Welt bereisen Das Reiseblog des Ökumenischen Heiligenlexikons

Zu Besuch bei Paulus

   J. Schäfer          

Sonntag, 21. Mai bis Freitag, 26. Mai

Den Sonntag nutze ich wieder, mit dem Auto in Außenbezirke zu fahren, zuerst noch einmal zu den Katakomben des Pontianus - jetzt fündig werdend, eine unscheinbare Stahltür im Gelände des Generalats der Missionare von Jesus und Maria -, wo Abdo und Sennis sowie Quirinus von Tegernsee bestattet waren und wohl auch ein Pollius.
Vor der Porta Ostiense - heute Porta San Paolo genannt, weil die Straße zur Kirche S. Paolo fuori le Mura führt - stand früher eine Euplus von Catania geweihte Kirche.


Neben der Porta Ostiense: die Pyramide, die sich Gaius Cestius - einer der sieben Verantwortlichen für religiöse Festmähler - 11/12 v. Chr. als Grabmal bauen ließ. Daneben (vor dem Tor!) ist ein Freidhof für Nicht-Katholiken, in dem u. a. Goethes früh gestorbener Sohn August bestattet ist.

In der Kloster an der Kirche S. Saba, die auf Familienbesitz von Silvia genbaut wurde, war wohl Gregor von Agrigent Mönch. Gut erhalten sind schöne Fresken.

Auch hier sitzt am Eingang, zumal am Sonntag, natürlich die Bettlerin.

Am Generalat der Prämonstratenser bin ich mal wieder in 50 m Abstand vorbeigegangen, mit etwas Suchen gefunden habe ich aber die Katakomben der Commodilla, in denen Digna / Emerita bestattet war und wo man eine Inschrift für Asterius fand.

Ein Höhepunkt jedes Rom-Besuchs: die Basilika S. Paolo fuori le Mura. Davor Ausgrabungen von 2008/2009, die einen alten Friedhof und ein Kloster freilegten.

Eine riesige Kirche! Ich nehma an der Messe teil und traue meinen Ohren kaum: am Schluss wird ein Marienlied gesungen auf die Melodie von O du fröhliche - ja: bald ist Weihnachten!

Innen: ein Osterleuchter, über 5 Meter hoch, Ende des 12. Jahrhunderts …

… und der Blick, vorbei am ZiboriumDas Ziborium, lateinisch für Trinkbecher, ist ein in der katholischen und den orthodoxen Kirchen benutztes Gefäß zur Aufbewahrung der geweihten Hostien, benützt v. a. bei Haus- und Krankenkommunion. über dem Altar am Paulus-Grab, auf die Apsis

Berühmt sind die Medaillons aller Päpste seit Petrus, auch die neuesten sind schon eingefügt. Die Volksweisheit weiß, dass die Welt untergehen werde, wenn kein Platz für neue Mosaike mehr da ist; einige Leerstellen gibt es noch …

eine Wucht: das Apsismosaik, nach dem Brand von 1823 rekonstruiert entsprechend dem Mosaik von um 1220.

Auch die Katakomben der Tecla entdecke ich im ersten Anlauf nicht punktgenau, dafür aber das Santuario S. Maria Regina degli Apostoli alla Montagnola der von Jakob Alberione gegründeten Gesellschaft, das Timotheus Giaccardo leitete. Maria als Regentin der Apostel zu bezeichnen, ist natürlich typischer Ausdruck der - nicht nur theologisch - perversen Marienfrömmigkeit des 19./20. Jahrhunderts.

Die Katakomben der Domitilla, benannt nach Domitilla, auf denen früher die erste Nereus und Achilleus geweihte Kirche stand, enthalten Fresken von Marcellianus und Marcus; Petronilla wurde dort bestattet.
Der angebliche Ort des Martyriums von Paulus ist der Klosterkomplex Tre Fontane mit den Kirchen SS. Vincenzo e Anastasia, S. Maria Scala Coeli und S. Paolo alle Tre Fontane, der hinter diesem mächtigen Tor liegt.

Die Kirche SS. Vincenzo e Anastasio im Kloster Tre Fontane birgt Reliquien von Anastasius dem Perser (Magundat) und Vinzenz von Valencia.

Die Kirche Santa Maria Scala Coeli geht zurück auf eine Vision von Bernhard von Clairvaux und wird erwähnt im Artikel Das Martyrium der heiligen Afra - historisch gesichert?

das Apsismosaik

Höhepunkt der Anlage ist natürlich die Kirche San Paolo alle Tre Fontane, wo Paulus - angeblich - sein Martyrium erlitt, woraufhin drei Quellen entsprangen. Franz Pfanner half mit beim Wiederaufbau des Klosters.

Der Hauptaltar am Ort des Martyriums von Paulus zeigt - das Martyrium von Petrus!

Unscheinbar, aber dahinter finde ich tatsächlich den Eingang zu den Katakomben der Generosa. Schwieriger ist, die Kiste wieder aus der Sackgasse heraus zu bekommen.
Und blöd werden auch die folgenden Tage: die Sommergrippe überfällt mich, volles Programm mit Husten und Halsweh, Schnupfen und Fieber - drei Tage verbringe ich v. a. im Bett und dann mit Schreiben.

Samstag, 27. Mai

Nun ging es nocheinmal per Auto in die südlichen Gefilde der Stadt. Dabei eröffnet sich der Blick über den Zirkus Maximus auf die Ruinen des Domus Severiana, die einstigen Thermen des Kaisers Domitian.

Der Turm und wenige Mauern sind die letzten Reste der Gebäude des Zirkus Maximus. Der wurde im 2. Jahrhundert v. Chr. angelegt, beim Stadtbrand unter Kaiser Nero zerstört, von Kaiser Trajan wieder aufgebaut. Über 100.000 Zuschauer hatten Platz für die Spektakel, deren letztes Mitte des 6. Jahrhunderts unter Ostgotenkönig Totila stattfand.

Unweit sind die Caracalla-Thermen, 217 eröffnet, durch die Goten ab 537 und ein Erdbeben 847 zerstört. Die eigentliche Bade- und Gymanstikanstalt war 220 x 114 Meter groß, rund herum waren Gärten, Vortragsräume und Bibliotheken. Mens sana …

der Komplex von Süden gesehen

Eingemauert und hinter verschlossenen Toren: das Generalat der Prämonstratenser, jetzt gefunden, in dem die Gebeine von Hugo von Fosses liegen.

An der Kirche S. Maria in Palmis begenete der Legende zufolge Petrus auf seiner Flucht aus dem Gefängnis Christi, der ihn frgte Quo vadis?, Wohin gehst Du?, worauf Petrus umkehrte und dann gekreuzigt wurde.

Die Fußabdrücke Christi auf einem Stein, entstanden bei seiner legendären Begegnung mit Petrus in Rom an der Stelle der heutigen Kirche Santa Maria in Palmis. Das Original wird in der Kirche San Sebastiano fuori le mura aufbewahrt; tatsächlich ist es eine Votivtafel für eine glückliche Rückkehr, wohl aus dem Tempel des Deus Rediculus, des Gottes der Umkehr, der in der Nähe der Kirche stand

In den Katakomben des Callistus, die vom späteren römischen Bischof Callistus I. verwaltet wurden und deshalb nun nach ihm benannt sind, lagen die Gebeine von Auratian, Cäcilia, Fabianus, Felix von Agrigento, Lucius I. und Tarsitius (Tarcisius) sowie Zephyrinus. Dort bestattet sind Balbina Cornelius, Dionysius, Eusebius, Eutychianus, Felix I., Gaius (Caius), Pontianus, Sixtus II., Stephanus I. sowie wohl auch Urban I.; die KatakombenheiligenKatakombenheilige sind als heilig verehrt Gebeine vor allem in den deutschsprachigen Gebieten nördlich der Alpen, die aus Katakomben in Rom stammen, von denen man oft nicht den Namen des Verstorbenen kennt und keinesfalls seine Lebensgeschichte. Besonders nach der Reformation, in der katholische Kirchen oft ihrer Reliquien beraubt worden waren, wurden als Ersatz in Rom die Gebeine Tausender erhoben; ihnen wurde ein Name zugeordnet und oft auch eine Geschichte, (nicht nur) bei bekanntem Namen oft die Geschichte eines tatsächlichen Heiligen. Valeria und Laurentia stammen von dort. Nahe dieses berühmten Friedhofes lebte Barbatianus.

In der Kirche S. Sebastiano fuori le mura war gerade Hochzeit. Dort ist die Grabinschrift von Eutychius von Rom und dort werden Sebastian sowie Fabianus verehrt. In der vom römischen Bischof um 375 errichteten Platonia, der heutigen Krypta der Kirche, wurde Paulus zusammen mit Petrus verehrt, dort war das Grab von Quirinus von Siscia.
Die Kirche wurde über den Katakomben des Sebastian erbaut, in denen Lucina Anicia Christen - darunter Sebastian - bestattete und zeitweise die Gebeine von Paulus lagen und auch Petrus verehrt wurde; auch Soteris' Grab war hier; der römische Bischof Damasus I. ließ diese Katakomen ausbauen, Philipp Neri erfuhr hier Gnadenerweise, in den Artikeln Das Grab des Petrus und Heiligenverehrung kommen die Katakomben vor.

christlicher Wandfries

Die Kapelle mit Sebastians Reliquien in der Kirche S. Sebastiano fuori le mura.

Die Tauben erfreuen sich am Reis von der Hochzeit.

Hier sind nicht die Katakomben des Prätestatus, sie sind um die Ecke; wieder mal Künstlerpech - und dasselbe dann auch sogar beim 2. Versuch, die Katakomben der Tecla ausfindig zu machen; ich stand mit dem Rücken vor ihnen!

Einfach zu finden aber: S. Paolo fuori le Mura, wo ich heute den Kreuzgang und das Museum besuche. Dort stehen die Statue von Papst Bonifatius IX. …

… antike Reliefs …

… der Sarkophag der beiden Testamente

… und ein KlerikerEin Kleriker ist in der => orthodoxen, katholischen, anglikanischen und altkatholischen Kirche ein geweihter Amtsträger, der eine der drei Stufen des Weihesakraments - Diakon, Priester oder Bischof - empfangen hat. Im Unterschied zu den Klerikern bezeichnet man die anderen Gläubigen als Laien. Angehörige von Ordensgemeinschaften gelten, wenn sie nicht zu Priestern geweiht sind, als Laien und in der Orthodoxie als eigener geistlicher Stand. In den protestantischen Kirchen gibt es keine Unterscheidung von Klerus und Laien..

Rom ist groß: ich fahre durch Wiesen und Felder, einzelne Gehöfte, ländliches Ambiente - aber immer noch Rom - in einen Außenbezirk zum Santuario della Madonna del Divino Amore, wo es eine Marienerscheinung gab …

… und wo in der großen neuen Kirche Chiara Badano seliggesprochen wurde.

Sonntag, 28. Mai, bis Dienstag, 30. Mai

Im - nach etwas Suchen gefundenen - Generalat der Maestre Pie Venerini liegen seit der Seligsprechung die Gebeine der Ordensgründerin Rosa Venerini.

Um die Ecke: die theologische Fakultät der Waldenserkirche; vor genau 35 Jahren war ich mit Kollegen hier zu Gast.

Ein riesiges Gebäude in engen Gassen ist das Ospedale San Giacomo degli Incurabili, in dem Kamillus von Lellis wirkte; 2008 wurde es geschlossen.

In dessen Kirche San Giacomo in Augusta - jetzt Pfarrkirche - ist gerade die Messe.

Auf der Piazza del Popolo steht der Obelisk, der um 1300 v. Chr. in Ägypten geschaffen wurde, von Kaiser August nach Rom verschleppt und im Zirkus Maximus aufgestellt wurde und unter Papst Sictus V. 1589 an seinen heutigen Platz kam.

Rund um den Obelisken speien Löwen Wasser.

Die Porta del Popolo, der traditionelle Zugang zur Stadt von Norden her, in dieser Form 1655 von Bernini gestaltet für den Empfang der Königin Christine von Schweden, die zum Katholizismus übergetreten war. Rechts ist die Kirche S. Maria del Popolo, angeblich an der Stelle des Grabes von Kaiser Nero; Papst Paschalis II. ließ hier die erste Kirche bauen, um die vom Grab ausgedehenden bösen Geister zu zähmen; Martin Luther wohnte bei seiner Rom-Reise im angeschlossenen Kloster, in der Kirche liegen Reliquien von Priscus.

Vom Tor aus fällt der Blick auf die Südseite des Platzes mit den Kirchen S. Maria in Montesanto (links) und S. Maria dei Miracoli.

Schwer zu erkennen, denn blind über eine Mauer und gegen die Sonne fotografiert: die Tür zu den Katakomben des Valentin, in denen Valentin von Rom verehrt wurde.

Die Milvische Brücke war der Schauplatz der Kriegsentscheidung für Konstantin den Großen, woraufhin er sich zum Christentum bekehrte. Philipp Neri empfing hier im Norden die Pilger nach Rom.

Der Tiber und seine Umgebung erscheinen hier fast schon ländlich idyllisch …

… und beim Blick nach Osten italienisch: mit Pfeilern einer dereinst geplanten, nie fertiggestellten Brücke, aber hohen Triumphsäulen.

Nachdem die Kirche Santa Maria della Pace in der Innenstadt nicht die Opus-Dei-Kirche war, fahre ich zur richtigen im Norden - und treffe ungeplant auf diese Kirche, deren Inschrift zwar Maria Pacis preist, die aber die Kirche Sacro Cuore Immacolato di Maria ist und von Claretinern - dem von Antonius Maria Claret y Clará gegründeten Orden - verwaltet wird. Maria und Frieden haben in Rom drei Kirchen im Namen, Maria und unbefleckt deren zwölf, Maria mit verschiedensten Zusätzen insgesamt 148! (Sabine Brecht schreibt: über 70 2) Stimmt natürlich auch.

Die richtige, die Kirche S. Maria della Pace des Opus Dei mit dem Grab von Josemaría Escrivá de Balaguer ist diese! Eine Kirche, nicht zu erkennen, mitten in anderen Wohnblöcken …

… nur das Klingelschild weist dezent auf die Kirche hin. Einlass nur nach Läuten und anschließender Kontrolle, Zutritt nur für Eingeweihte. Kein Zweifel: Opus Dei ist ein Geheimbund - was mich nach den Erfahrungen in Barbastro und Madrid aber nicht mehr verwundert.

Ein Blick aufs Gelände zeigt Festungscharakter …

… des insgesamt doch großen Komplexes.

Die Katakomben des Hermes verfehle ich mal wieder um wenige Meter, aber die Porta Pinciana, wo Felix gemartert wurde, 401 erneuert, ist einfach zu finden.

Beim Generalat der Unbeschuhten Karmelitinnen, wo Maria-Theresia vom heiligen Josef Tauscher in den Orden aufgenommen wurde, ist nicht das Finden, sondern das Fotografieren durch die Bäume das Problem.

Es steht an der Aurelianischen Mauer, die Kaiser Aurelius ab 275 errichten ließ, die 18 km lang die Stadt umgab und von der hier im Norden große Teile erhalten sind.

In den Katakomben der Priscilla, eingerichtet wohl von Priscilla, wurden Praxedis und Pudentiana verehrt sowie die Gebeine von Alexander gefunden. Auch hier war ich schon einmal vor 35 Jahren.

Gegenüber steht die ehemals Priscilla geweihte Kirche - sie ist heute Schule für die Perfektionierung der Polizei. The times, they are a'changing.

An der Porta Salaria, als deren Schmuck einzig dieses Relief mit griechischer Inschrift verblieb, wurde Romanus von Rom enthauptet.

Heureka: die Katakomben der Felicitas (des Maximus), wo Felicitas und ihre Söhne und angeblich Alexander von Rom bestattet waren: die Tür ganz rechts. Knapp verpasst dagegen wieder: die Katakomben des Thrason - es ist eine Falltür im Boden - da kann ich lange die Häuser absuchen!

Hinter diesem Haus liegen die Katakomben der Giordani, wo das Grab von Donata und ihren Gefährtinnen war.

Letzte Station heute - es ist erdrückend heiß: die Pfarrkirche S. Saturnino mit den Reliquien von Saturninus.

Auf der Heimfahrt: das Plakat zur Demonstration gegen Immobilienspekulation: Rom lässt sich nicht verkaufen. Rom will den Wechsel. Dazu passt eine Lesefrucht, gleichzeitig ein Nachtrag zu Malta: Drei deutsche Konzerne, ein Klingelknopf (die SPIEGEL-Bezahlschranke ist nicht unumgänglich).
Übrigens: Der Rückgang der Wirtschaftsleistung Deutschlands zwischen 1938 und 1948 (namlich -26,3%) entspricht genau dem von Griechenland zwischen 2007 und 2016 (ebenso -26,3%) - nachzulesen bei historicum.net.
Auf dem Campingplatz ist es jetzt richtig ruhig geworden - die vielen Schülergruppen aus ganz Europa fehlen wegen der Pfingstferien, aber es sind nur wenige Urlauber hinzugekommen. Ich arbeite zwei Tage im Schatten, ansonsten brennt die Sonne und die Leute liegen am Pool.

1 So schreibt es Wilhelm Voss-Gerling in: Der grße Polyglott Rom, 9. Aufl. München 1979/1980 - alt, aber für die Beschreibung der historischen Bauten noch immer sehr umfassend und gut. Außerdem benutzte ich: Sabine Brecht: Rom, 8. Aufl. 2016. Michael-Müller-Verlag, Erlangen 2016 - neu, sehr detailreich und aktuell, wirklich zu empfehlen.

1 Sabine Brecht, a.a.O.

Logbuch Reiselogbuch - 2017-1-9

geschrieben am 24., 25., 26. 30. Mai 2017



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