Welt bereisen Das Reiseblog des Ökumenischen Heiligenlexikons

Reiseberichte

Inselhopping

   J. Schäfer         

Dienstag, 14. Mai bis Donnerstag, 16. Mai

Nach zwei Tagen Arbeit, noch auf dem Campingplatz in Kato Alissos, geht es am Donnerstag nach Kyllini, von dort dampft die Fähre zur Insel Zakynthos. Gleich beim Ankommen in der gleichnamigen Inselhauptstadt fällt die dirkekt am Hafen stehende Dionysioskirche - geweiht dem hier geborenen Dionysios von Zakynthos - ins Auge, an der es auch ein großes Kloster gibt.

Schon das Kloster schindet Eindruck.

Vor der Dionysioskirche steht dieses Denkmal für den heiligen Theodor Uschakow. Wer ist das und warum sogar heilig?
Fjodor Fjodorowitsch Uschakow war Admiral der der russischen Flotte, er eroberte mit Unterstützung der Türken 1800 die Ionischen Inseln und schon 1798 Zakythos von den Venezianern. Endlich war man die verhassten katholischen Protestanten los! Unter dem Schutz der orthodoxen Russen und der muslimischen Türken konnte die Republik der Ionischen Inseln gegründet werden - bis sie 1815 von den Briten geschlagen wurde und neue protestantische, diesmal anglikanische, Fremdherrschaft einkehrte. 2001 wurde Fjodor Uschakow von der russischen Kirche heiliggesprochen, 2013 das Denkmal in Zakynthos aufgestellt - vor der Kirche des Inselheiligen, also an der heiligsten Stelle! - mit der Begründung, er habe den ersten autonomen - und damit orthodoxen - griechischen Staat der Neuzeit ermöglicht.

Dunkel ist es - auch nach Fotokorrektur - im Innern der Dionysioskirche; Dionysios hat nun hier nun seine Ruhestätte in einem Silbersarkophag.

Im Vergleich zur Dionysioskirche ist die Metropolitankirche mitten in der Stadt recht bescheiden.

Es gibt auch noch eine katholische Kirche im Zentrum und die ist natürlich - als Überbleibsel aus der venezianischen Zeit - Markus geweiht.

Recht nett ist die Fußgängerzone, schon fest in der Hand von Touristen, und mit Geschäften und Lokalen ganz auf diese Klientel eingestellt.

Nahe am Hafen steht die alte Nikolauskirche, an der Dionysios auch wirkte …

… und am selben Platz dieses prächtige Haus, das das Museum für byzantinische Kunst. Zakynthos gilt als reiche Insel, ihre Bewohner waren schon immer die Migration ins Ausland gewohnt und brachten Geld mit nach Hause, auch Händler und Reeder verdienten hier ordentlich. Und heute ist Zakynthos ein Hotspot für Touristen, die nun das Geld auf die Insel bringen. Nicht von ungefähr ist auch der Flugplatz hier in der Hand von FRAPORT. Das Denkmal zeigt den auf Zakynthos geborenen griechischen Dichter Dionysios Solomos († 1857), aus dessen Gedicht Hymne an die Freiheit der Text der Nationalhymnen von Griechenland und Zypern stammt.

Über Gaitáni, wo in der Kirche die Gebeine von Joseph Samakos, „dem Geheiligten” verwahrt werden, geht es in den bergigen Norden der Insel; unterwegs gibt es an einem Aussichtspunkt frisch gepressten Orangensaft und den Blicklick auf ein Stück der Ostküste.

Ziel ist das Kloster Panagia Anafonitria, wo die ehemalige Klosterzelle von Dionysios von Zakynthos zu sehen ist. Das verlassene Kloster, im 15. Jahrhundert von einem Grafen in venezianischen Diensten errichtet, zeigt am Eingang mit dem wuchtigen Turm seine damalige Bedeutung als wehrhaftem Stützpunkt im Nordwesten der Insel.

Das Katholikon - heute Pfarrkirche - des verlassenen Klosters ist eher bescheiden; eine Gruppe russischer Touristen erhält von ihrem Führer Eräuterungen.

Im ebenfalls verlassenen, Johannes Manteios, dem Vorhersager, geweihten Kloster bei Chartata - es soll wieder bewohnt werden - lagen früher die Reliquien von Joseph Samakos; auch an diesem Kloster beeindruckt der wehrhafte Turm.

Einen Hund gibt es schon …

Im Inselnorden liegt Agios Nikolaos, Abfahrtspunkt für die Fähre nach Kephallonia. Am kleinen Hafen gibt es keine Agentur, ich frage die Küstenschutz-Polizei: Die Fähre kommt um 19 Uhr und fährt um 19.45 los, Tickets gibt es an Bord. So vertreibe ich mir die Zeit, aber auch um 19 Uhr tut sich nichts, mir fallen auch keine Wartenden auf.
19.37 kommt das Schiff und spuckt drei Omnibusse aus mit Asiaten, die offensichtlich einen sehr anstrengenden Tagesausflug nach Kefallonia unternommen hatten. Inzwischen sind doch noch einige Autos gekommen, mit ihnen will ich aufs Schiff fahren, der Einweiser fragt mich nach dem Ticket. Ticket - on board!!? Nein: nebenan steht ein uralter Kleinwagen, darin ein älterer Herr mit geöffnetem ebensoalt-Aktenkoffer auf dem Beifahrersitz, in dem völlig ungeordnet Geld liegt. 45 € will er für die Überfahrt, dafür gibts eine handgeschriebene Quttung - das war wohl der Touristenpreis. Das kleine Schiff schaukelt bei der Fahrt gehörig - glücklicherweise kenne ich keine Seekrankheit.
Bei der Ankunft in Pessáda auf Kefallonia ist es stockdunkel; der Hafen ist gar keiner, sondern nur die Anlegestelle und dann eine Straße steil den Berg hoch ins kleine Dorf - keine Chance zum Übernachten. Im Navi suche ich einen Platz und finde eine Bucht etwas entfernt, den Klimatsias-Strand, mit einem Parkplatz, und schleiche durch die Nacht auf engen, kurvigen und steilen Schlaglochsträßchen dorthin.

Freitag, 17. Mai

Was ich bei meinem Schlafplatz nicht bedacht hatte: den Schattensepnder im Osten. Deshalb weckt mich schon früh am Morgen die Sonne. Es soll mir Recht sein, denn am späten Nachmittag geht die Fähre, sagt der Reiseführer (Griechische Inseln, 8. Aufl. Michel Müller Verlag, Erlangen 2004 - einen aktuelleren für alle Inseln gibt es nicht und die vielen für jede einzelne waren mir zu teuer). Eigentlich hatte ich die Tour in umgekehrter Reihenfolge geplant und mich erst gestern Morgen umentschlossen, deshalb helfen meine aktuellen Fahrpläne nicht. Und späten Nachmittag könnte ich schaffen, das käme mir gelegen: auf den Inseln, abhängig von Fahrplan und Platz auf der Fähre, fühle ich mich immer so ein bisschen wie eingesperrt.
Aber schön war dieser Schlafplatz - ganz links meine Kiste.

Schon von weitem zu sehen ist die große, 1992 Gerasimos dem Jüngeren geweihte Kirche, die man vor seinem Kloster erbaut hat. Dieses Katholikon des Frauenkloster mit Gerasimos' Silbersarg ist von außen dagegen bescheiden …

… aber innen wie immer eindruchsvoll …

… ebenso wie das Tor am Eingang zum Kloster.

Im Andreas geweihten Kloster bei Peratata wird die Reliquie seines rechten Beines verwahrt. Das alte Katholikon wurde nach dessen Zerstörung durch das Erdbeben von 1953 wieder aufgebaut.

Damals wurde auch ein neues Katholikon erbaut, in dem der Schatz nun liegt.

Oberhalb des Klosters thront die frühere Burg auf 322 m Höhe; in der venezianischen Zeit, die von 1204 bis 1797 währte - mit einer kurzen Unterbrechung zwischen 1479 und 1500, in der die Osmanen herrschten - war Peratata mit seiner Burg die Inselhauptstadt.

Dass Gerasimos der Jüngere in einer Höhle in Razata - hier dessen Kirche - lebte, ist falsch, wie ich inzwischen weiß; tatsächlich lebte er eine Zeit lang in einer Höhle nahe Argostoli.

Kefalonia wird durch einen großen Meerbusen sozusagen in zwei Teile zerschnitten. Gegenüber der Inselhautstadt liegt der andere große Ort, Lixouri; die Fahrt um den Meerbusen herum bedeutet eine Wegstrecke von 33 km - das dauert. In Lixouri suche ich die Kirche, an der Panagis Basias wirkte. Ihn hatte ich erst am letzten Abend noch entdeckt und hastig die Biografie verfasst, für genauere Recherchen fehlte dann die Zeit. Diese, Gerasimos geweihte und nach dem verheerenden Erdbeben von 1953 im Jahr 1959 gebaute Kirche ist es jedenfalls nicht.

Auch in der Hauptkirche im Zentrum, dem Pantokrator geweiht, werde ich nicht fündig, aber sie steht für den Geburtsort von Anthimos dem Blinden. Inzwischen weiß ich: Basias' Kirche war die kleine Spyridon-Kirche; an der bin ich vorbeigefahren, habe angehalten aber sie dann doch nicht eines Fotos für würdig erachtet. Künstlerpech. Auch wo sein zweites, das erhaltene Wohnhaus war, weiß ich inzwischen - zu spät.

Dafür finde ich die Spyridon-Kirche an der Stelle des aufgelösten Frauenklosters im Ortsteil Mantzavinata, wo Panagis Basias auch tätig war. Weil ich mir noch nicht sicher war, besuchte ich auch diese Friedhofskirche, in der renoviert wurde und die Handwerker mich freundlich begrüßten. Sooft kommt hierher kein Tourist.

Nachdem mein Navi mich auf unbefahrbare Wege geschickt hatte, erreiche ich nach einem Fußmarsch von 500 Metern über den Sandstrand das Kloster in Lepada, in dem Anthimos der Blinde Mönch wurde und nach einem bewegten Leben auch starb. Das nach dem Erbeben von 1953 wieder aufgebaute Kloster ist heute verlassen.

Ursprünglich lebten die Mönche dort in den Höhlen am Strand …

… heute tummeln sich an diesem Strand die - jetzt noch wenigen - Touristen.

Für die Rückfahrt erspare ich mir den langen Weg um den Meerbusen und nehme die halbstündlich verkehrende Fähre nach Argostoli - was sich bei 4 € Fahrtkosten auch rechnet und zudem die Gelegenheit bietet, den Strand zu fotografiern, an dem sich der Schiffbruchs von Paulus aller Wahrscheinlichkeit nach tatsächlich ereignete - und nicht auf Malta.

Bei der Einfahrt zum Hafen von Argostoli sieht man diesen Strand und den wie ein Tempel gestalteten Leuchtturm. Ein Stück weiter hinten ist das Denkmal für die von den Deutschen umgebrachten italienischen Soldaten; nach der Absetzung von Mussolini und der Kündigung des Kriegsbündnisses mit Deutschland durch Italien kamen deutsche Truppen auf die Insel Kefalonia, die seit 1940 von den Italienern besetzt war. Die Italiener wegerten sich zunächst, den Deutschen ihre Waffen abzugeben, nach sieben Tagen aber ergaben sie sich, trotzdem wurden etwa 5000 (!) Italiener - und einige griechische Widerstandskämpfer - am 13. September 1943 im Akkord hingerichtet; die Leichen ließ man einfach liegen, sie wurden dann von Inselbewohnern begraben.

Wie fast alle Gebäude auf der Insel musste auch die Metropolitankirche in Argostoli nach dem Erbeben von 1953 neu gebaut werden.

Nach einem Foto von der vorgelagerten kleinen Insel Dias, auf der am damaligen Kloster Vlahernon Panagis Basias eine Zeit lang lebte, geht es nun quer über die Insel nach Westen. Nahe Sami liegt das ehemalige Kloster, das an der Stelle der Einsiedelei von Gregor, Theodor und Leo errichtet worden war; eigentlich müsste das Tor zum Gelände gemäß Anschlag nun geöffnet sein, aber leider: Felanzeige.
Der Ausblick von hier oben geht auf den Süden der nahen Insel Ithaka.

Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt, ich habe alle Ziele auf der Insel geschafft und bin schon um 16 Uhr im Hafen von Sami. Die erste Agentur hat noch Mittagspause, aber einen Plan im Schaufenster: die Fahre nach Patras fährt nur noch ein Mal am Tag, morgens um 8 Uhr! In der anderen, schon geöffneten Agentur, bestätigt mir das der Inhaber. Gesehen habe ich aber am Aushang, dass noch am Abend eine Fähre von Poros nach Kyllini geht; nach Poros sind es 30 km, das schaffe ich, und dann muss ich eben von Kyllini aus zum dritten Mal die verhasste autobahnähnlich Straße der Verrückten gen Norden fahren. Diese Fähre fährt 8 Mal täglich und kostet nur die Hälfte; auch wenn man nach Patras will und deshalb noch 50 km selbst fahren muss, rechnet sich das; offenbar funktioniert die Konkurrenz unter den Reedereien und die eine Linie hat der anderen das Geschäft weitgehend verhagelt.
Die große, angenehm ruhig dahinschwimmende Fähre ist am Freitagabend wieder gut gefüllt, aber es gab noch Platz für mich. Ich übernachte nahe am Hafen von Kyllini, direkt am sandigen Strand, bei klarem Sternenhimmel und Vollmond. Herz, was wollst Du mehr?

Samstag, 18. Mai

Beim Besuch in der Irenekirche in einem Vorort von Patras, in der die angebliche Kopfreliquie der Irene von Thessaloniki liegt, ist die Mesnerin am Putzen; ihr Mann freut sich über meinen Besuch - so viele Fremde kommen nicht in diese Vorortkirche. Danach komme ich an die in einem kleinen Park gelegene Kirche Agia Triada im Zentrum, in deren Nähe Zacharias in einen Brunnen geworfen wurde.

Den Eingang der Kirche Kirche Agia Triada ziert ein Mosaik mit einer - für mich merkwürdigen - Darstellung der Dreieinigkeit.

Auch hier wird samstags geputzt.

Nach diesen beiden beim vorherigen Besuch in Patras versäumten Stellen folgt die Fahrt hoch in die Berge zum ehemaligen Felsenkloster Panagia Pepelenitsa bei Kounina, wo Leontios von Monemvasia Mönch wurde und die betrügerische Mutter des angeblichen Heiligen Panteleimon des Jüngeren büßen musste. Wie befürchtet sind die letzten Kilometer Feldweg und so, dass ich ihn meiner Kiste nicht zumute: wieder zu steil mit zu viel losem Geröll; aber die Landschaft ist wieder einmal herrlich mit Blick auf den Golf von Korinth und die noch immer mit Schneeresten bedeckten Berge des Festlandes …

… und Berge des fast 2000 m hohen Panachaikon-Gebirges.

Keine 2 km sind es Luftlinie vom Kloster Panagia Pepelenitsa zum Kloster Pammegiston Taxiarchon; da die schmalen Straßen aber den dazwischen liegenden Berg umfahren, brauche ich dafür eine ¾ Stunde und bei meiner Ankunft hat das Kloster leider schon Mittagspause. In ihm liegt die Kopfreliquie von Cyriaca von Nicomedien. Leontios von Monemvasia gründete oberhalb das alte Kloster, auch am Fels hängend, das später nach zweimaliger Zerstörung durch die Osmanen an den heutigen Platz etwas unterhalb verlegt wurde.

Am Tor des Klosters der Erzengel sind Michael (links) und Gabriel abgebildet.

Eindrücklich am Fels liegt auch das Kloster Mega Spilaio, große Höhle. An der Zufahrtstraße, der nach Kalavryta führenden meist breiten Hauptstraße, wird deutlich, wie sehr auch hier der Regen sein Unwesen getrieben hat: viele Spuren zeugen von Erdrutschen, Felsstürzen und Straßenabbrüchen. Im Kloster wird ein Reliquie von Barbara verwahrt, Makarios Notaras von Korinth wollte hier Mönch werden. Um 1900 war es das größte und angesehenste Kloster Griechenlands mit 109 Bewohnern. Heute, am Sonntag, sind viele Pilger hier, allein drei Reisebusse.

Eindrücklich auch der Eingang zum Katholikon und Museum, beide im ersten Stock.

Auch dieses Kloster spielte im Freiheitskampf gegen die Türken ab 1821 eine wichtige Rolle, woran dieses Gemälde im Vorraum zum Katholikon erinnert: 1827 errangen die Mönche des Klosters in einer Schlacht den Sieg gegen die Besatzer.

Die Marien-Ikone verhinderte wundersamer Weise, dass die Türken Mönche des Klosters töteten.

Dieses Wandbild zeigt links die drei Klostergründer - die Legende erzählt von der Gründung im 4. Jahrhundert, nachdem dort eine von Lukas gemalte Marien-Ikone gefunden worden war. In der Mitte sind die drei byzantinischen Kaiser, die im 12./13. Jahrhundert den Wiederaufbau ermöglichten, nachdem die Kreuzfahrer das Kloster zerstört hatten, rechts der Bischof und der Abt, die die Restaurierung nach einem verheerenden Brand von 1953 förderten.

Das Katholikon liegt teilweise im Fels, rechts ist die hoch verehrte Marien-Ikone.

Hinter den Gebäuden öffnet sich der Raum zu den Höhlen im Fels, die das Kloster am Anfang beherbergten.

Vor dem Kloster erinnert die Tafel an das Massaker, das deutsche Soldaten am 8. Dezember 1943 verübten: 17 Mönche und Besucher des Klosters im Alter zwischen 14 und 88 Jahren wurden umgebracht.
Das war aber nur ein Randgeschehen zum unsäglich schrecklicheren Geschehen, das im nahen Ort Kalavrit stattfand: alle 690 Männer des Ortes und der Umgebung zwischen 14 und 80 Jahren wurden ermordet als Vergeltung; die linke Griechischen Volksbefreiungsarmee ELAs hatte 81 deutsche Soldaten gefangen genommen; vereinbart wurde, dass diese gegen griechische Gefangene ausgetauscht werden, aber die Deutschen brachen diese Absprache und wollten ihre Kameraden mit Waffengewalt befreien; in diesem Gefecht wehrten sich die Griechen erfolgreich und erschossen dabei die Gefangenen. Daran erinnert heute das 2004 eröffnete Kalavrita Holocoust-Museum. Eine deutsche Wiedergutmachung erfolgte 1954 dadurch, dass einige junge Männer aus Kalavrita in Deutschland eine Lehre absolvieren durften. Das Landgericht in Bochum führte 1972 einen Prozess und urteilte: In dieser Situation waren Repressalien notwendige und auch zulässige völkerrechtliche Mittel. (Das Gericht konnte nicht einmal anständig mit Sprache umgehen, es müsste natürlich heißen völkerrechtlich zulässige Mittel).
Wir waren bereits 1993 in Kalavrita, damals wurde schon am Museum gebaut.

Die Fahrt geht weiter, hinunter zur Autobahn an der Küste und dann wieder in die Berge; sie lohnt mit toller Aussicht auf den Golf von Korinth und die Berge des gegenüber liegenden Festlandes.

Ich bin hier auf über 1000 Metern Höhe, mit Hotels für die hier im Winter Skifahrenden und großen, an den Schwarzwald erinnernden Tannenwäldern und Bergwiesen. Auch hier aber haben die Unwetter die Straße beschädigt.

Im Gebirgsort Ano Trikala kam Gerasimos der Jüngere zur Welt, das kleine Elternhaus ist erhalten; wohlgemerkt: das war das Haus von Mitgliedern einer einflussreichen byzantinischen Familie!

Daneben wurde eine 1977 Gerasimos geweihte Kirche erbaut, an der er auf dem Mosaik abgebildet ist …

… und die mit prächtigem Innenraum glänzt.

Weiter geht es durch die Berge nach Osten auf einem kleinen Sträßchen; das hat nun wirklich arg gelitten und wurde offenbar erst in diesen Tagen einigermaßen befahrbar gemacht, aber ist dennoch teilweise in schlechterem Zustand als ein Feldweg.
Ich suche mir kurz vor Sonnenuntergang ein stilles Plätzchen auf 800 m Höhe an einer verlassenen, namenlosen Kapelle; nein: Google Maps weiß, wie sie heißt - natürlich: Panagia -, man kann sie auf einem Foto anschauen und Street View ist auch diese Straße gefahren, man kann das Meter für Meter nachschauen - allerdings war damals der Straßenzustand besser als jetzt, nach den Unwettern. Nur in Deutschland durfte Google (fast) nichts, weil die deutschen Medienkonzerne und mit ihnen die willfährige Politik alles, was von Google kommt, mit dem vorgeschobenen Argument des Datenschutzes verteufelt - es gab damals eine massive Medien-Kampagne gegen Street View. In Wahrheit geht es Springer & Co. darum, den Konkurrenten klein zu halten und selbst die Kohle zu machen - aber: sie können es eben nicht, denn in Deutschland wird immer zuerst gefragt: wie verdiene ich damit Geld? Google macht es umgekehrt: es stellt kostenlos Nützliches zur Verfügung und hat reichliche Einnahmen, weil die Leute das brauchen können.

Sonntag, 19. Mai, bis Mittwoch, 22. Mai

Das letzte Ziel, das ich gestern nicht mehr geschafft hatte: Psari und die zu Ehren des Märtyrers Nikolaus von Ichthys in seinem Heimatort gebaute Kirche.

Dann geht es zum Arbeiten nach Palaia Epidauros auf den ruhigen Campingplatz Verdelis, von wo aus man bei Nacht schon den Widerschein der Lichter von Athen am Himmel sehen kann.

Tracks
Zakynthos (nur bis zur Ankunft auf der Insel)
Kefallonia
Ano Trikala (nur bis Patras)
Palaia Epidauros

Logbuch Reiselogbuch-2019-1-7

geschrieben vom 19. bis 22. Mai 2019

Landleben Ade!

   J. Schäfer         

Donnerstag, 9. Mai

Spät eingeschlafen, dennoch früh raus: um 8 Uhr öffnet das Ausgrabungsgelände von Olympia, ich will dann gleich dort sein. Aber schon um diese Zeit kommen Busse im Minutentakt, die Touristensaison hat begonnen, und wie immer gehören die Asiaten zu den eifrigsten.
Auch hier waren wir schon vor rund 30 Jahren, aber es lohnt auch ein zweites Mal.

Burgenland

   J. Schäfer         

Montag, 6. Mai

Koroni ist wirklich ein hübsches Küstenstädtchen, beherrscht durch die große ehemalige Festung, die in byzantinischer Zeit errichtet, dann beim 4. Kreuzzug erobert und nach der 1206 erfolgten Machtübernahme durch die Venezianer ausgebaut wurde; es folgten 1500 die Türken, 1532 die Genuesen, dann wieder die Osmanen, im 17. Jahrhundert die Spanier, Ende des 18. die Russen, Anfang des 19. die Franzosen.
Dennoch: die Menschen haben ihre Liebenswürdigkeit und der Ort seinen Charme bewahrt! Merkwürdig, dass ich auf dem Campingplatz erlebe, dass die meisten Leute nur eine Nacht bleiben.

Auf Kythira und im Süden des Peloponnes

   J. Schäfer         

Mittwoch, 1. Mai

Nach frühem Aufstehen - um 8 Uhr musste ich in der Agentur sein für das Fährticket nach Kythira - folgte die gut einstündige Überfahrt auf die Insel mit einer fast leeren Fähre. Mit Einchecken sind das fast zwei Stunden Langeweile; mein Büchervorrat geht zur Neige - ich lese gerade ein mäßig spannende Romanbiografie des kubanischen Autors Leonardo Padura über das Schicksal von Leo Trotzki mit dem Titel Der Mann, der Hunde liebte - das war Trotzkis Auftragskiller.
Mein erstes Ziel auf Kythira war das Kloster bei Pitsinades, das aus der Einsiedelei von Theodor von Kythira wuchs. Auch hier zeigt sich wieder: Klöster machen hier den Eindruck von Bauernhöfen - oder Wehrburgen.

Sonne und Feiertage

   J. Schäfer         

Dienstag, 23. April

Heute geht die Fahrt in den Osten der Halbinsel Argolis, deren Südseite kaum erschlossen ist; wieder quäle ich mich schleichend über schmale Bergstraßen zum kleinen Bauerndorf Thermisia, das bessere Zeiten hinter sich hat und aus dem wohl Peter von Temissis stammte.

Kein Schiff wird kommen

   J. Schäfer         

Mittwoch, 17. April, bis Donnerstag, 18. April

Meine letzten Ziele auf Kreta liegen im Osten der Insel. Das erste ist die Ruine der großen Basilika in Chersonissos, der bei Gerasimos IV. von Kreta und Gefährten erwähnte Joachim war Bischof der Stadt. Im Reiseführer - Eberhard Fohrer: Kreta, 21. Aufl. Michel Müller Verlag, Erlangen 2018, der absolut beste nicht nur für Kreta, sondern aller Reiseführer, die ich kenne - wird noch erzählt, dass die Ruinen frei zugänglich sind, aber die Touristen ständig Bruchstücke, v. a. der Mosaiken, stehlen. Jetzt ist das Gelände ganz abgesperrt, ich muss mich mit der kleinen Kirche Agia Paraskevi direkt unterhalb begnügen.

Vom guten Hafen in die Hauptstadt

   J. Schäfer         

Freitag, 12. April, bis Samstag, 13. April

Eigentlich steht heute eine einfach Aufgabe an: unweit der Hauptstraße liegt Agios Mironas, wo Myron von Kreta geboren wurde, zeitweise lebte und starb und ihm die Kirche geweiht ist. Aber die Zufahrtstraße ist wegen Erdrutsch gesperrt, also Ausweichroute suchen, auf der engen Straße mich durchquälen - was einfach schien, wird langwierig.

Rund um die Messara-Ebene

   J. Schäfer         

Dienstag, 2. April bis Mittwoch, 3. April

Nachdem ich am Dienstag eine Auszeit einlegen musste mit Halsweh und Ohrenschmerzen - das habe ich sonst nie - und etwas Fieber, offenbar dem Sturm und der Kälte als Tribut gezollt, nahm ich mir für Mittwoch eine leichte Aufgabe vor: auf der Hauptstraße nach Gortyna fahren, der frührenen Hauptstadt Kretas. Dort stehen Reste der Titus-Basilika, benannt nach Titus, dem ersten Bischof, 824 von den Sarazenen zerstört. Sie ist das besterhaltene Bauwerk der ab 1884 von italienischen Archäologen ausgegrabenen Stadt, aber nicht die von Titus gegründete Kirche - und wegen Bauarbeiten auch nicht zugänglich.

Irrwege

   J. Schäfer         

Dienstag, 26. März bis Donnerstag, 28. März

Zum Abschied gab es nach zwei Tagen Arbeit - auch den Einbau meiner Kiste, der sich auf den Bergstraßen wieder verschoben hatte, musste ich richten - am Strand des Campingplatzes Elisabeth noch ein herrliches Abendrot mit Blick auf Réthymno.

Langsamkeit lernen!

   J. Schäfer         

Mittwoch, 19. März bis Sonntag, 24. März

Nach vier Tagen Arbeit auf dem ruhigen Campingplatz Elisabeth geht es heute in die Umgebung. Das erste Ziel ist ganz in der Nähe, gut 5 km, das wird schnell gehen. Die Anfahrt führt am Ende über eine Offroad-Piste mit tiefen Furchen, einer Bachdurchfahrt und ordentlichen Steigungen, aber meine Kiste schlägt sich prächtig - bis zu der Stelle, wo an einer Wasserleitung eine 20 cm hohe Stufe im Weg ist, das schafft keiner. Also zu Fuß weiter, nur noch gut 1 km. Nach 800 m ist der Weg mt einem Weidezaun versperrt und der ist so gut befestigt, dass man ihn ohne Werkzeug nicht öffnen kann. Also zurück - und die Kiste schafft auch den Rückweg, ich hatte schon Schlimmeres befürchtet!
Nun muss ich es also aus der anderen Richtung probieren, vom Dorf Chromonastri aus, das ich mir nun erst einaml anschaue - und mich in den engen Gassen verlaufe, dann an der Hauptstraße aber auf das Militärmuseum stoße, das die griechische Armee (!) hier eingerichtet hat. Na ja.

Ständig auf und ab

   J. Schäfer         

Dienstag, 12. März bis Samstag, 16. März

Nachdem Regen, Kühle und Katastrophen sich lange genug ausgetobt hatten, kam ab Mittwoch die Wende.

Weltuntergang und Frühlingserwachen

   J. Schäfer         

Montag 25. Februar, bis Montag, 11. März

Es kann so idyllisch sein hier auf dem Campingplatz bei Paleochora. Und ebenso schrecklich: vorvergangenen Montag kam das Chaos: am Nachmittag heftigster Regen, Strom- und Telefon- (also auch: Internet-)ausfall - auch mobil, weil die Stationen ja Strom brauchen; in der Nacht Gewitter, das ich körperlich spürte, so elektrisch war die Luft. Schlaflos das Prasseln des Regens und das Wackeln der Kiste im Regen erduldet. Bin ich deshalb 2500 km von zuhause entfernt? Dienstag gegen Abend war dann die Sintflut zuende; die Straße nach Chaniá wegen Erdrutschen gesperrt, aber immerhin Strom und Telefon repariert.
radio-kreta.de meldete dann: Mehr als 100 Millionen Euro Schaden in Westkreta. 7 große Brücken sind zerstört. Das Militär hat bereits Notbrücken geschickt. Lidl in Platania ist zweimal in einer Woche überschwemmt worden. Das gesamte Strassennetz ist zu 50% zerstört oder stark beschädigt. In den Bergen oberhalb Paleochora 496 L/m². Über 100 Strommasten sind durch die Stürme umgeknickt. Insgesamt sind 5 Tote zu beklagen, die in den reißenden Flüssen ihr Leben ließen. Durch unkoordinierte Besiedelung / Bebauung sind in den letzten 50 Jahren von 240 Flußläufen nur noch 38 übriggeblieben. Nun hat sich das Wasser seinen Weg gebahnt. Und die Griechenland Zeitung: Griechische Medien sprechen von einer biblischen Katastrophe; eine ähnliche habe es seit 50 Jahren auf Kreta nicht mehr gegeben.
Der Klimawandel und die hiesigen Umweltsünden forden ihren Tribut, das Unwetter auf Kreta ist offensichtlich die Kehrseite des gleichzeitig schönen Wetters zuhause: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) mit seinen rund 2000 Messstationen im ganzen Land bezeichnet den ausgehenden Winter als erheblich zu mild. Mit 2,6 Grad Celsius über dem Mittel der Jahre 1961 bis 1990 gehörte er in Deutschland zu den wärmsten je registrierten.

Stürmische Zeiten

   J. Schäfer         

Mittwoch 13. Februar, bis Sonntag, 24. Februar

Eine Herausforderung war das Wetter am vorvergangenen Mittwoch und Donnerstag: dunkle Wolken, teils heftiger Regen - er hat mit immerhin die Salzschicht von meiner Kiste gewaschen, die ich mir auf den deutschen und schweizerischen Autobahnen eingefangen hatte, eine Waschgelegeneheit habe ich seither nicht gefunden - und dazu ein Orkan mit laut Wetterbericht 125 km/h Windgeschwindigkeit - da wackelt die Kiste, die Bäume biegen sich und das Meer rauscht. Paleochora ist nicht nur die wärmste Gegend Kretas - wobei es dann am Abend auch nur noch 8° hatte und meine Standheizung viel Arbeit bekam -, sondern die Südwestecke der Insel ist auch die sturmreichste. Dass Paulus hier in der Gegend bei seiner Fahrt nach Rom hier ganz in der Nähe wegen eines Sturms strandete, wird leichjt nachvollziehbar.
Der Campingplatzbesitzer - genauer: der englische Lebensgefährte der griechischen Besitzerin - erzählt, soviel Regen wie in letzter Zeit habe es hier noch nie gegeben - schon seit Oktober immer wieder, das sei ganz außergewöhnlich, seitdem waren 600 l/m², fast das Doppelte der normalen Jahresmenge. Und allein am Donnerstag gab es laut Wetterbericht zusätzlich 80 l/m², ⅔ der normalen Monatsmenge für Februar.
Das deutschsprachige Radio Kreta meldete am Freitag auf seiner Webseite: Eisige Winde, sintflutartiger Regen, Hagel und Schnee. Viele Straßen sind überflutet. Wind aus Nord mit 10 Beaufort. Kein Schiff wird kommen. Erdrutsche überall. Temperaturen an den Küsten um 6°. In den Bergen Minus und viel Schnee. Die meisten Schulen bleiben heute und morgen geschlossen. 30% aller Straßen in der Gemeinde Platanias sind zerstört.
Der Sturm hielt - etwas schwächer - noch an bis vorvergangenen Samstag; ab Sonntag kam dann wieder die Sonne und die Temperaturen stiegen etwas, starke kühlende Windböen gab es aber weiterhin. Ich bin froh an meiner Standheizung!

Endlich: es geht wieder los!

   J. Schäfer         

Nach einem Jahr ohne Reise – nur kurze Ausflüge in die Gegend um Köln, ins württembergische Oberland und nach Franken – geht es im Februar endlich wieder los, diesmal nach Griechenland. Der große Umbau im Haus meiner Oma nahm seit Oktober 2017 Gedanken und Arbeitskraft in Beschlag. Aber Ende Januar 2019 werden wir fertig sein und das Haus von Grund auf erneuert haben, Griechenland ruft und ab Mitte Februar gibt es hier wieder Einträge. Ich fahre zuerst nach Kreta und von dort aus geht es dann langsam immer weiter nach Norden, durch Griechenland und auf den Balkan.