Welt bereisen Das Reiseblog des Ökumenischen Heiligenlexikons

Alles königlich!

   J. Schäfer          

Mittwoch, 15. Juni, bis Donnerstag, 23. Juni

Ein Nachtrag zu Salamanca: Die Pfarrkirche steht etwa an der Stelle des ehemaligen Augustinerklosters, in dem zeitweise Alfons von Orozco, Johannes González von Sahagún und Thomas von Villanova lebten und das 1812 durch Napoleon zerstört, dann ab 1843 als Gefängnis genutzt wurde.


Königlich: die Inschrift über dem Eingangsportal.

Noch ein Nachtrag: Die Ausgaben für deutsche Entwicklungshilfe sind deutlich gestiegen. Deutschland zahlte nach OECD-Angaben im vergangenen Jahr etwa 16 Milliarden €, das sind 0,52 % (versprochen seit über 30 Jahren sind 0,7 %) des Bruttonationaleinkommens, ist die bislang höchste Quote und ein Anstieg um 26 Prozent gegenüber 2014. Da kann man doch nicht meckern, so wie ich es hier im März getan habe?
Wer ist der größte Empfänger deutscher Entwicklungshilfegelder? Deutschland! Denn Deutschland rechnet rund 2,7 Milliarden € Flüchtlingskosten als Entwicklungsgelder an. Nur: diese Mittel tragen eben nichts zur Entwicklung armer Länder und zur Bekämpfung von Fluchtursachen bei.

Und noch ein Nachtrag: auf der Fahrt von Guadalupe nach Robledillo de la Vera in der vergangenen Woche fuhr ich nur wenige Meter entfernt am Atomkraftwerk Almaraz vorbei, gegen das an diesem Wochenende Tausende demonstrierten. Eigentlich sollte das AKW, das 1983 ans Netz ging, schon 2010 abgeschaltet werden, doch wegen der Wirtschaftskrise verlängerte die damalige sozialistische Regierung die Laufzeit - um gleich zehn Jahre! Das AKW hat große Sicherheitsmängel: fünf Inspektoren der spanischen Sicherheitsbehörde hatten darüber informiert, dass der Reaktor schwere Kühlprobleme hat: die Technologie ist veraltet, die Kühlsysteme geben keine Garantie mehr, dass sie bei einem Zwischenfall tatsächlich eine Kernschmelze verhindern können, denn in den Pumpen ist ein Bauteil schadhaft, was zu deren Ausfall und in der Folge zur Kernschmelze führen kann. Den Inspektoren wurde verboten, das Problem in den Inspektionsbericht aufzunehmen, deshalb wandten sie sich an die Öffentlichkeit und forderten eine neue Inspektion der Anlage. Das geschah aber nicht, man beruft sich auf entwarnenden Angaben des französischen Reaktorbauers AREVA - das ist die Firma, die Schlagzeilen machte, weil sie 500 Sicherheitszertifikate gefälscht hat.

Das kleine Kloster in Mancera de Abajo bei Ávila war die erste Gründun von Johannes vom Kreuz, der es aber bald schon wieder aufgab; die nachfolgenden Franziskaner mussten 1835 in der Säkularisation das Kloster verlassen. 1943 belebte Maria von den Wundern Jesu das Kloster wieder.
Als ich am Mittwochmorgen ankomme, ist gerade ein Priester bei den Nonnen, er freut sich über den Fremden und wundert sich, dass ich diesen Ort tief in der Provinz finde, etwas über den Gründer und sogar über Maria Maravillas weiß. Er bietet mir an, die Kirche aufzuschließen, aber das dauert: wer hat wann wo wie und warum den Schlüssel gelassen? Nach zehn Minuten frieren - denn es ist auch in Spanien kalt geworden, zumal hier auf fast 1000 m Höhe - kommt er doch mit dem Schlüssel und schließt stolz die kleine Kirche auf. Und wundert sich noch einmal: über die wenig sakrale Verhaltensweise des Besuchers - ich als Protestant praktiziere bewusst keine Verbeugung vor dem Altar -, während er gleich nach Betreten der Kirche zum Gebet niederkniet, schließlich ist hier das für ihn AllerheiligsteDie Eucharistie - von griechisch „ευχαριστειν, Dank sagen” - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi. Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen diese Mahlfeier im Anschluss an 1. Korintherbrief 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von „Abendmahl” im Anschluss an Markusevangelium 14, 17 und 1. Korintherbrief 11, 23.. Man muss das Kirchlein übrigens nicht gesehen haben, der Priester mit gutem Englisch war aber wirklich sehr freundlich.

Im damaligen Kloster Duruelo bei Blascomillan begann Johannes vom Kreuz einst sein Reformwerk; Maria von den Wundern Jesu hat auch dieses Kloster 1944 wieder aufgebaut und belebt.
In Rágama bei Salamanca wurde ein Märtyrer des Spanischen Bürgerkrieges geboren.
Fontiveros bei Ávila hat dem hier geborenen Johannes vom Kreuz nahe seines zur Kirche und Kloster umgebauten Geburtshauses 1928 ein großes Denkmal errichtet.

Neben Johannes' zur Kapelle umgebuatem Geburtshaus in Fontiveros wurde ein Kloster der Unbeschuhten Karmeliter errichtet, das in der Säkularisation aufgelöst wurde.

Das Kloster des weiblichen Ordenszweiges auf der Südseite des Geburtshauses existiert bis heute.

Auch in Solana de Rioalmar bei Ávila wurde ein Märtyrer des Spanischen Bürgerkrieges geboren.

Die Fahrt geht durch die hügelige Hochebene auf bis zu über 1400 m Höhe. Hier hat die Natur mit den Steinen Mikado gespielt.



Irgendwo im Nichts: eine alte Kirche nahe der Ortschaft Duruelo.

Von Süden hat man einen großartigen Blick auf die Stadt Ávila, die komplett von der - 2007 bis 2010 - renovierten - Stadtmauer eingeschlossen ist. In der Stadtmitte sieht man die Kathedrale, links außerhalb der Stadtmauer den Turm des Karmelitinnenkloster de la Encarnación, in dem Theresa von Ávila 27 Jahre lang lebte.

Am Aussichtspunkt steht ein gedecktes Kreuz, errichtet 1566, umgeben von Säulen aus der Römerzeit.

Die Kirche San Pedro außerhalb der Stadtmauer ist die älteste erhaltene Kirche der Stadt, gebaut ab 1100.

gegenüber: eines der Stadttore

Neben diesem Stadttor: ein Denkmal für Theresa.

Die Rückseite des Bischofspalastes ist Teil der Statdmauer.

In diesem turmgekrönten Palast residiert die Provinzregierung.

An der Stelle des Geburtshauses von Theresa von Ávila wurden 1629 bis 1636 diese Kirche und ein Kloster der unbeschuhten Karmelitinnen gebaut.

In die Kirche einbezogen ist ihr Geburtszimmer und davor eine Kapelle mit vielen Bildern und mit diesem Altar.

Hiner Glas: Das Schlafzimmer von Theresas Eltern, in dem sie - jedenfalls der Überlieferung zufolge - geboren wurde. Im Untergeschoss gibt es ein Museum, schön gemacht, aber strengstes Fotografierverbot; die Ausstellungsstücke sind aber nichts wirklich Besonderes.

das südliche Stadttor

In diesem Gasthaus unweit der Kathedrale wohnte Orson Welles während der Dreharbeiten zu seinem Film Glockenspiel um Mitternacht - deutsch: Falstaff, es ist die Verfilmung von Geschichten des Shakespeare-Helden. Welles habe gesagt: Ich würde am liebsten in Spanien wohnen, in Ávila. Eine Stadt aus Granit, raues Klima, ernste Stimmung schreibt dagegen mein Reiseführer *. Ich schließe mich Orson Welles an, mir gefällt die Stadt: sie ist weniger spanischer Flamenco und Machismo als portugiesischer Fado.

Aber auch hier wuchtig: die Kathedrale, gebaut ab 1091 und außen in weiten Teilen die Stadtmauer bildend. Hier wird - irrtümlich - Secundus von Abula verehrt, sogar als Patron der Stadt. Petrus Baptista Blázquez, einer der Märtyrer von Nagasaki, war hier einige Zeit Kantor.

Natürlich darf hier Theresa von Ávila nicht fehlen.

Wirklich sehenswert ist das Museum der Kathedrale, hier der Altar der Sakristei.

Gefällt mir: Maria mit dem Jesuskind aus dem 13. Jahrhundert …

… und nochmals, ebenfalls aus dem 13. Jahrhundert.

der Gekreuzigte als Sieger, 12. Jahrhundert

Auch hier: Theresas Transverberation, 18. Jahrhundert

Das Grab von Alonso Fernández de Madrigal, Ratgeber des Königs, im Verdacht ketzerischer Ideen, dennoch Bischof von Ávila 1454 bis 1455.

der Taufstein aus Alabaster, 14./15. Jahrhundert

Auf dem Platz vor diesem Stadttor steht ein Mann aus Bronze: Adolfo Suárez, der erste Ministerpräsident nach Franco von 1976 bis 1981, zuvor Francos Gefolgsmann, dann vom König ernannt, 1977 als Vertreter der Union des Demokratischen Zentrums gewählt. Er ist nahe Ávila geboren.

Auch im Museum des Klosters San José herrscht leider strengstes Fotografierverbot, für die Klosterkirche gilt das allerdings nicht.
In El Barraco bei Ávila starb der Priester als Märtyrer des Spanischen Bürgerkrieges, ebenso in El Tiemblo. Auf der Kirche wie hier überall: Storchennester.

Und dann inmitten dieser einsamen Berglandschaft: ein riesiges Satelitten-Teleskop der ESA. Immerhin sind wir hier gut 1300 m hoch und sicher ist die Luft besonders rein.

Am königlichen Kloster El Escorial in San Lorenzo de El Escorial gibt es bis heute das Kolleg der Augustiner, an dem gerade Pause ist. Auch hier wird Schuluniform getragen wie an den meisten höheren Schulen, besonders den kirchlichen - aber immerhin für die Mädchen nicht wie sonst häufig Faltenröcke mit Schottenmuster.

Wie das mit Königlichem und Uniformierten so ist: Das ist seine Antwort auf die (Armenien-)Resolution: er (Erdoğan) macht es nochmal, stellt ein Forumsschreiber auf Telepolis zum Artikel über die Zerstörung von Diyarbakır fest. Vor drei Jahren war ich dort und erlebte eine friedliche, weltoffene, lebendige Stadt mit einigen Kirchen. Jetzt ist alles kaputt, zehntausende Menschen wurden vertrieben, Kulturgüter - auch muslimische - sind zerstört. Der Bundestag hat mit seinem Beschluss, das damalige türkische Vorgehen als Völkermord zu bezeichnen - ohne die damalige deutsche Unterstützung daran zu thematisieren - den Armeniern einen Bärendienst erwiesen. Und schweigt zum aktuellen Geschehen, denn wir sind wegen der Flüchtlinge ja auf Erdoğan angewiesen …

Den Besuch der riesigen Klosteranlage spare ich mir, die Laurentius geweihte Kirche - natürlich eine Basilika - kann ohne Eintritt besucht werden, aber erst nach passieren der Sicherheitsschleuse mit Körperscanner und Röntgencheck - der spanische Staat hat Sorgen um die Sicherheit.

Die Balustrate der Basilika des königlichen Klosters zieren Könige Israels. Faustinus von der Menschwerdung Míguez war Bibliothekar am Kloster, Manuel Formigo Giráldez trat hier ins Kloster ein und lehrte am Kolleg, eine Märtyrerin des Spanischen Bürgerkrieges starb hier.

Die 1995 durch den Madrider Erzbischof gekrönte Maria de la Herreria, vom Schmiedehammer - nein, das ist kein Scherz! - ist Patronin des Ortes El Escorial; hier starb auch der Priester als Märtyrer des Spanischen Bürgerkrieges.

An der Stracke liegt das Valle de los Caídos, das Tal der Gefallenen, eine vom Franco-Regime 1940 errichtete gigantische Anlage zum Gedenken an die faschistischen Märtyrer des Spanischen Bürgerkrieges. Das Kreuz ist 150 Meter hoch, die in den Fels gesprengte unterirdische Basilika 262 Meter lang, vor ihrem Altar liegt Franco begraben, der Ort bis heute Wallfahrtsort der Franco-Anhänger. Die Idee, den Ort in eine Gedenkstätte umzugestalten, hat bis heute keine spanische Regierung ausgeführt. Die 9 € Eintritt (!) spare ich mir und fotografiere das Foto …

… am auch schon mächtigen Eingang.

Ich besuche stattdessen den Märtyrerfriedhof in Paracuellos del Jamara; auf diesem damaligen Wiesenstück wurden alleine 126 seliggesprochene Märtyrer des Spanischen Bürgerkrieges verscharrt, das Feld wurde zur Gedenkstätte mit vielen Grabsteinen - darunter z. B. auch diesen für einen echten Kämpfer.

Der Plan stellt die Hinrichtungsorte dar, auf denen dann die Grabsteine gesetzt wurden.

Das erste Gräberfeld, das der am Morgen des 7. November 1936 Getöteten.

Die Rückseite des recht neuen Gedenksteins der Augustiner: der Pater segnet die sterbenden Kämpfer gegen die demokratisch gewählte Regierung, die nach ihrem Tod direkt in den Himmel auffahren. Sie haben nichts gelernt!

Auch recht neu: der offizielle Gedenkstein für die für Glaube und Vaterland Gestorbenen.

Rechte in Deutschland verübten in den ersten Monaten dieses Jahres bislang 563 Straftaten gegen Flüchtlingsunterkünfte, darunter 51 Brandstiftungen, und 824 Straftaten gegen Flüchtlinge außerhalb ihrer Unterkünfte, so auf öffentlichen Plätzen oder an Bushaltestellen. Das sagte der Kriminaldirektor beim Bundeskriminalamt, Marc Schmitz, bei einer Tagung der ostdeutschen Verfassungsschützer. In 202 Fällen gab es Angriffe gegen Amts- und Mandatsträger wie Politiker, die sich mit der Flüchtlingsproblematik beschäftigen, Polizisten und Sozialarbeiter. 30 von 1000 Bürgermeistern gaben an, körperlich (!) angegriffen worden zu sein im Zusammenhang mit der Flüchtlingspolitik.

Wie gewohnt riesig: das ehemalige Jesuitenkolleg in Alcalá de Henares, an dem Alfons Rodriguez - erfolglos - studierte.

Alcalá de Henares, eine kleinere Stadt nahe Madrid, war und ist das geistige Zentrum Spaniens, eine Stadt der Bildung. Aus dem ehemaligen Franziskanerkloster, das an dieser Stelle stand, wurde 1499 die Universität …

… deren heutiges Hauptgebäude, direkt daneben, wahrhaft repräsentativ ist. Hier studierten Didacus von Alcala, Ignatius von Loyola, Johannes von Ávila, Thomas von Villanova, Vinzenz Bernedo und Martin von der Himmelfahrt Loynaz de Aguirre, einer der Märtyrer von Nagasaki.

Auch gewaltig: das ehemalige Kloster der Augustiner, heute Justizpalast.

Auf dem Hauptplatz der Stadt: der Turm der ehemaligen, im Spanischen Bürgerkrieg zerstörten Kirche Santa María.

Im Kloster und Kolleg der Trinitarier studierte Johannes Baptist von der Empfängnis García Jijón; es ist heute die Universitätsbibliothek.

… und immer und überall: Störche

Auch der von Franz von Caracciolo gegründete Orden hatte hier ein Kloster und Kolleg

… ebenso wie die Augustinerinnen ihren Konvent.

Die Kathedrale ist den Stadtpatronen Justus und Pastor von Madrid geweiht. Die Rivalität zwischen Alcalá de Henares, der traditionsreichen und ehrwürdigen Stadt des Geistes, und Madrid, der vergleichsweise jungen Hauptstadt, der Stadt der Macht und der Emporkömmlinge, wird auch daran deutlich.

Nein: die alte Zeit war wahrlich oft nicht gut, wie das erzbischöfliche Gefängnis unweit der Kathedrale zeigt.

Die Mercedarier hatten hier ihr Kolleg

… und die Augustiner Kolleg und Konvent - heute von Klarissen bewohnt - …

… und die Ursulinen ein großes Kloster

… ebenso wie auch die Zisterzienser

… und die Karmeliter ein Kolleg und Kloster

… und auch die Klarissen, deren Kloster bis heute bewohnt ist. Sie waren alle da: wichtig, präsent zu sein, wo der Geist weht.

Stolz ist die Stadt auch, dass Miguel de Cervantes - 1547 - hier geboren wurde, deshalb ist der Hauptplatz der Stadt nach ihm benannt und geziert von seinem Denkmal.

Weil wieder Regen drohte - immerhin: er kam nicht, ich blieb trocken - war die Hauptstraße fast menschenleer. Interessant sind die alten gestelzten Häuser, die so bei Sonne wie Regen angenehmen Einkaufsbummel ermöglichen.

Als Ignatius von Loyola hier studierte, wohnte er in diesem Haus, dem Hospital de Antezana.

Direkt daneben: das Geburtshaus von Cervantes. Es ist nicht original, aber an der originalen Stelle und heute Museum.

Davor sitzt natürlich Don Quichote und erzählt Geschichten.

Ehemals war es Fürstenpalast, heute ist es Residenz des Erzbischofs - ein würdiges Gebäude!

Hier traf Kolumbus zum ersten Mal die katholischen Könige, die ihn dann mit der folgenreichen Fahrt nach Indien beauftragten.

Katharia von Aragón, Infantin von Kastilien und später Frau des englischen Königs, wurde 1485 hier geboren.

In Torrelaguna, wo ein späterer Märtyrer des Spanischen Bürgerkrieges geboren wurde, steht dieser alte Turm, der der einst zur Wallfahrtskirche Virgen de la Piedad gehörte, an der Maria de la Cabeza „Toribia” Wunder wirkte. Sie wurde im nahen Caraquiz geboren und verbrachte dort nach der Trennung von ihrem Mann auch ihr Alter. Die Fahrt zur Ruine einer einst ihr geweihten Kapelle führt über einen mit tiefen Rinnen ausgewaschenen Feldweg - meine Kiste schafft das auch ohne 4x4 - Lob!

Das Wetter ist nicht toll, aber die Bergwelt beeindruckend, ich bewge mich auf rund 800 Metern, der Pico de Lobo im Norden hat 2273 m.

In Redueña starben drei Ordensmann der Maristen-Schulbrüder als Märtyrer des Spanischen Bürgerkrieges.
Unterwegs beeindruckt das wehrhafte Schloss in Manzanares el Real …

… und immer wieder die Berge.

Über den Pass Puerto de Navacerrada, der 1858 m hoch ist, die Grenze zwischen den autonomen Gemeinschaften Madrid und Kastilien-León bildet und im Winter Skigebiet ist …

… komme ich nach Segovia, berühmt für seinen Aquädukt, der von den Römern gebaut wurde und bis ins 20. Jahrhundert die auf dem Berg gelegene Altstadt mit Wasser versorgte. Er ist ohne jeden Mörtel, Eisen oder Anker gebaut - die gekonnte Anordnung der Steine aus Granit, den es hier überall gibt, hält allen Stürmen stand. Das Bild zeigt nur einen Teil, er ist 728 Meter lang und bis zu 29 hoch.

Was man in Spanien oft sieht: wenn ein Haus abgebrochen wird, wird die Fassade erhalten, gestützt und dann irgendwann dahinter mit ihr das neue Gebäude erstellt. So bleibt das Stadtbild erhalten, die Innenausstattung ist dann aber doch in allem zeitgemäß. Nicht nur in Stuttgart, wo - wie ich lese - der Abriss letzter alter Bausubstanz schonungslos durchgezogen wird, könnte man davon lernen - wenn man denn wollte …

der Turm des Palastes des Landwirtschaftsamtes

Die Kathedrale hat mit 108 Metern den höchsten Kirchturm Spaniens. Alfons Rodriguez wurde in der Stadt geboren und wird hier verehrt, ebenso der Stadtpatron Fructus.

Der Turm ist wirklich hoch!

Im Kreuzgang: Maria oder eine Königin? Ich weiß es nicht - und das ist wohl Absicht.

Veronika

im Museum der Kathedrale: eine Maria aus dem 12. Jahrhundert.

Der Altar für Antonius, den großen Asketen und Begründer des Mönchtums - goldener geht's nicht.

Bescheiden dagegen - zumal für spanische Verhältnisse: der Hochaltar.

die Andreaskirche

Das Kloster Santa María del Parral im Tal vor der Stadt ist das letzte Kloster des Hieronymus-Ordens. Es wurde 1835 säkularisiert, nach der Wiederherstellung des Ordens 1925 ist es wieder bewohnt.

Ebenfalls im Tal vor der Stadt: das Karmeliterkloster, in dem Johannes vom Kreuz lebte und starb …

… und die Kirche des wahren Kreuzes.

Leider Baustelle: der Alcázar in imposanter Lage auf dem Bergsporn der Stadt, gebaut nach der Reconquista im 11. Jahrhundert durch König Alfons VI., zuletzt Schule der spanischen Artillerie, heute Museum.

Zehn Tage vor der Wahl merkt man jetzt doch etwas von Wahlkampf - aber eher spärlich.

Vorbei am von Theresa von Ávila gegründezen Karmelitinnenkloster geht es zurück auf die Plaza Mayor. In der Michaelskirche im Hintergrund wurde 1474 Isabell die Katholische zur Königin von Kastilien ausgerufen. In einer Kirche habe ich neulich das Faltblatt einer Initiative gefunden, die ihre Kanonisierung anstrebt.

Die Johanneskirche, gebaut auf Resten einer westgotischen Kirche aus dem 6. Jahrhundert, war die Ritterkirche; heute ist sie Museum für Töpferkunst.

Das Karmeliterkloster im Tal unterhalb von Segovia, das Johannes vom Kreuz gründete und wo er starb, ist leider geschlossen - Siesta.

Seine eindrückliche, imposante Lage und Gestalt zeigt der Alcázar von hier unten.

Neckisch: schon hier unter, weit vor der Statdt, ein erstes Tor.

Vom gegenüberliegenden Hügel zeigt sich die Altstadt von Segovia mit der Kathedrale und dem Alcázar (ganz rechts).

In Ávila blieb vieles noch ungesehen, deshalb geht es einen Tag dorthin zurück. Die Basilika San Vicente wurde über dem Ort des Martyriums von Vincentius von Ávila und Sabina und Christeta erbaut.

Im Karmelitinnenkloster de la Encarnación in Ávila lebte Theresa von Ávila, hier bereitete sie ihre Reform vor.

Das Museum gibt einen guten Einblick ins damalige Klosterleben, das Theresa hier 27 Jahre lang praktizierte. Die Kirche entspricht wieder mehr spanischer Barocksucht als Theresas Ideen; was mir aber gefällt: am Eingang der Hinweis, dass kurze Hosen, ärmellose Oberteile und eingeschaltete Handys verboten sind.

Nach dem Priesterseminar, wo Johannes Maria vom Kreuz García Méndez ausgebildet wurde, komme ich zur Kirche San Nicolás aus dem 12. Jahrhundert; an ihr war früher das Jesuitenkolleg der Stadt, wo Theresa von Ávila ihren Förderer Franz de Borja traf.

Ein Schmankerl: einer der Grundsteine ist ein Schwein.

Das Augustinerinnenkloster Santa María de la Gracía, in dem Theresa eine zeitlang zur Ausbildung lebte, suche ich an der falschen Stelle, aber das Dominikanerkloster Santa Fé finde ich - nur dort kaum einen Parkplatz …

… denn die Kirche, in der jetzt um 13 Uhr die Messe stattfindet, ist brechend voll. Zudem zelebriert ein Bischof. Und bald wird mir klar: es ist Firmung.

Aus dem damaligen Kloster - nein: königlichen Kloster! - zogen 1510 Dominikaner aus zur Mission in Lateinamerika. Entsprechend wird in der Kirche Martin von Porres verehrt.

Da stehen nun die Gefirmten mit einem sichtlich stolzen Bischof. Und der Gottesdienst war wirklich lebendig: viel Beteiligung der Firmlinge an der Liturgie, Gitarrenmusik, schöne Athmosphäre und ein sichtlich gut gelaunter Bischof.

Ein früh gestorbener Sohn von Ferdinand und Isabel, den katholischen Königen, wurde 1505 hier bestattet.

Und vor der Kirche ist dann der große Auflauf.

Zurück in Segovia beeindruckt im Karmeliterkloster, das ich jetzt zur Öffnungszeit besuche, der Sarg von Johannes vom Kreuz, der aber wieder so gar nicht zu dessen Vorstellung von Askese passt.

Zum Abschluss noch einmal und bei besserem Wetter - vor drei Tagen habe ich abends geheizt, jetzt schwitze ich nachmittags - der Blick von hier auf den Alcázar.

Heute vor 75 Jahren begann der Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion. 27.000.000 Sowjetbürger - ⅔ davon Zivilisten - starben. Und das deutsche Gedenken? Eine Debatte im Bundestag auf Antrag der Linken - Tagesordnungspunkt 4 -, kein Blumenstrauß, keine musikalische Umrahmung wie sonst bei ähnlichen Anlässen. Unser Bundespräsident schwieg zum Thema, weilte in Rumänien, das genau vor 75 Jahren gemeinsam mit Deutschland in der Sowjetunion einfiel, die Kanzlerin in Polen, deren Liebe zu den Russen im Moment bekannt ist. Ein trauriges Bild, kommentierte selbst die Stuttgarter Zeitung. Aber es ist schlimmer: der Westen will die Kapitulation Putins. Ronald Reagan hat den Fall der Mauer und das Ende der Konfrontation nicht auf die Entspannungspolitik zurückgeführt, sondern darauf, dass der Westen die Sowjetunion wirtschaftlich tot gerüstet habe. Wenn man die Vergangenheit so sieht, dann liegt es nahe, die gleiche Methode noch einmal auszuprobieren; und andernfalls macht man halt Krieg. Die geistige Mobilmachung dazu ist in vollem Gange. Und Deutschland muss nach den Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel die Verteidigungsausgaben erheblich (!) erhöhen.
Deutschland hat es bei der Fußball-EM - alles andere alles glanzvoll - also bislang geschafft. Wenn Sie im Achtelfinale gewinnen, spielen sie im Viertelfinale gegen Italien oder Spanien - das wird spannend! Leider werde ich dann schon in Frankreich sein.

* Thomas Schröder: Spanien, 5. Aufl.,Michael Müller Verlag, Erlangen 2006

Die Tracks:
El Escorial
Cabanillas de la Sierra
Für Segovia hat sich das dumme Gerät wieder nicht von selbst eineschaltet
Ávila 2

geschrieben am 17., 18., 20., 21. und 22. Juni 2016



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