Welt bereisen Das Reiseblog des Ökumenischen Heiligenlexikons

Reiseberichte - Seite 12

Fast schon spanisch

   J. Schäfer         

Donnerstag, 8. Mai

In Frankreich ist Feiertag, das nutze ich zum Besuch in Montpellier; große Städte an Sonn- und Feiertagen zu besuchen, hat sich bewährt: Verkehrs- und Parkplatzsituation sind sehr viel entspannter.
Die im 14. Jahrhundert gebaute Kathedrale - veranlasst von Papst Urban V. - präsentiert sich gewaltig; leider ist sie an staatlichen Feiertagen geschlossen.

Vom Winde verweht ...

   J. Schäfer         

Freitag, 2. Mai

Heute ist Freitag, Fastentag - also der richtige Tag, den Papstpalast in Avignon zu besuchen. Dunkel stellt er sich dar gegen die Sonne - und mit unzähligen Menschen. Was sofort auffällt: die meisten sprechen Italienisch. Auch später in der Stadt: überall Italiener, auch die Werbung vieler Geschäfte und Restaurants ist an erster Stelle Italienisch. Als ob die in Rom noch nicht genug Päpste hätten - erst am letzten Wochenende waren ja sozusagen vier bei der Heiligsprechung von Johannes XXIII. und Johannes Paul II. gleichzeitig zugange ...

Himmelblau ist nicht nur die Küste

   J. Schäfer         

Freitag, 25. April

Ich will nach Cannes; nicht wegen der Filmfestspiele, die jetzt eh noch nicht sind, sondern wegen der vorgelagerten Lérins-Inseln, einem Ausgangspunkt des mönchischen Lebens in der abendländischen Kirche und einer Stätte des Geistes. Dazu fahre ich über die schmale und kurvenreiche Küstenstraße. Diese und die Schönheit der Landschaft erinnern an die Amalfi-Küste und braucht den Vergleich nicht zu scheuen - die Wohlhabenden wissen, warum sie sich die Côte d'Azur ausgesucht haben. Das Wetter ist wechselhaft, letzte Nacht gab es ein kurzes Gewitter, dennoch sind schon Leute am Strand und (in der Bildmitte erkennbar) eine Frau schwimmt sogar.

Ostern in Frankreich

   J. Schäfer         

Karfreitag, 18. April / Karsamstag, 19. April

Es ist Karfreitag, es ist kühl geworden - und es ist noch immer still - und friedlich. Ich mache mich auf den Weg zum eigentlichen Kloster - und es gelingen mir dort schöne Bilder, obwohl die Sonne sich versteckt hält.

On the road again ...

   J. Schäfer         

Dienstag, 8. April - Freitag, 11. April

Ich bin endlich wieder unterwegs - es hatte gedauert!
Nach der Rückkehr aus der Türkei war wenige Tage später meine Mutter gestorben, im gesegneten Alter von fast 89 Jahren ist sie friedlich eingeschlafen. Anschließend gab es einiges zu tun in ihrem Haus in Esslingen; was anfangs nach wenigen Renovierungsarbeiten aussah, entwickelte sich doch zur recht umfangreichen Baustelle mit monatelangem Handwerk - wenn man schon mal angefangen hat ...
So wurde es nichts mit dem Überwintern in Nordwestafrika, der Winter (der auch bei und ja keiner war) ist vorbei. Neues Ziel deshalb: Südfrankreich und Spanien (und möglicherweise ein bisschen Portugal). In Spanien war ich (außer bei der Durchfahrt nach Marokko 1991 und Portugal 1992 noch nie. Die Resie soll hauptsächlich dem Besuch von Orten der Heiligen und Recherchen fürs Ökumenische Heiligenlexikon dienen - Ziele dazu gibt es in Frankreich und Spanien mehr als genug.
Ein erster Besuch unterwegs galt dem kleinen Kloster in Beinwil, das Esso von Beinwil gründete.

Güle Güle!

   J. Schäfer         

Freitag, 19. Juli

Gestern Abend haben meine Campingplatz-Nachbarn etwas gefeiert - und dabei wurde gelacht. Da fiel mir auf, dass ich die ganzen 10 Wochen keinen Erwachsenen lachend oder auch nur sichtlich fröhlich erlebt haben; die Türkei scheint ein Land, in dem es nichts zu Lachen gibt. In meinem Reiseführer steht, die Redeform der Ironie sei den Türken fremd, man solle sie vermeiden. Ja: es ist ein humorloses Land - das Leben zu hart, der Koran zu rigide, die Regierung zu repressiv? Schade! Das gilt nicht für die Kinder: die sind meist sichtlich fröhlich, oft ausgelassen, genießen die Freiheit, die sie (noch) haben; gelesen habe ich, sie gingen auch sehr gerne in die Schule.
Der Abschied vom Campingplatz - hier der Blick von meinem Stellplatz auf das Haus des Besitzers - fällt nicht sonderlich schwer; es war alles Notwendige vorhanden, aber eben selbstgemacht, und das Wasser war kein fließendes, sondern in Tanks gelagert und schmeckte schal mit leichtem Fäkaliengeruch. Ab dem zweiten Mal habe ich die Zähne mit gekauftem Wasser geputzt und nach dem Duschen habe ich mir den Geschmack mit viel Fanta aus dem Mund gespült. Aber das Meer hier war schön!

Zurück nach Europa

   J. Schäfer         

Montag, 15. Juli

Von Dorylaeum beim heutigen Eskişehir ist nur ein eingezäunter Hügel mit spärlichsten Ausgrabungen übrig.

Berge und Meer

   J. Schäfer         

Freitag, 12. Juli

Mein Weg geht wieder ein Stück weit nach Osten, nach Akhisar, das frühere Thyatira, auch eine der sieben Gemeinden der Sendschreiben der Offenbarung; neben Lob empfängt die Gemeinde auch Tadel, weil dort eine selbsternannten Prophetin Teile der Gemeinde zur Unsittlichkeit und dem Verzehr von Götzenopferfleisch verführt. Aber auch Lydia von Philippi, der erste Christenmensch Europas, wurde hier geboren.
Erhalten sind mitten im Zentrum der modernen Stadt die Mauern einer Basilika, die im 5. / 6. Jahrhundert an der Stelle der früheren Agora erbaut wurde.

Hitze und Ramadan

   J. Schäfer         

Den zuhause oft über das Wetter Schimpfenden kann ich versichern: zu viel Hitze ist auch blöd. Und der Ramadan auch, obwohl ich gleich beim ersten iftar eine sehr nette Tischgenossin hatte.
Aber der Reihe nach:

Samstag, 6. Juli

Ephesus wurde um 6000 v. Chr. gegründet, damals auf dem Hügel, auf dem heute die Burg und die Ruine der Johannes-Kirche stehen; die Griechen verlegten das Zentrum der Stadt um 300 v. Chr. an den heutigen Ort der Ausgrabungen. In der hellenistischen und Römerzeit hatte die Stadt 200.000 Einwohner. Obwohl sie das Privileg der Steuerfreiheit genossen, gab es 88 v. Chr. einen Aufstand, bei dem der Überlieferung zufolge in einer einzigen Nacht 80.000 Italiker in Ephesus getötet wurden; die Römer konnten den Aufstand dennoch niederschlagen, die Stadt wurde steuerpflichtig. Ephesus war die größte Stadt der Provinz Asia und ab 29 v. Chr - anstelle von Pergamon - deren Hauptstadt. Im Jahr 17 durch ein Erdbeben völlig zerstört, wurde die Stadt wieder aufgebaut. Unter byzantinischer Herrschaft wurde die Stadt wieder zurück an ihren Ursprungsort verlegt, das heutige Selçuk.
Das Bild zeigt die Basilika Stoa, die königliche Halle

Zu Orten des Urchristentums

   J. Schäfer         

Montag, 1. Juli

Ich breche auf, um Kolossä zu finden. Ich weiß ziemlich genau, wo es liegen muss - viel ist nicht übrig, das weiß ich - aber ich finde es nicht. Hinterher stelle ich fest, dass ich fast 80 km überflüssig in der Gegend herumgefahren bin: weil türkische Hauptstraßen v. a. in den Zufahrten der Städte in der Mitte einen unüberwindbaren Grünstreifen haben; weil ich nirgendwo einen Wegweiser finde; weil ich die Marmorsteinbrüche von weitem für Ausgrabungen halte; weil ich an der Stelle vorbeifahre ohne es zu merken, das Schild steht nur in der Gegenrichtung; weil mein Navi die Orientierung verliert; kurzum: ich schwitze und ärgere mich. Als ich schon aufgegeben habe, entdecke ich doch noch einen kleinen Wegweiser und dann diese Steine - dafür muss ich durch einen Bach waten - wahrscheinlich Abwasser von den Sägen der Marmorfabriken.

Bald ist Weihnachten ...

   J. Schäfer         

Donnerstag, 27. Juni

Nach erholsamer Nacht besuche ich die Burg in Silifke, deren Ursprünge auf die Hethiter im 13. Jahrhundert v. Chr. zurückgehen. Unter den Griechen enthielt sie einen Athene-Tempel, auch unter den Römern war sie Kultstätte, dann Festung der Byzantiner gegen die Araber, ab 1210 für zwanzig Jahre Festung der Kreuzfahrer, dann Burg der Ottomanen.

Hölle und Himmel

   J. Schäfer         

Montag, 24. Juni

Ich stand über dem Schlund der Hölle und am Eingang zum Himmel; wer's nicht glaubt, wird es sehen. Zunächst erlebte ich noch den himmlischen Sonnenuntergang am See von Beyşehir; die Sonnenuntergänge hier gehörten zu den weltweit schönsten, habe ich inzwischen gelernt aus dem Prospekt der Stadt, den mir der Campingplatz-Besitzer stolz überreichte.
Am Morgen aber wurde es schwierig: Ich hatte es insgeheim befürchtet und es ist so eingetroffen: als ich aufbrechen wollte in die Ford-Werkstatt nach Beyşehir, ging die Kiste gar nicht mehr an. Also bitte ich an der Rezeption des Campingplatzes, die Ford-Werkstatt anzurufen - es ist keine offizielle, große, aber - so habe ich im Internet gefunden - eine auf Ford spezalisierte mit Computer-Diagnose und Fachwissen. Der englische Sprechende nette Mitarbeiter des Campingplatzes lässt sich mit all den guten Worten, die ich vorbringe, nicht bewegen, die von mit gewünschte Werkstatt anzurufen, sondern telefoniert mit einer anderen, die neben allen anderen Automarken laut ihrer Visitenkarte auch Ford repariert; man macht hier die Geschäfte mit seinen Freunden.

Das unbekanntere Kappadokien

   J. Schäfer         

Dienstag, 18. Juni

Ich werde morgen nach sehr schönen Tagen und gut erholt Yaşar, den Besitzer, und seinen schönen Kaya-Camping verlassen - noch nicht ahnend, dass mich die Kiste tatsächlich nicht liebt ...
Heute sehe ich mir noch die Feenkamine und die Kirche in Paşabağ bei Göreme an, wo angeblich Simeon Stylites der Ältere lebte.

Zauberhafte Felsenlandschaft

   J. Schäfer         

Dienstag, 11. Juni

Ohne großen Plan schaue ich mir Sehenswertes in der Gegend an; noch nicht die ganz großen Highlights Kappadokien mit den vielen Touristen, sondern eher stillere Plätze, so den Ort Ortahisar, der von einem großen Wohnfelsen überragt wird.

Multi-Kulti in der Türkei

   J. Schäfer         

Donnerstag, 6. Juni

Doğubeyazıt zu verlassen fällt nicht schwer: außer dem Palast gibt es hier nichts, die Stadt ist schwül und staubig. Außerdem habe ich gerade meine Krise: nach der Hochstimmung der vergangenen viereinhalb Wochen kommt die unausweichlich, jetzt ist sie da: die Hitze, das ewige Weißbrot, kein Essig am Salat, Spätzle nur selbst gekocht und Schweinebraten gar nicht. Das ewig nervige Autofahren, überall Menschen - man ist nie auch nur einen Augenblick alleine - und alle sprechen dieses merkwürdige Türkisch. Der mehrmals täglich dröhnende Gebetsruf des Muezzin, meist wenig melodiös; die Armut der Leute, die mich zwar nicht betrifft, aber dennoch belastet; der Staub - und nochmal Staub - und immer Staub. Ach, wäre es zuhause doch gemütlich und behaglich ...