Welt bereisen Das Reiseblog des Ökumenischen Heiligenlexikons

In die Champagne

   J. Schäfer          

Samstag, 28. März bis Dienstag, 7. April

Da ich erst spät zuhause losgekommen bin und dann in einige Staus, kam ich am Samstag nur bis zur Raststätte Keskastel bei Metz. Enttäuschend auch: die Hoffnung, dass in Frankreich die Dieselpreise deutlich niederiger seien, hat sich nicht erfüllt. Mein erstes Ziel dann am Sonntag: Diese Kirche in Biding bei Forbach, wo es eine Marienerscheinung gab.

Dann komme ich zum Gebutshaus von Arnold Rèche mit der Gedenkstätte in Landroff bei Metz. Im damaligen Kloster in Le Ban-Saint-Martin bei Metz wurde Sigibert III. von Austrasien verehrt. In Nancy sehe ich das ehemalige Karmeliterkloster, in das Hubert vom heiligen Claudius Gagnot eingetreten war. Im Mutterhaus der Sœurs de Saint Charles in Nancy gab es ebenfalls eine Marienerscheinung.

In Toul ließ Bischof Gerhard von Toul diese Gangolf geweihte, heute in Häuser eingeklemmte Kirche Saint-Gengoult errichten. Oberhalb von Toul erschien Bischof Gerhard der Überlieferung zufolge Maria, der die Kapelle Notre Dame de Recluse errichten ließ.

Steiler Fußmarsch durch den Wald - aber immerhin jetzt ohne Regen - ist dann noch angesgt, um die Quelle nahe Blénod-lès-Toul bei Èpinal zu erreichen, an der Menna als Einsiedlerin lebte. An Stelle der dortigen früheren Kapelle steht jetzt dieses Freizeitheim.
Zur Übernachtung geht's an die Raststätte Toul - Dommartin für eine wieder angenehm ruhige, aber kalte Nacht; am Morgen gibt es Minus-Grade.

Am Montag geht es zur Kirche im kleinen, abgelegenen Dorf Bonnet bei Toul, mit dieser Liegefigur von Florentinus. Ein Mann nützt die Glegenheit eines seltenen Besuchers, um ununterbrochen auf mich einzureden: nuschelnd, im Diaklekt und auf Französische verstehe ich nicht viel, aber doch, wie stolz er ist, dass seine Kirche eine besondere sei. Und ich kapiere, wie einsam die Menschen hier sind.

Nicht groß, sondern noch kleiner und abseitiger ist der Ort Méligny-le-Grand bei Verdun, an dessen Kirche Nikolaus Tabouillot Pfarrer war. In der Pfarrkirche in Ligny-en-Barrois bei Saint-Dizier wird Petrus von Luxemburg verehrt, der zum Kardinal wurde und auf diesem Glasfenster seine Heimatstadt segnet. Er wurde in dieser Stadt in der Burg geboren, von der noch der Turm Valérian übrig ist. Auch Scipio Hieronymus Brigéat de Lambert wurde in dieser Kleinstadt geboren.

Noch gut 500 Einwohner hat Haironville bei Bar-le-Duc, wo Jean Bernier, ein Gefährte von Gerhard-Martin Cendrier, geboren wurde. Noch kleiner: Saint-André-en-Barrois bei Verdun, wo Johannes Nikolaus Cordier auf die Welt kam. Richtig groß dagegen ist dieses Kalkwerk in Dugny-sur-Meuse bei Verdun, wo es eine Marienerscheinung vor drei Arbeitern gab.

In Harville bei Verdun gab es an der Stelle der heutigen Pfarrkirche ein Priorat mit Reliquien von Nanterius. Das liegt östlich von Verdun und dort waren die meisten der berühmten Schlachtfelder des 1. Weltkrieges. Jede Ortschaft hat riesige Soldatenfriedhöfe, so wie diesen in Maizeray, auf dem 2876 anonyme deutsche Soldaten liegen. Und der Wahnsinn nimmt bis heute kein Ende …
Wieder ruhig und wieder frostig wird die Nacht auf der Raststätte Verdun - Saint Nicolas.

Mein Dienstag beginnt an diesem ehemaligen Klarissenkloster in Verdun, wo der Jesuit Johannes Nikolaus Cordier als Seelsorger tätig war.

Dann folgt in Verdun dieses ehemalige Jesuitenkolleg, an dem Johannes Nikolaus Cordier ebenfalls Nonnen betreute. Wegen Baustelle am einzigen Zugang unerreichbar bleibt mir das Gelände der ehemaligen Abtei Saint-Vanne; Fingen stellte sie wieder her, Firminus von Verdun war hier begraben, Friedrich von Saint-Vanne war Mönch, ebenso Gerwin von Saint-Riquier und Poppo von Stablo; auch Possessor von Verdun war hier bestattet, ebenso Pulchronius von Verdun, Richard von Saint-Vanne war hier Abt, Sanctinus von Meaux war hier Bischof, Simeon von Trier weilte hier, Stephan war Mönch und Vitonus von Verdun ebenfalls Bischof.

In Sainte-Ménéhould bei Châlons-en-Champagne liegen in dieser Kirche Notre-Dame du Château die Gebeine von Manechild von Perthes.

Nach dem wieder völlig abgelegenen kleinen Dorf Hans bei Châlons-en-Champagne, wo Petrus von Chalons geboren wurde, komme ich nach Cunel bei Verdun, wo Stephan d'Huberte Pfarrer an der dieser Dorfkirche war. Der Ort liegt nahe der Grenze zu Belgien und hier fanden im August1914 die ersten Schlachten gegen den deutschen Überfall statt.

Im Dorf Chaumont-Porcien bei Rethel schafft meine Kiste den steilen und nassen Feldweg hoch zur Kapelle nicht, also dürfen meine Beine schwitzen. Berthaldus lebte hier als Einsiedler, Oliveria und Liberata schlossen sich ihm an. Zum Abschluss des Tages geht es nach Renneville bei Laon mit dieser Kirche; hier starb Bossianus.
Ruhig und wie nun schon gewohnt frostig-kalt wird die Nacht an der Raststätte Ardennes Woinic.

Der Mittwoch beginnt im Dorf Aussonce bei Reims, wo Sindulph als Einsiedler lebte und ihm die Kirche geweiht ist. Dann geht es in die Stadt nach Reims - die Stadt, die im März 1918 in den Kämpfen des 1. Weltkrieges zu 60% zerstört wurde und die nach Kriegsende zur erklärt wurde. Die Vergeltung der Franzosen: hier musste 1945 die Kapitualtion der deutschen Wehrmacht unterzeichnet werden. Gottschalk von Orbais wurde hier zum Priester geweiht, Gualtierus von Romans ist möglicherweise hier geboren, Paulus von Tricastinum ist hier geboren, Theobald von Provins weilte in der Stadt, die zeitweise Hauptstadt von Austrasien war. Ich muss nun zunächst einkaufen, um dann diese riesige Kirche Saint-Remi zu besuchen. Brun von Köln starb hier, Goderanus von Saintes wurde im Kloster ausgebildet, Goswin von Anchin reformierte das Kloster, von Hinkmar von Reims, Markulf von Nanteuil und Remigius von Reims ist hier das Grab, von Regulus von Reims und Sixtus von Reims gibt es Reliquien, Sonnatius von Reims war hier begraben und Stephan Harding weilte hier.

An der Kirche: das von Daphne du Barry 1996 geschaffene Denkmal: der große Remigius von Reims tauft den kleinen Merowingerkönig Chlodwig. Dann gehe ich noch zum Platz des ehemaligen Klosters Saint-Nicaise, wo heute das Maison de Champagne Taittinger - des einzigen Champagner-Unternehmens, das noch in Familienbesitz ist - steht. Arnold von Gembloux war hier Abt, Maurus und Timotheus und Apollinaris starben hier wohl als Märtyrer, Nikasius von Reims wurde hier begraben und Wilhelm von Saint-Thierry war Mönch.
Regen und Kälte halten mich vom weiteren Rundgang durch die Stadt ab, ich fahre gleich zum Arbeiten auf den angenehmen kommunalen Campingplatz nach Val-de-Vesle.

Am Samstag fahre ich in die Stadt, der Wetterbericht hatte etwas mildere Temperaturen und wenig Regen angesagt. Mein erster Gang führt zu dieser Kirche Saint-Maurice und dem ehemaligen Kolleg der Jesuiten. An der Stelle des ehemaligen Klosters Saint-Sixte steht heute das große katholische Institut von Paris; Ansegisus war hier Abt, Sixtus von Reims wurde in der Kirche bestattet, die dann ihm geweiht wurde und an der das Kloster gegründet wurde.

Dann komme ich zur Stelle der früheren Universität, an der Dermitius O'Hurley lehrte - heute steht dort diese Schule. Gegenüber war das Englische Kolleg unterbracht in Gebäuden des damaligen Hositals Saint-Antoine. Das Englische Kolleg, eigentlich in Douai zuhause, war zwischen März 1578 und 1593 in Reims im Exil. An ihm wurden nach der Reformation in Britannien Engländer zum Priester ausgebildet, die dann heimlich in ihrer Heimat die Rekatholisierung betrieben und Katholiken betreuten und dafür oft als Märtyrer starben, so z. B. Alexander Briant; die vielen weiteren spare ich mir hier.

Nach dem von Johann Baptist de la Salle gegründeten La Salle-Gymnasium komme ich zur weltberühmten Kathedrale, an der und in der sich nun doch recht viele Touristen tummeln. Davor: diese Bodenplatten zum Gedenken an die deutsch-französische Aussehung - die deutsche Politiker in den letzten Jahren aus neoliberlaem Wahn zunehmend zu verspielen drohen.

Großarig: das Hauptportal von innen. Von den vielen mit der Kathedrale Verbundenen nenne ich hier nur die Patrone Markulf von Nanteuil, Remigius von Reims und Theoderich von Reims.

Vorbei am Stadion Saint-Symphorien, einer Freifäche inmitten der Stadt, auf der die erste Kirche Saints-Apôtres und später Kirche und Kloster Saint-Symphorien standen - an Saints-Apôtres waren Amantius von Reims, Donatianus, Maternianus von Reims, Nikasius von Reims, Sixtus von Reims und Viventius von Reims Bischöfe - und vorbei an diesem Denkmal für König Ludwig XV. komme ich zum Hôtel de La Salle, in dem Johann Baptist de la Salle geboren wurde.

Auf diesem Nordfriedhof mit vielen alten Gräbern suche ich - inzwischen doch in leichtem Regen - das Grab von Arnold Rèche, das ich erst nach einigem Suchen finde. Dann geht es noch zu Schule und Internat der Brüder der christlichen Schulen und durch heftigen Stau - weil im Stadion ein Fußballspiel ansteht und viele Fans anzieht - zum majestätischen Institut Sacré-Cœur.

Von Ostersonntag bis -dienstag habe ich nun zu arbeiten auf dem zu den Feiertagen voller gewordenen Campingplatz in Val-de-Vesle; zwar herrscht nun strahlender Sonnenschein, aber dennoch bleibt es sehr kalt.

geschrieben vom 1. bis 6. April 2026



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