Montag, 28. September, bis Sonntag, 4. Oktober
Am Montag verlasse ich den Campingplatz in Belfort
und suche in der Stadt eine Tankstelle, die Diesel hat. In Frankreich hat der absolute Marktführer TOTAL eine freiwillige
Obergrenze für die Kraftstoffe eingeführt, für Diesel waren das 2,259 €; aber nun ist der Saft zur Mangelware geworden und
die Obergrenze gilt nicht mehr. An den Tankstelle, die noch billig sind, gibt es deshalb große Schlangen, an vielen
Tankstellen aber gar keinen Sprit mehr. Und so muss auch ich vier Tankstellen anfahren, um endlich Futter für die Kiste zu
bekommen. Dann geht es Richtung Osten, ins Elsass, zuerst dort weit im Süden nach Bouxwiller bei Colmar, wo es in dieser -
leider nur sonntags geöffneten - Pfarrkirche
Reliquien von
Leo IX. gibt. Auf der Weiterfahrt verpasse ich in einer
Baustelle die Richtige Spur, lande deshalb auf der Autobahn und in
Basel in der Schweiz - hoffentlich haben die hier
keine Kamera, denn ich habe keine schweizer Autobahn-Vignette - und komme dann zu dieser
Pfarrkirche in Rixheim bei Mulhouse, wo es -
angeblich - eine Marienerscheinung gab.
Auf der Weiterfahrt will ich an der Ratsstätte
Battenheim kurz auf die Toilette - aber schon auf dem Verzögerungsstreifen ist Stau, der sich bis zur Tankstelle hinzieht,
denn offenbar gilt hier noch die Spritpreis-Bremse. Der Toilettengang dauert deshalb 25 Minuten! Auch eine - angebliche -
Marienerscheinung gab es im Weindorf
Walbach mit dieser Pfarrkirche.
Auch in Wittelsheim bei Mulhouse geb es - zuerst in der
Pfarrkirche -
Marienerscheinungen. Dann fahre ich nach
Saint-Amarin bei Mulhouse, wo Amarin einst das Kloster an
dieser außerordentlich gepflegten heutigen Pfarrkirche
gründete; auch Valentin von Terni wird hier
verehrt.
Schließlich noch eine Marienerscheinung:
im kleinen Dorf Oberbruck bei Muhlhouse mit dieser - auch geschlossenen -
Kirche. Von dort geht es im engen Tal weiter, über
den 1171 m hohen Pass am Ballon d'Alsace - seit
1905 auch oft von der Tour de France befahren - nach Rupt-sur-Moselle, denn hier gibt es an einer Schule einen
Parkplatz mit Toilette - sehr ruhig! Insgesamt wurde
der Tag lang, obwohl ich nur wenige Ziele erreichte - die Entfernungen sind viel größer, als bei der Planung gedacht.
Den Dienstag beginne ich in Remiremont, wo hoch im Wald das von
Romarich von Remiremont gegründete
erste Kloster stand.
Adelphius von Remiremont,
Amatus von Remiremont waren Äbte,,
Cäcilia von Remiremont,
Gebetrude von Remiremont,
Madefledis und
Perpetua von Remiremont Äbtissinnen des
damaligen Doppelklosters, Arnulf von Metz lebte
dort als Einsiedler, Germanus von Granfelden
war Mönch in diesem Kloster. In dieser Pfarrkirche
in Cheniménil bei Saint-Dié wird an den hier geborenen Märtyrer Xavier Boucher, einen Gefährten von
Gerhard-Martin Cendrier,
erinnert.
Abseits in den Hügeln liegt La Bourgonce bei Saint-Dié, wo an der später nach ihm benannten
Passée du Renard genannten Straße
Reginald von Toul ermordet wurde; einen Hinweis
darauf findet sich dort aber nicht. Auch keine Hinweise auf
Spinulus finde ich an der
Kapelle in Saint-Blaise, denn sie ist verschlossen;
hier stand das Priorat, in dem Spinulus Mönch war. Wieder einsam in den Hügeln stehen im Dorf Saint-Saveur bei Nancy diese Reste
der Kirche des einstigen Klosters, das bei
Leudin von Toul erwähnt wird.
Nach dem erhaltenen Tor und Torhaus des einstigen
Klosters in Romont, das Willigod und
Martin von Romont gründeten, komme ich zu dieser
Pfarrkirche in Hériménil bei Nancy, an der eine
Statue an den hier geborenen Lorenz von der
Auferstehung erinnert.
Blöd: immer im abendlichen Berufsverkehr komme ich in eine größere Stadt, diesmal nach Nancy, wo ich schon war, aber nun will
ich zu dieser Kirche Saint-Epvre, denn an ihr gibt
es eine Statue von Libaria und ich entdecke weitere
Statuen. Spät wird es am Abend, bis ich zum ehemaligen Landsitz der Bischöfe von
Metz, dem
Schloss in Vic-sur-Seille komme, in dem Bischof
Annas de Pérusse d'Escars de Givry von
Metz starb.
Eher unruhig - autobahnnah und neben einem Kühllaster - wird die Nacht an der
Raststätte Bois de Dourre.
Am Mittwoch geht es noch einmal in die Umgebung von Nancy, nach Méréville, dem heutigen Ortsteil Maréville von Laxou.
Roger Faverge besuchte dort die damalige
Schule der
Brüder der christlichen Schulen; heute ist
diese Teil eines großen Geländes, das eine psychiartrische Anstalt enthält und deshalb nicht besucht werden kann. Pech gehabt.
Im Dorf Frolois bei Nancy mit dieser verschlossenen
Kirche wurde
Hubert vom heiligen Claudius Gagnot geboren.
Nach diesem Abstecher nach Lothringen geht es auf gut ausgebauter
Straße wieder ein großes Stück nach Süden, nach Faverney bei Vesoul, wo einst
Widrad das Kloster gründete, dessen
Kirche erhalten ist und in der diese
weiße Jungfrau
verehrt wird. An der Kirche ein
Anschlag mit den Preisen für Kasualien: eine Messe 18 €, eine Taufe 50 bis 150 €, eine Trauung 200 bis 400 €, eine Bestattung
200 bis 300 €. Ich finde die Kirchensteuer angemessener.
In Port-sur-Saône starb Valerius; an der Stelle seines
Martyriums wurde diese Kapelle erichtet.
Vom früheren Kloster Bellevaux in Cirey-lès-Bellevaux
bei Besançon ist ein etwas verwahrlostes Schloss
und dieses Wirtschaftsgebäude übrig.
Burchard von Bellevaux war hier Abt,
Eugen Huvelin gründete das Kloster wieder,
Frowin war Mönch und
Petrus II. von Tarentaise starb hier.
Dann komme ich nach Besançon - schon wieder im abendlichen Berufsverkehr-Getümmel -, das mich mit seiner hoch gelegenen Zitadelle
und deren Tour de Roi
begrüßt. In Besançon
wurde Gerland von Agrigento geboren,
Maurus starb hier.
Gleich zu Beginn des Rundgangs: Was macht der Franzose nach Feierabend?
Steil hinauf geht es dann zur heutigen Kathedrale
Saint-Jean, die mich mit diesem Turm begrüßt. Papst
Alexander III. nahm hier an einem Reichstag teil,
Hugo I. von Besançon, baute diese Kathedrale
und war Erzbischof wie auch Humbert von
Besançon; von Agapitus von Praeneste
gibt es die Kopfreliquie, weitere Reliquien auch von
Epiphanius und
Isidor, sowie
Werner von Oberwesel.
Ferreolus und
Ferrutius von Besançaon sind Patrone und ich entdecke dort
Linus von Bisuntina neu, den angeblich ersten
Bischof der Stadt.
Vorbei an diesen Resten aus der Römerzeit komme ich
zur Kapelle der ersten Niederlassung der von
Johanna Antida Thouret gegründeten
Sœurs de la Charité
; heute ist dort eine Polizeidienststelle.
Dann sehe ich diese Kirche des ehemaligen
Priesterseminars, an dem
Joseph Marchand und
Stephan Theodor Cuénot studierten.
Mächtig prächtig wie immer: diese von Jesuiten erbaute
Kirche Saint-Maurice, heute Pfarrkirche.
Zum Schluss meines Rundgangs sehe ich noch dieses
Geburtshaus des Schriftstellers und Politikers
Victor Hugo. Bei den Gedanken zu diesem als einer der größten französischen Schriftsteller geltenden Politiker kommen mir
die heutigen Kleingeister in den Sinn: in Frankreich gibt es derzeit massive Schülerstreiks, sie fordern kleinere Klassen -
es gäbe solche mit mehr als 30 Schülern -, mehr Lehrkräfte, bessere Schulgebäude mit Isolierung gegen Hitze und Klimaanlagen.
Für den 6. Oktober ist eine große nationale Demonstration angekündigt, Studentenorganisationen wollen sich anschließen. Der
Neoliberalismu8s treibt überall die selben Blüten.
Mit der Kiste geht es nun zur Kirche des ehemaligen
Klosters Saint-Paul; Donatus von Besançon
hatte es einst gegründet, Johannes Bassandus
war dort Regularkanoniker. Von dort marschiere
ich in die Fußgängerzone zu dieser Kirche
Saint-Pierre; Louis Pourtois, ein Gefährte von
Gerhard-Martin Cendrier, wurde
hier getauft, Nicetas von Besançon und
Prothadius von Besançon wurden hier
begraben.
Nochmals mit der Kiste geht es durch enge Gassen wieder in die Oberstadt, zum ehemaligen
-Klarissenkloster, das
Coleta Boillet gegründet hatte. Und bei der
Wieterfahrt - auf breiter Straße, aber begauf, passiert es wieder: Kühlwasser überhitzt
, derMotor geht in den Notlauf.
Das hatte ich beim Frühjahrs-Trip zwei Mal, dann vor zehn Tagen bei der langen und steilen Auffahrt zum
Kloster Notre-Dame de Chalais oberhalb von Voreppe
bei Grenoble - aber jetzt, wo es nicht wirklich bergig war, wenn auch am späten Abend noch 29° hatte??? Ich lasse die Kiste
abkühlen und fahre dann zum Übernachten zur Raststätte
Besançon-Marchaux - schnelle Fahrt mag sie ja. Aber so kann es nicht weitergehen. Am Donnerstag fahre ich zurück nach
Besançon zur dortigen, großen FORD-Werkstatt. Heute
könne er nichts machen. Morgen? Auch nicht. Am Montag? Auch nicht. Aber mein Insistieren führt immerhin dazu, dass er sich das
Problem anschauen will. Nach fünf Miuten hat er die Diagnose: Wasserpumpe defekt, am Mittoch könne er sie tauschen. Aber seine
Diagnose ist falsch, da bin ich mir sicher, außerdem werde ich nicht bis Mittwoch die Zeit verplempern. Im kanpp 50 km entfernten
Baume-les-Dames gibt es die nächste FORD-Werkstatt,
eine kleine mit ländlichem Charme, an der ich kurz vor 12 Uhr ankomme. Nach der Mittagspause werde er sich kümmern; das tut er,
diagnostiziert sorgfältig und kommt nach 45 Minuten zum Ergebnis: drei Sicherungen des Kühler-Verntilators waren defekt. Genau
das hatte ich auch gedacht, konnte sie aber nicht selbst wechseln, weil ich solche Sicherungen noch nie gesehen und dafür auch
keinen Ersatz habe - nun gibt er mir einen Vorrat mit.
Heute ist es schon den ganzen Tag trüb, inzwischen regnet es, ich beschließe, in diesem Ort zu bleiben und auf dem
kommunalen Campingplatz jetzt schon die
Arbeitsphase einzulegen. Der Platz ist groß, ordentlich, sehr preiswert und wenig besucht - herrlich Ruhe also und Erholung
nach dem Ärger.
geschrieben am 2. und 3. Oktober 2026