen. Tunis - schon lange nicht mehr; kein Flug, definitiv.

Also zurück nach Stuttgart. Dazu brauche ich eine Fahrkarte, aber keiner der drei DB-Automaten nimmt Geld oder Kreditkarte. (Das ist wohl so, damit die am großen Flughafendrehkreuz Ankommenden gleich erfahren, dass sie in einem Land mit maroder Infrastruktur gelandet sind.) Glücklicherweise gibt es auch ein geöffnetes Reisebüro. Im Zug lese ich die Erklärung für den ausgefallenen Flug - der ebensowenig stattfand wie der für gestern geplante Rettungsflug, mit dem Tunesier heimgeholt werden sollten: offenbar ist tunis-air praktisch pleite, wie der Zeitungsartikel in Tunisie numerique nahelegt; dass die Fluggesellschaft Probleme hat, ist seit längerem bekannt. Zuhause angekommen, lese ich den Artikel vom Nachmittag, der Hitergründe erläutert und aus dessen Kommentaren sich die Erklärung ergibt: Verkehrsminister scheint die Haut des nationalen Luftfahrtunternehmens zu wollen; offenbar verweigert der Verkehrsminister tunisair Staatshilfen, weil er das Unternehmen seinen Freunden aus Katar günstig übergeben will.

Am Abend schickt mir Matthias zum Trost ein aktuelles Foto meiner Kiste. Ja, sie wartet auf mich …
Und dann kommt noch eine Mail von tunisair, eigentlich gerichtet an die, die am Sonntag am Rettungsflug teilnehmen wollten, den es ja auch nicht gab. Zeitnahe Information! Der Rettungsflug findet nun am 6. Juni statt.
Darf ich daran teilnehmen? Den Dienstagvormittag verbringe ich in den Wartescheifen der Telefone des tunesischen Konsulats in München und der türkischen Botschaft in Berlin, um die Mittagszeit bekomme ich endlich eine Auskunft: das entscheidet tunisair. Auch dort: Warteschleifen.
Zeitgleich dann die überrschende Nachricht vom damals Mitgestrandeten Ralf Hofer: Tunsien öffnet am 27. Juni die Grenzen zu Lande, im Wasser und in der Luft und dann gibt es auch keine Quarantäne mehr. Und am 30. Juni gibt es einen regulären Flug mit Eorowings nach Tunis.
Am 6. Juni - vielleicht - der Rettungsflug, dann eine Woche Quarantäne in irgendeinem Hotel + eine Woche Quarantäne auf dem Camping in Nabeul, dann kann ich am 27. Juni mit der Fähre losfahren. Oder ich fliege ohne all die Umstande Eorowings und verliere nur eine Woche - also: gebucht! Ob ich das Geld von tunis-air zurückbekomme? Letztlich egal. Und nun noch einmal vier Wochen Stuttgart! Na ja.

geschrieben am 4. Juni 2020

Neuer Anlauf

   J. Schäfer         

Dienstag, 7. April, bis Sonntag, 31. Mai

Fast acht Wochen war ich nun zuhause in Stuttgart, habe die Lage in Tunesien und die Reisemöglichkeiten beobachtet, immer wieder mit dem deutschen Residenten Matthias gesprochen über die Situation - von ihm stammt das Bild von meiner Kiste mit dem Kommentar Alles in Ordnung - daran hatte ich keinen Zweifel. Es gab aber bislang praktisch keine Möglichkeiten, nach Tunesien zu kommen und von dort wieder weg. Nun aber sind für Juni Reisemöglichkeiten gegeben: Tunisair fliegt, die GNV-Fähren fahren nach Italien. Also habe ich für Montag, den 1. Juni, den Flug nach Tunis gebucht, für akzeptable 200 €. Dort muss man dann für - nur noch - eine Woche in Quarantäne in ein Hotel; das kostet 330 €, dann kann ich mich in Tunesien frei bewegen.
Die Lage vor Ort ist höchst erfreulich: Tunesien hat seit Ausbruch der Pandemie bis zum 26. Mai insgesamt nur 1068 Erkrankte, davon sind 47 gestorben und 903 geheilt, also derzeit 118 akut Infizierte; Baden-Württemberg hat ziemlich genau dieselbe Bevölkerungszahl, aber 34.431 Fälle, 1738 Gestorbene und noch immer 3095 Infizierte. Der Distrikt Nabeul hat insgesamt nur 15 Fälle seit Anfang der Pandemie, abgesehen von dem gleich zu Anfang dort Verstorbenen sind alle geheilt; der etwas weniger Menschen umfassende Stadtkreis Stuttgart hat 1465 Fälle bei 61 Toten und aktuell 5 neue Fälle an einem Tag. Lange Zeit habe ich den Leuten hier gesagt, Nabeul sei 130 Mal sicherer als Stuttgart; inwischen ist es also rein mathematisch unendlich sicherer. Und die Fallzahlen sind in Tunesien nicht deshalb so viel geringer, weil wenig getestet wird - dieser Verdacht stimmt nicht - sondern weil konsequent gehandelt und erst jetzt geöffnet wurde.

Mein Plan ist, nadch dem Ende der Quarantäne mit dem ersten erreichbaren Schiff am 13. Juni nach Italien zu fahren; in Tunesien umherzureisen scheint mir nicht sinnvoll, da ich mit meinem deutschen Auto keine Ängste bei den Leuten und keine fragwürdigen Reaktionen provozieren will. Auch Süditalien, wo das Elend der Menschen sehr groß und der Hass auf die Deutschen sicher - zu Recht! - verbreitet ist, scheint mir nicht empfehlenswert. Aber Florenz, Venedig und andere Staädte kann ich jetzt so angenehm menschenleer wie sonst wohl nie erleben, das Reisen ist in Italien ab 3. Juni für EU-Bürger möglich, die Campingplätze sind dann offen. Also ist mein Ziel für die nächsten Wochen Civitavecchia und dann Mittelitalien.

Ob das alles klappt? Man wird sehen.

geschrieben am 28. Mai 2020

Rettungsflug

   J. Schäfer         

Donnerstag, 2. April, bis Montag, 6. April

Gestern Abend wurde ich richtig euphorisch: Raus aus der Gefangenschaft, zuhause vernünftig und produktiv arbeiten können, mit Internet am PC - wow! Ich musste mich zwingen, die Euphorie zu dämpfen: Vielleicht bekomme ich ja keinen Platz im Flieger, vielleicht klappt das nicht mit Auto beim Zoll - und auch der Flieger könnte abstürzen … - also: Gemach!
Heute morgen, nach geruhsamem Schlaf das Gefühl: ich bleibe hier, es fehlt doch an nichts! Vernunft und Telefonate und die Erinnerung an gestern Abend bringen mich zum Ergebnis: ich probiere es, dann schauen wir, was passiert, ich lege es in Gottes Hand und werde so oder so zufrieden sein. Also alles organisieren - Matthias, der Resident, war eine ganz große Hilfe. Und dann alles vorbereiten: viel packen kann ich nicht, ich habe keinen Koffer / Reisetasche etc., nur den kleinen Packsack meines Duschzeltes; aber das Auto muss ich sommerfest machen.

Am Freitag: 5 Uhr schellt der Wecker, 6 Uhr kommt das Taxi nach Tunis. Es regnet wie aus Kübeln - Tunesien will mich verabschieden, indem es sich als grau, kalt und ungemütlich erweist. Kurz nach 7 Uhr sind wir am Flughafen - wo schon eine große Menschenmenge, mehrere hundert Leute, wartet. 8 Uhr ist Einlass und dann geht alles sehr zügig: Prüfung der Erklärung für den Rettungsflug - 250€ werden einem später in Rechnung gestellt, Check-in: es kommen alle 450 Wartenden mit. Die Leute von der Botschaft sind zahlreich, sehr freundlich und sehr hilfsbereit. Meine eher kritische Anmerkung von letzter Woche ist widerlegt. Ich habe der Botschaft dann gemailt: Als Teilnehmer an Ihren gestrigen Rettungsflügen Danke ich zunächst der Bundesregierung für dieses Angebot und dann sehr herzlich den Mitarbeitern Ihrer Botschaft für das ausgesprochen freundliche und hilfsbereite Wirken am Flughafen Tunis.
Auch das Auto beim Zoll abmelden geht völlig problemlos, dann die Ausreiseerklärung ausfüllen, Passkontrolle, Boarding - und pünktlich um 11 Uhr hebt der Flieger nach Köln ab - es gab vier Flüge, das Ziel in Deutschland konnte man sich nicht aussuchen, aber Köln kommt mir gelegen. Die Maschine ist gefüllt bis auf den letzten Platz - sehr wenige Touristen, zuallermeist in Deutschland lebende und arbeitende Tunesier; die Frau neben mir ist eine junge tunesische Altenpflegerin mit Wohnsitz Köln: die braucht man dort jetzt dringend!

Schon nach knapp 2½ Stunden die Landung in Köln - auf einem völlig leeren Flughafen - ein riesiges Areal menschenleer, alle Schalter und Geschäfte geschlossen: apokalyptisch? Es landeten heute laut Anzeige 8 Flugzeuge: drei Linienmaschinen, fünf Rettungsflugzeuge. Das war alles! Eine einsame Frau am einzigen geöffneten Laden verkauft Backwaren - mein erstes Essen heute. In einem fast leeren Zug geht es freitags um 16 Uhr (!!) in die Stadt zu meinem Sohn und seiner Frau in die Wohnung, dort Luxusmenue zum Abendessen und viele Telefonate, dass alles geklappt hat. Zwei Tage Erholung pur mit warmer Dusche, Spaziergänge bei Frühlingswetter durch den fast menschen- und autoleeren Stadtteil, Schinken und Brötchen zum Frühstück: ja, ich bin ein Luxus liebender Deutscher! Sonntags kommen zwei Stuttgarter Söhne, montags fahren wir mit dem Auto nach Hause.

Ich werde nun zwei Wochen in freiwilliger Quarantäne bleiben; ich bin sicher, Tunesien gesund verlassen zu haben, die letzte ernsthafte Möglichkeit zur Ansteckung wären die damals Rettungsfliegenden gewesen, die teilweise erst kurz zuvor mit der Fähre aus Genua gekommen waren, aber das ist vierzehn Tage her. In der Warteschlange und dann im Flugzeug wäre dagegen eine Ansteckung denkbar, also muss ich meine Mitmenschen schützen.

Die nächste Fähre von Tunis nach Italien geht laut Webseite - Stand heute - am 26. April. Die Illusion, dass dann im Mai eine Fortsetzung der Reise durch Tunesien und Süditalien möglich wird, habe ich aufgegeben. Ob ich wirklich im Mai schon mein Auto abholen und überführen kann, wird sich erweisen - wohl eher kaum, auch wenn seit drei Tagen die Zahl der Neuinfizierten in Italien zurück geht - Gott sei Dank für etwas Entspannung in diesem gebeutelten Land! Der sizilianischen Regierung in Palermo habe ich als Antwort auf ihre - höchst verständliche Absage - von vor zehn Tagen nun gemailt: Ich danke Ihnen sehr für Ihre freundliche und außerordentlich ausführliche und individuelle Antwort, die zudem noch sehr schnell erfolgte. Ich kann Ihre Verwaltung nur in höchsten Maße loben und werde die auch in Deutschland so verbreiten. Für das höchst unsolidarische Handeln der deutschen Regierung gegenüber Italien in der jetzigen Krise schäme ich mich.

Das Ankommen zuhause fällt mir schwer: ich bin gedanklich noch immer halb in Nabeul. Fliegen ist keine vernünftige Art des Reisens! Indianer wissen: es ist nicht gut, wenn der Mustang schneller ist als die Seele. Die Seele braucht Zeit, die Veränderung des Klimas, der Landschaft, der Düfte, der Mentalitäten, des Essens, der Menschen zu verarbeiten.
In Tunesien sind es - Stand 4. April - nun 553 Corona-Infizierte, davon 11 im Bezirk Nabeul, bei bislang 19 Todesfällen. Ich hoffe so sehr für das Land, dass sie das Ziel - bis zu maximal Tausend Infizierte am 15. April, die sie dann mit ihren 50 Beatmungsgeräten versorgen können - erreichen, und es sieht so aus, als ob sie das schaffen!

Logbuch Reiselogbuch-2020-1-5

geschrieben am 5. und 6. April 2020

Gewöhnung

   J. Schäfer         

Freitag, 27. März, bis Mittwoch, 1. April

Dorothea Siems, das neoliberale Plappermaul von der WELT, in allen Talkshows sitzend und viel Nichts sagend, hält die anstehende Rentenerhöhung für in dieser Krise nicht machbar. Überhaupt müsse man - ich ergänze: frau, aber natürlich nur die Kleingeschriebenen! - jetzt den Gürtel enger schnallen. So wie Adidas: der Sportartikel-Hersteller hat auf das Ausnahme-Gesetz zurückgegriffen und die Mietzahlungen für seine Geschäfte eingestellt. Schließlich braucht der Konzern das Geld für den jetzt durchzuführenden Aktienrückkauf in Höhe von 1 Milliarde €.

Jemand hat mir geschrieben, das Fliegen verbieten, eine solche Einschränkung von Freiheit, das ginge ja gar nicht. Stimmt: Millionen Menschen wären in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Aber jetzt sind es Milliarden, die in Isolation sitzen - von den Toten mal abgesehen. Freiheit für Millionen auf Kosten der Freiheit von Milliarden - das geht? Aber nur ruhig, lieber Leser: es wird so nicht kommen.

Gelesen habe ich, was die Leute hamstern: Deutsche Klopapier, Franzosen Wein. Genau das macht den Unterschied! Und in England hat Boris Johnson, der noch vor acht Tagen keinerlei Maßnahmen ergreifen wollte, weil das der Wirtschaft schadet, jetzt der Virus befallen. Mich freut das nicht, denn klammheimliche Freude ist in Deutschland seit 40 Jahren verboten.

Grauer Corona-Alltag

   J. Schäfer         

Montag, 23. März, bis Donnerstag, 26. März

Gestern abend musste ich nun selbst kochen - das Restaurant ist ja seit heute auch zu. Na ja: die Tomatensoße warm machen, die Bernd, der Chef der Wüstenfahrertruppe von Offroadkangaroo, mir auch überlassen hatten. Die ist gut, versprach er. Stimmt. Beim Verdauungsspaziergang sehe ich Gelblicht auf der Straße und die Neugier drängt mich ans Tor: ein Tankwagen fährt langsam und ein Mann verteilt mit einer Schlauchspritze Unmengen Desinfektionsmittel über Straße, Gehweg und angrenzende Wände.
Deutsche Nahverkehrsmittel haben Desinfektionsmaßnahmen vor einigen Tagen abgelehnt, die normalen Reinigungsintervalle reichten. Kostete ja Geld. Die Stuttgarter Straßenbahnen - ein kommunales Unternehmen mit normalerweise eigentlich guter Leistung - haben weniger Passagiere gezählt und die Zahl der Fahrten eingeschränkt - so sehr, dass die Leute jetzt dichtgedrängter als zuvor stehen. Immerhin: der OB hat eingegriffen.
Die tunesische Regierung weiß, dass das hiesige Gesundheitswesen bei einer Epidemie keine Chance hat, also tut sie alles zur Prävention. Offenbar mit Erfolg: vom ersten festgestellten Fall im Land am 2. März stieg die Zahl der Infizierten nach vierzehn Tagen auf 48; die Vergleichszahlen lauten für Italien 5583 und für Frankreich 2281 für die jeweils dortigen ersten 14 Tage. Dabei geholfen haben hier natürlich auch die sowieso weitgehend geschlossenen Grenzen und der - eigentlich: leider - geringe Tourismus.

Ausgangssperre

   J. Schäfer         

Sonntag,, 22. März

Nun ist also Ausgangssperre, es ist totenstill - gespenstisch. Der Himmel dazu grau, es gab wieder Regen, aber immerhin morgens um 8 Uhr schon 16°. Der Security-Mann und der Gärtner sind hier zugange wie an jedem Tag, aber sonst: nichts außer Vogelgezwitscher. Die Katzen schleichen über den Platz - das tun sie immer, aber irgendwie spüren auch sie offensichtlich, dass etwas nicht stimmt. Ich mache Frühgymnastik - das erste Mal in meinem Leben betätige ich mich freiwillig sportlich, ich muss meinen Kreislauf gesund halten: 40 Meter zur Garage, 30 Meter zum Eingangstor, 20 Meter Richtung Nachbarhäuser, 30 Meter über die ob des vielen Regens teilweise noch grüne Wiese zur Mauer an der Straße. Mehr Auslauf ist nicht - aber immerhin. Der Laden gegenüber hat geöffnet und frisches Brot zum Frühstück, die kommunale Müllabfuhr war da - die Versorgung läuft.
Es gab in Tunsien gestern 48 Fälle, einen im Distrikt Nabeul, und einen Todesfall, ganz im Süden des Landes, eine schon infiziert aus der Türkei heimgekommene 80-jährige Frau.

Ausharren als Corona-Gefangener

   J. Schäfer         

Samstag, 21. März

Die Rettungsfliegenden sind alle weggekommen. Am gestrigen Nachmittag gab es zunächst die Meldung, das Paar mit Hund komme zurück, weil der Hund nicht in den Flieger darf. Zwei Stunden später war die Nachricht, Frau und Hund konnten fliegen, aber der Mann komme wieder, weil es mit dem Auto beim Zoll Probleme gab. Tatsächlich konnten alle drei fliegen, allerdings nach Rom und von dort aus heute nach Deutschland. Einer aus der Truppe ist Holländer - andere EU-Bürger aber nehmen die Deutschen nur mit, wenn alle Deutschen Platz im Flieger bekommen haben und dann noch welche frei sind. Toll, vereintes Europa! Aber es hat auch für ihn geklappt, alle haben es also glücklicherweise nach good old Germany geschafft.

Ich stelle mich auf mehrere Wochen Tunesien ein, in Italien und in Deutschland nimmt die Situation zunehmend schlimmere Dimensionen an. Beim Versuch einzuschlafen, überfiel mich gestern Abend die Depri-Stimmung: völlig allein, auf ungewisse Zeit und in einer Umgebung, wo sich die Lage in unkalkulierbarer Weise zuspitzen kann - hätte ich nicht doch auch Fliegen sollen? Aber die gestrige Tageslosung sagt: Der Herr deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, er birgt mich im Schutz seines Zeltes. (Psalm 27, 5). Oh, du Kleingläubiger! Und außerdem war es schon immer mein Konzept, so zu reisen, dass ich - bei allen Privilegien, Auto, Geld, deutscher Pass - möglichst nah an den Leuten im Land lebe - und hier ist es nun einmal jetzt eben so.
Morgens wache ich gut gelaunt auf. Matthias, ein deutscher Resident, der hier ganz in der Nähe wohnt, kommt vorbei und erzählt, dass es eine große Zahl von Flugzeugen war, die gestern Europaheimkehrer abholten. Und dass in der Wüste kurz vor Douz noch ein LKW mit Deutschen verharrt: ihnen ging die Lenkung kaputt. Vielleicht bekomme ich ja doch noch Gesellschaft …

Ins vergessene Landesinnere - und Coronastress

   J. Schäfer         

Dienstag, 17. März bis Mittwoch, 18. März

Zuerst musste ich tanken: für 63 l Diesel zahlte ich 41,50 € - paradiesisch - für unsereins.
Sidi Medien, unter den Römern Volitana und eine Bischofsstadt, ist heute ein weitestgehend verlassenes Bergdorf fernab größerer Städte oder Straßen; dennoch ist die Zufahrtsstraße asphaltiert. Bergdorf ist aber eigentlich das falsche Wort: es ist eigentlich eine sanfte Hügellandschaft, nur hier mit einem schroffen Felsen. Der höchste Berg Tunesiens ist gerade mal 1544 Meter hoch; schroff eingeschnitten sind nur manche Flussläufe, Oued genannt, in denen aber schon jetzt auch hier im Norden des Landes schon meist kein Wasser mehr fließt.
In Volitana, damals Sitz eines Bischofs, starben die Märtyrer von Volitana.

Corona

   J. Schäfer         

Montag, 16. März

Gestern Abend kam hier plötzlich das sonst im Hotelrestauant und auf der Straße lautstark tobende Leben zum Erliegen. Feiertag? Ist erst kommenden Freitag. Ramadan? Dauert noch. Des abrupt auftauchenden Rätsel Lösung: Die Bezirksregierung hat die Schließung aller Restaurants angeordnet, die tunesische Regierung eine 14-tägige Quarantäne für alle ins Land Einreisenden. Es gibt im ganzen Land aber nur drei bestätigte Krankheitsfälle.
So harre ich nun auf dem Camping Les Jasmins zusammen mit den gestrandeten Wüstenfahrern und blicke auf die reifen Orangen. Morgen werde ich ins Landesinnere fahren - mal sehen, ob die Polizei, die hier sowieso an jedem größeren Kreisverkehr die Papiere kontrolliert, mich lässt

Viele Zeitungen in Deutschland berichten wegen des Corona-Viruses über das Ökumenische Heiligenlexikon und verweisen auf unseren Artikel Corona (Stephana), denn sie ist auch Patronin gegen Seuchen. Google meldet mir für diese Seite: Ihre Seitenklicks haben sich gegenüber dem üblichen Tagesdurchschnitt von 14,3 Klicks um mehr als 1.000 % erhöht. Wie ich ja schon gestern sagte: mancher profitiert eben von der Krise

geschrieben am 16. März 2020

Karthago - und kein Corona!

   J. Schäfer         

Donnerstag, 12. März, bis Sonntag, 15. März

Heute scheint nun endlich die Sonne - und sie hat Kraft, Pullover ade! Mein Ziel ist nun Karthago, der Villenvorort von Tunis mit Häusern, denen man Luxus ansieht. Dazwischen verstreut liegen verschiedene Ausgrabungsorte, als ersten besuche ich das Gelände an den Antoninus-Thermen, in dem auch diese Ruinen alter punischer Gräber …

Palermo und glückliches Entkommen

   J. Schäfer         

Montag, 2. März bis Freitag, 6. März

Die letzten Tage auf dem Campingplatz Alessandra gehören der Vorbereitung auf Tunesien. Am Freitag fahre ich dann nach Palermo, denn ich muss am Samstag schon um 7 Uhr im Hafen sein. So kann ich dort noch einige Stellen besuchen, an denen ich noch nicht war, zuerst das Wohnhaus, vor dem der Priester Pino Puglisi erschossen wurde, der sich als Gegener der Mafia positioniert und engagiert hatte; er war der erste von der Mafia ermorderte Priester. Vor dem Haus wird auf großen Fototafeln an den Besuch von Papst Franziskus erinnert …

Messina, das Tor zu Sizilien

   J. Schäfer         

Sonntag, 1. März

Am Sonntag heißt es früh aufstehen und dann auf der Autobahn in die Stadt, nach Messina. Sie liegt um 9 Uhr tatsächlich noch fast regungslos da, so finde ich problemlos einen Parkplatz im Zentrum.
Am Hafen steht die Marienstatue mit dem Segensspruch, den diese angeblich Bachylus, dem der Überlieferung zufolge ab 42 ersten Bischof der Stadt, erteilte: Ich segne Dich und Deine Stadt.

Sonne tanken auf Sizilien

   J. Schäfer         

Dienstag, 4. Februar, bis Dienstag, 11. Februar

Unverkennbar: Ich bin auf Sizilien angekommen: im Ort die riesige, das Zentrum überblickende Marienstatue, der Motorroller, die Sonne.
Im Herbst hatte ich gedacht, ich bereise diesmal die Ägäischen Inseln, um damit Griechenland komplett zu machen, und anschließend Süditalien. Im Laufe der Wochen habe ich mich umentschieden: es soll nach Tunesien gehen und dann in den Süden Italiens. Tunesien hatte ich letztes Jahr schon ins Auge gefasst, aber die Lage dort schien mir zu unsicher; inzwischen hat sich das als falsche Befürchtung herausgestellt.
Am Freitag Abend wollte ich von Civitavecchia bei Rom aus das Schiff nach Tunis nehmen. Wie immer ging's aber erst nach Aigle in der Schweiz zum Besuch bei meiner Tante. Es waren wieder zwei entspannte Tage bei fast frühlingshaftem Wetter, aber uns beiden machte eine leichte Erkältung zu schaffen. Bei der Weiterfahrt hielt mich dann mein Mittagsschlaf nach der Überquerung der Alpen ganze vier Stunden im Bett, ich kam an diesem Tag nur bis zur Raststätte Stura, noch vor Genua; damit war das Schiff kaum noch erreichbar und ich merkte zudem: ich brauche noch Erholung. Deshalb die Entscheidung: drei Nächte in Rom auf dem mir bekannten und rundum guten Campingplatz Roma zum ganz gesund werden und dann zuerst nach Sizilien zum Arbeiten. Montags ging's dann weiter nach Süden, abends noch mit der Fähre auf die Insel und am Dienstag vormittag schließlich auf den mir ebenfalls aus dem Jahr 2017 bekannten Campingplatz Alessandra in Torrenova - neben dem Camping Luminoso und seinen Nachbarn im Süden von Sizilien sicher der nach Ausstattung und Sauberkeit beste Platz auf Sizilien.

Die Heiligen in Österreich

   J. Schäfer         

In den vergangenen Wochen konnten wir bei zwei Reisen Orte der Heiligen in Österreich, nämlich in Kärnten, der Steiermark, dem Burgenland, in Niederösterreich, Oberösterreich und Salzburg besuchen. Neben Detailinformationen sind 237 neue Fotos für das Ökumenische Heiligenlexikon der Ertrag. Mit Ausnahme von Wien haben wir damit (fast) alle Orte in Österreich punktgenau lokalisiert. Das Bild zeigt die wunderschön gelegene Johannesbergkapelle in Traunkirchen.

Anfang Februar nächsten Jahres wollen wir uns wieder auf eine längere Reise begeben: Ziele sind zunächst Catania auf Sizilien, dann der Süden des italienischen Festlandes und schließlich die Ägäischen Inseln in Griechenland, die wir bei der diesjährigen Reise nicht mehr besuchen konnten.