Gestern abend musste ich nun selbst kochen - das Restaurant ist ja seit heute auch zu. Na ja: die Tomatensoße warm machen,
die Bernd, der Chef der Wüstenfahrertruppe von Offroadkangaroo, mir auch
überlassen hatten. Die ist gut, versprach er. Stimmt. Beim Verdauungsspaziergang sehe ich Gelblicht auf der Straße
und die Neugier drängt mich ans Tor: ein Tankwagen fährt langsam und ein Mann verteilt mit einer Schlauchspritze Unmengen
Desinfektionsmittel über Straße, Gehweg und angrenzende Wände.
Deutsche Nahverkehrsmittel haben Desinfektionsmaßnahmen vor einigen Tagen abgelehnt, die normalen Reinigungsintervalle
reichten. Kostete ja Geld. Die Stuttgarter Straßenbahnen -
ein kommunales Unternehmen mit normalerweise eigentlich guter Leistung - haben weniger Passagiere gezählt und die Zahl der
Fahrten eingeschränkt - so sehr, dass die Leute jetzt dichtgedrängter als zuvor stehen. Immerhin: der OB hat eingegriffen.
Die tunesische Regierung weiß, dass das hiesige Gesundheitswesen bei einer Epidemie keine Chance hat, also tut sie
alles zur Prävention. Offenbar mit Erfolg: vom ersten festgestellten Fall im Land am 2. März stieg die Zahl der Infizierten
nach vierzehn Tagen auf 48; die Vergleichszahlen lauten für Italien 5583 und für Frankreich 2281 für die jeweils dortigen
ersten 14 Tage. Dabei geholfen haben hier natürlich auch die sowieso weitgehend geschlossenen Grenzen und der - eigentlich:
leider - geringe Tourismus.
Nun ist also Ausgangssperre, es ist totenstill - gespenstisch. Der Himmel dazu grau, es gab wieder Regen, aber immerhin
morgens um 8 Uhr schon 16°. Der Security-Mann und der Gärtner sind hier zugange wie an jedem Tag, aber sonst: nichts außer
Vogelgezwitscher. Die Katzen schleichen über den Platz - das tun sie immer, aber irgendwie spüren auch sie offensichtlich,
dass etwas nicht stimmt. Ich mache Frühgymnastik - das erste Mal in meinem Leben betätige ich mich freiwillig
sportlich, ich muss meinen Kreislauf gesund halten: 40 Meter zur Garage, 30 Meter zum Eingangstor, 20 Meter Richtung
Nachbarhäuser, 30 Meter über die ob des vielen Regens teilweise noch grüne Wiese zur Mauer an der Straße. Mehr Auslauf ist
nicht - aber immerhin. Der Laden gegenüber hat geöffnet und frisches Brot zum Frühstück, die kommunale Müllabfuhr war da -
die Versorgung läuft.
Es gab in Tunsien gestern 48 Fälle, einen im Distrikt
Nabeul, und einen Todesfall, ganz im Süden
des Landes, eine schon infiziert aus der Türkei heimgekommene 80-jährige Frau.
Die Rettungsfliegenden sind alle weggekommen. Am gestrigen Nachmittag gab es zunächst die Meldung, das Paar mit Hund
komme zurück, weil der Hund nicht in den Flieger darf. Zwei Stunden später war die Nachricht, Frau und Hund konnten fliegen,
aber der Mann komme wieder, weil es mit dem Auto beim Zoll Probleme gab. Tatsächlich konnten alle drei fliegen, allerdings
nach Rom und von dort aus heute nach
Deutschland. Einer aus der Truppe ist Holländer - andere EU-Bürger aber nehmen die Deutschen nur mit, wenn alle Deutschen
Platz im Flieger bekommen haben und dann noch welche frei sind. Toll, vereintes Europa! Aber es hat auch für ihn
geklappt, alle haben es also glücklicherweise nach good old Germany geschafft.
Ich stelle mich auf mehrere Wochen Tunesien ein, in Italien und in Deutschland nimmt die Situation zunehmend schlimmere
Dimensionen an. Beim Versuch einzuschlafen, überfiel mich gestern Abend die Depri-Stimmung: völlig allein, auf ungewisse
Zeit und in einer Umgebung, wo sich die Lage in unkalkulierbarer Weise zuspitzen kann - hätte ich nicht doch auch Fliegen
sollen? Aber die gestrige Tageslosung sagt: Der Herr deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, er birgt mich im Schutz
seines Zeltes. (Psalm 27, 5). Oh, du Kleingläubiger! Und außerdem war es schon immer mein Konzept, so zu reisen, dass
ich - bei allen Privilegien, Auto, Geld, deutscher Pass - möglichst nah an den Leuten im Land lebe - und hier ist es nun
einmal jetzt eben so.
Morgens wache ich gut gelaunt auf. Matthias, ein deutscher Resident, der hier ganz in der Nähe wohnt, kommt vorbei und
erzählt, dass es eine große Zahl von Flugzeugen war, die gestern Europaheimkehrer abholten. Und dass in der Wüste kurz vor
Douz noch ein LKW mit Deutschen verharrt:
ihnen ging die Lenkung kaputt. Vielleicht bekomme ich ja doch noch Gesellschaft …
Zuerst musste ich tanken: für 63 l Diesel zahlte ich 41,50 € - paradiesisch - für unsereins.
Sidi Medien, unter den Römern Volitana und
eine Bischofsstadt, ist heute ein weitestgehend verlassenes Bergdorf fernab größerer Städte oder Straßen; dennoch ist die
Zufahrtsstraße asphaltiert. Bergdorf ist aber eigentlich das falsche Wort: es ist eigentlich eine sanfte Hügellandschaft,
nur hier mit einem schroffen Felsen. Der höchste Berg Tunesiens ist gerade mal 1544 Meter hoch; schroff eingeschnitten sind
nur manche Flussläufe, Oued genannt, in denen aber schon jetzt auch hier im Norden des Landes schon meist kein Wasser
mehr fließt.
In Volitana, damals Sitz eines Bischofs, starben die Märtyrer von
Volitana.
Gestern Abend kam hier plötzlich das sonst im Hotelrestauant und auf der Straße lautstark tobende Leben zum Erliegen.
Feiertag? Ist erst kommenden Freitag. Ramadan? Dauert noch. Des abrupt auftauchenden Rätsel Lösung: Die
Bezirksregierung hat die Schließung aller Restaurants angeordnet, die tunesische Regierung eine 14-tägige Quarantäne für alle
ins Land Einreisenden. Es gibt im ganzen Land aber nur drei bestätigte Krankheitsfälle.
So harre ich nun auf dem Camping Les Jasmins
zusammen mit den gestrandeten Wüstenfahrern und blicke auf die reifen Orangen. Morgen werde ich ins Landesinnere fahren -
mal sehen, ob die Polizei, die hier sowieso an jedem größeren Kreisverkehr die Papiere kontrolliert, mich lässt
Viele Zeitungen in Deutschland berichten wegen des Corona-Viruses über das Ökumenische
Heiligenlexikon und verweisen auf unseren Artikel
Corona (Stephana), denn sie ist auch Patronin
gegen Seuchen. Google meldet mir für diese Seite: Ihre Seitenklicks haben sich gegenüber dem üblichen Tagesdurchschnitt
von 14,3 Klicks um mehr als 1.000 % erhöht. Wie ich ja schon gestern sagte: mancher profitiert eben von der Krise
Heute scheint nun endlich die Sonne - und sie hat Kraft, Pullover ade! Mein Ziel ist nun
Karthago, der Villenvorort von Tunis mit Häusern,
denen man Luxus ansieht. Dazwischen verstreut liegen verschiedene Ausgrabungsorte, als ersten besuche ich das Gelände an den
Antoninus-Thermen, in dem auch diese Ruinen alter
punischer Gräber …
Die letzten Tage auf dem Campingplatz Alessandra
gehören der Vorbereitung auf Tunesien. Am Freitag fahre ich dann nach Palermo, denn ich muss am Samstag schon um 7 Uhr im
Hafen sein. So kann ich dort noch einige Stellen besuchen, an denen ich noch nicht war, zuerst das
Wohnhaus, vor dem
der Priester Pino Puglisi erschossen wurde, der sich als Gegener der
Mafia positioniert und engagiert hatte; er war der erste von der Mafia ermorderte Priester. Vor dem Haus wird auf großen
Fototafeln an den Besuch von Papst Franziskus erinnert …
Am Sonntag heißt es früh aufstehen und dann auf der Autobahn in die Stadt, nach Messina. Sie liegt um 9 Uhr tatsächlich noch
fast regungslos da, so finde ich problemlos einen Parkplatz im Zentrum.
Am Hafen steht die Marienstatue mit dem
Segensspruch, den diese angeblich Bachylus,
dem der Überlieferung zufolge ab 42 ersten Bischof der Stadt, erteilte: Ich segne Dich und Deine Stadt.
Unverkennbar: Ich bin auf Sizilien angekommen: im Ort die
riesige, das Zentrum überblickende Marienstatue,
der Motorroller, die Sonne.
Im Herbst hatte ich gedacht, ich bereise diesmal die Ägäischen Inseln, um damit Griechenland komplett zu machen, und
anschließend Süditalien. Im Laufe der Wochen habe ich mich umentschieden: es soll nach Tunesien gehen und dann in den
Süden Italiens. Tunesien hatte ich letztes Jahr schon ins Auge gefasst, aber die Lage dort schien mir zu unsicher;
inzwischen hat sich das als falsche Befürchtung herausgestellt.
Am Freitag Abend wollte ich von Civitavecchia
bei Rom aus das Schiff nach Tunis nehmen. Wie
immer ging's aber erst nach Aigle in der
Schweiz zum Besuch bei meiner Tante. Es waren wieder zwei entspannte Tage bei fast frühlingshaftem Wetter, aber uns beiden
machte eine leichte Erkältung zu schaffen. Bei der Weiterfahrt hielt mich dann mein Mittagsschlaf nach der Überquerung der
Alpen ganze vier Stunden im Bett, ich kam an diesem Tag nur bis zur
Raststätte Stura, noch vor Genua; damit war
das Schiff kaum noch erreichbar und ich merkte zudem: ich brauche noch Erholung. Deshalb die Entscheidung: drei Nächte in Rom
auf dem mir bekannten und rundum guten Campingplatz
Roma zum ganz gesund werden und dann zuerst nach Sizilien
zum Arbeiten. Montags ging's dann weiter nach Süden, abends noch mit der Fähre auf die Insel und am Dienstag vormittag
schließlich auf den mir ebenfalls aus dem Jahr 2017 bekannten
Campingplatz Alessandra in Torrenova - neben dem
Camping Luminoso und seinen Nachbarn
im Süden von Sizilien sicher der nach Ausstattung und Sauberkeit beste Platz auf Sizilien.
In den vergangenen Wochen konnten wir bei zwei Reisen Orte der Heiligen in Österreich, nämlich in
Kärnten, der
Steiermark, dem
Burgenland, in
Niederösterreich,
Oberösterreich und
Salzburg besuchen. Neben Detailinformationen sind 237 neue
Fotos für das Ökumenische Heiligenlexikon der Ertrag.
Mit Ausnahme von Wien haben wir damit (fast) alle
Orte in Österreich punktgenau lokalisiert. Das Bild zeigt die wunderschön gelegene
Johannesbergkapelle in Traunkirchen.
Anfang Februar nächsten Jahres wollen wir uns wieder auf eine längere Reise begeben: Ziele sind zunächst
Catania auf Sizilien, dann der Süden des
italienischen Festlandes und schließlich die Ägäischen Inseln in Griechenland, die wir bei der diesjährigen Reise nicht
mehr besuchen konnten.
Fünf Tage arbeite ich auf dem wirklich empfehlenswerten
Camping in Kalamitsi - italienische Besitzer,
die können es! Johanni ist vorüber, die
Tage werden wieder kürzer - Hubert von Goisern kommt mir in den Sinn: Jetzt san dia Dag scho kürzer wor'n und Blatteln
falln au von de Baam … singt er mit den Alpinkatzen in
Weit weit weg, das manche als das schönste Liebeslied
bezeichnen. Tatsächlich fallen hier ob der Hitze auch die Blättern massenhaft von den Bäumen. Meine Cds/DVDs hatte ich
leider alle vergessen mitzunehmen, aber abends gibts manchmal Musik von YouTube - die griechische Alltagsmusik im Radio ist
nicht so mein Fall - nicht alle Griechen sind Mikis Theodorakis.
Noch einen Tag planen auf dem Campingplatz Akti
Retzika bei Epanomi, dann geht es endlich weiter, zuerst zum
Johannes-Kloster in Souroti, wo
Paisios vom Athos gepflegt wurde, starb
und begraben ist. Das bleibt aber leider freitags geschlossen; deshalb geht es einen Berg hinauf zum nächsten
Kloster bei Vasilika, das
Anastasia geweiht ist und von
Theophano Martiniake gestiftet wurde. Es
präsentiert sich von außen höchst farbenfroh …
Nach zwei weiteren Tagen auf dem Campingplatz Hellas
- die Recherchen für Thessaloniki sind aufwändig -
geht es endlich weiter, zuerst durch eine weite Ebene - der Liebe Gott hatte die Lust am Falten verloren - in die Berge
nach Anatoli zu dem Kloster, das
Damian der Jüngere gegründet hat und in
dem David von Euböa zum Diakon geweiht wurde.
Auf den 17 km von der Hauptstraße bis zum Kloster auf fast 1100 m Höhe begegnet mir auf der gut ausgebauten Straße kein
einziges Auto - auf der Rückfahrt auch keines.
Zum Übernachten hatte ich mich für die nahe
Autobahnraststätte bei Schimantari entschieden,
da die Ebene um Thiva nichts anbot. Aber
auch hier gab's Schnaken, Hitze und dazu den üblichen Raststätten-Krach - na ja!
Also ging am Morgen wieder zurück, um zur
Metropolitankirche in Livadia zu gelangen,
wo einst die - angebliche - Kopfreliquie von
Georg dem Märtyrer verwahrt wurde.