Welt bereisen Das Reiseblog des Ökumenischen Heiligenlexikons

Einführung

   J. Schäfer          

Twenty years from now you will be more disappointed by the things that you didn‘t do than by the ones you did do.
So throw off the bowlines. Sail away from the safe harbor. Catch the trade winds in your sails.
Explore. Dream. Discover

                                           Mark Twain

Meine Evangelische Landeskirche in Württemberg hat mir - und gut 100 weiteren Kolleginnen und Kollegen - ein großartiges Geschenk gemacht: Ruhestand schon mit 60 Jahren zu finanziell vertretbaren Konndidtionen. Sie hat das durchaus im eigenen Interesse getan und will damit im Laufe der Jahre 3,5 Millionen € einsparen, für mich ist es dennoch geschenkte Lebenszeit, das Geschenk neuer Möglichkeiten.

Schon als Jugendlicher habe ich meinen Diercke Weltatlas gewälzt und meine Weltreise geplant. Und schon damals erlebte ich bei den Pfadfindern das Erkunden unbekannter Zonen in nah und (ein bisschen) fern. Als Student konnte ich manche reise unternehmen, dennoch waren zeitlich und finanziell eher enge Grenzen gesetzt. Als Pfarrer konnte ich mit der Familie immerhin in Asien und Afrika etwas reinschnuppern, aber immer begrenzt auf die wenigen Urlaubswochen. Nun aber werde ich Zeit haben - und noch die Möglichkeit zum Reisen nach dem Motto: Zu alt zum Arbeiten, zu jung zum Sterben, gesund genug zum Reisen oder dem der Bremer Stadtmusikanten: Etwas Besseres als den Tod finden wir überall http://www.heiligenlexikon.de.

Wohin soll nun die Reise gehen?
Seit fast 15 Jahren betreibe ich das Ökumenische Heiligenlexikon. Als Idee für den Urlaub berichtete uns Leser A. M. aus Völklingen im Juli 2011: Ich habe in meinem Urlaub das Ökumenische Heiligenlexikon benützt, um Unbekanntes und Überraschendes zu entdecken: Wie bei einer Fahrt ins Blaue, wie sie früher üblich war, habe ich mich immer wieder neu verwundern lassen durch unbekannte Orte und Eindrücke. Dazu habe ich ihre Frankreich-Karte benützt und bin von einem zum anderen der dort verzeichneten Orte im Süden des Landes gefahren. Ausgangspunkt war Avignon. Ohne vorher zu wissen, was mich erwartet, wechselten dann kleinste Dörfer und Städte mit großartigen Kirchen ab, verschiedene Landschaften, Berge und Täler - und dazu immer wieder neue Biographien der Heiligen aus Ihrem Lexikon. Spannend und anregend: Danke!

Manchmal bekomme ich ja Torschlusspanik: wohin wird man die nächsten Jahre noch reisen können? Als ich jung war, konnte man problemlos über Afghanistan nach Indien, durch Syrien nach Israel, durch die Sahara oder Äthiopien / Somalia ins Zentrum von Afrika fahren. Das alles ist heute so nicht mehr möglich: die Schere zwischen reich und rm geht immer weiter auseinander und die Konflikte werden größer. Selbst in Europa: vor 9 Jahren reiste ich wieder durchs alte Jugoslawien - ähnlich wie vor 38 Jahren, aber diesmal über viele Grenzen, vorbei an zerschossenen Häusern, Moscheen und Klöstern, durch Bosnien-Herzegowina, wo der katholisch-orthodoxe Konflikt überall spürbar ist, durch das von KFOR-Soldaten und -Kasernen strotzende Kosovo und das völlig verarmte Serbien - eine eigentlich stolze Nation, die uns dereinst das Christentum gerettet hat vor den anstürmenden Türken und nun von uns schnöde missachtet wird und mir deshalb höchst aggresiv begegnet ist. Auch Griechenland wird dem Verfall preisgegeben - unsere Bundeskanzlerin, die einst FDJ-Sekretärin für Propaganda war und nun Propagandistin des Neoliberalismus ist, weiß nichts vom geeinten Europa. Sie ist in ihrem Lebensstil ja ohne Zweifel so völlig uneitel und bescheiden - aber offenbar hat sie ihr Fähnchen immer dort, wo sie den Wind vermutet.

Es wird keinen Frieden geben ohne angemessene Verteilung des Reichtums dieser Welt, ohne ein Minimum an Solidarität - mit Menschen statt mit Investoren. Uns Deutschen geht es derzeit sehr gut. Den Preis zahlen heute die Menschen in Südeuropa - von allen anderen auf der Südhalbkugel ganz zu schweigen, daran sind wir ja schon lange gewöhnt. Aber diese Menschen sind nicht (mehr) doof - dem Internet sei Dank - und wenn wir sie nicht achten und teilhaben lassen, werden sie uns über kurz oder lang die Rechnung präsentieren.

Beim Reisen kommt es deshalb darauf an, den Menschen nahekommen zu können. Schon das Auto darf nicht Wohlstand ausstrahlen, der übergroße Distanz zu den Menschen schafft. In jedem Land und jeder Region kommt es darauf an, sich auf die Gegebenheiten und Bräuche einzustellen und einzulassen - man muss sie ja deshalb noch nicht gut finden; aber Respekt haben. Menschen überall auf der Welt tun und erstreben im Wesentlichen das Gleiche – aber auf unterschiedliche Weise.

Wem Gott will rechte Gunst erweisen,
Den schickt er in die weite Welt,
Dem will er seine Wunder weisen
In Berg und Wald und Strom und Feld.

Die Trägen die zu Hause liegen,
Erquicket nicht das Morgenrot,
Sie wissen nur von Kinderwiegen,
Von Sorgen, Last und Not um Brot.

Den lieben Gott laß ich nun walten,
Der Bächlein, Lerchen, Wald und Feld
Und Erd und Himmel will erhalten,
Hat auch mein Sach aufs best bestellt.

                                 Joseph von Eichendorff

Beim Reisen kommt es mir auch darauf an, der Natur nahe zu sein. Wir Menschen sind nur eines der Geschöpfe unter den vielen, aber wir haben uns zu unerbittlichen Herren über die Natur erhoben und dabei unsere Empfindsamkeit größtenteils eingebüßt. Deshalb ist für mich wichtig, die Stille der Wüste, das Rauschen des Meeres, den Wind in den Bäumen und die Dunkelheit fern der Städte zu erleben und mich davon aufschließen und sensibilisieren zu lassen.

Der erste Reiseveranstalter der Welt war der englische Pfarrer Thomas Cook. 1841 organisierte er eine Eisenbahnreise; sie sollte die Teilnehmer vom Alkohol abhalten und stattdessen an die frische Luft bringen, sollte Menschen miteinander und mit Gott zu verbinden. Daraus entstanden die Pauschalreisen und das Unternehmen trägt bis heute seinen Namen. Das eigentliche Ziel von Cool aber, zum Wesentlichen zurückzukehren, bleint für mein Reisen gültig.

geschrieben am 21. März 2013



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