Welt bereisen Das Reiseblog des Ökumenischen Heiligenlexikons

Luxemburg und Frankreichs Nordosten

   J. Schäfer          

Samstag, 9. Juli, bis Mittwoch, 20. Juli

Von Aigle bin ich am 23. Juni nach Hause nach Stuttgart zurückgekehrt, denn an der Kiste stand die Inspektion an, die aufgrund undichter Injektoren - könnte einen kapitalen Motorschaden verursachen - auch dringend nötig war, zudem sagten die Prognosen für Oberitalien Temperaturen um die 40° voraus und gingen schon die Meldung über den austrockenenden Po durch die Presse.
Nach der Inspektion blieben mir dann noch acht Tage, die habe ich genutzt zur Fahrt nach Luxemburg und Frankreichs Nordosten. In Bous in Luxemburg gab es eine Marienerscheinung, ebenso im ehemaligen Kloster der Dominikanerinnen in der Stadt Luxemburg.
In der Innenstadt Luxemburg gibt es fast keine Parkplätze - die sind ja auch nicht nötig, denn der ÖPNV ist im ganzen Land kostenlos. Und das Ergebnis ist, dass die Stadt brechend voll von Menschen ist, obwohl keine besondere Veranstaltung stattfindet; aber die Leute nutzen den Samstagnachmittag zum Stadtbummel, die Anfahrt ist ja problemlos. In Deutschland wird geklagt über die verödeten Innenstädte - hier kann man die Lösung sehen: Nahverkehr kostenfrei und die Menschen nutzen ihn und beleben die Innenstadt.
In der Kathedrale in Luxemburg wird das Gndenbild Maria - Trösterin der Betrübten verehrt und liegen die Gebeine von Tertullinus und Chrysanthus.

Die Basilika in Echternach ist Klostergründer Willibrord von Echternach geweiht. Willehad von Bremen war dort Mönch, Poppo von Stablo führte Reformen durch, verehrt werden Reliquien von Johannes dem Täufer, Mauritius und Vulgisus.

Nach der Nacht an der Raststätte Wasserbillig ging es nach Vianden zur Burg, in der Jolanda von Marienthal und Meginher von Falmagne geboren wurden.

An der Burg in Pettingen lebte zeitweise Theobald von Provins, bei meinem Besuch wurde die Ruine als Ausstellungsort für alte Ackerschlepper genutzt.
Dem Kloster Marienthal stand Jolanda von Marienthal als Priorin vor. Und auch in Septfontaines gab es Marienerscheinungen. Das waren dann schon die Heiligen in Luxemburg, es ging - nach günstigem Einkauf im Steuerparadies - über die Grenze in die französischen Ardennen.

In Stenay gab es ehedem ein Kloster, dessen Gründer der Legende zufolge Dagobert II. war. Im ehemaligen Kloster Belval au Bois-des-Dames bei Vaux-en-Dieulet in den Ardennen lebten Gertrud und Gertrud von Brabant; Reliquien von ersterer liegen in dieser Kirche in Sommauthe in den Ardennen.

An den Resten des Klosters Le Mont-Dieu, in dem Reliquien von Gibrian lagen und das Wilhelm von Saint-Thierry einst besuchte, entdecke ich diesen Oldtimer, einen Citroën Traction Avant 15/6 - also frontgetrieben mit Sechszylindermotor, der zwischen 1934 und 1957 gebaut wurde.

In Chéhéry bei Sedan sollte Jovinus bestattet werden. Dieses ehemalige Kloster in Ellant - heute Élan - leitete Roger von Ellant; unweit ist ihm an einer Quelle auch eine Kapelle geweiht.

In Charlevill bei Metz trat Arnold Reche im Institut der Brüder der christlichen Schulen diesem Orden bei. Und in Gruyères in den Ardennen starb Arnulf vom Chaumontois als Märtyrer, woran diese Kirche erinnert. Eine ruhige Nacht verbringe ich an der Raststätte Woinic, obwohl dort viel Betrieb durch Urlauber ist.

In der Kirche in Attigny in den Ardennen wurde Widukind getauft, Mevennus heilte hier einen Leprösen; im nahen ehemaligen Königspalast nahm Adalhard von Corbie an einer Synode teil.

Über die Reste des Königspalastes in Rethel - erwähnt bei Albert I. von Lüttich, Roger von Ellant und Rosalia von Palermo - komme ich nach Signy - dem heutigen Signy-l’Abbaye -, wo Arnold von Gembloux Abt war und Wilhelm von Saint-Thierry lebte und starb. Vor der Kirche im kleinen Dorf Marlemont, wo es eine Marienerscheinung gab, sehe ich diese alte Feuerwehrspritze.

In Soize bei Laon ist Autbodus von Laon Patron. Im ehemaligen Kloster in St-Michel-en-Thiérache wurden Reliquien von Adalgisus und Anatolius von Cahors verehrt, Cadroël lebte dort. Im ehemaligen Kloster Foigny im heutigen La Bouteille bei Laon - an dessen Stelle diese Kapelle errichtet wurde -, lebte Alexander von Foigny und starb Petrus Monoculus.

Im nach ihm benannten St-Algis starb Adalgisus, er wird noch heute in dieser wehrhaften Pfarrkirche verehrt.

Und falls es noch Zweifel gab, dass wir uns in tiefster Provinz bewegen: dies ist dort die Kirchenheizung.

In La Capelle bei Vervins wurde Leo Dehon geboren, im damaligen Kloster in Rocquigny bei Laon starb Margarita von Jerusalem und in Floyon kam Ursmar von Lobbes zur Welt. In Wallers-en-Fagne bei Maubeuge lebte Dodo von Wallers im Kloster, das Landelin von Crespin gegründet hatte. Die Gebeine von ersterem werden in Moustier-en-Fagne bewahrt. Im Hofgut an der Stelle einer heutigen Kapelle in Cousolre wurden Aldegundis von Maubeuge und Waltraud (Waudru) geboren; erstere wurde auch dort in dieser Kirche bestattet.

Das einst bedeutende Kloster Maubeuge ist längst säkularisiert, in der darum entstandenen heute großen Stadt sind die Spuren spärlich. Adeltrudis von Maubeuge wurde dort erzogen und war dann Äbtissin, Aldegundis von Maubeuge hat das Kloster gegründet, Amalberga von Maubeuge war Nonne, Ansoalda (Isolde) Äbtissin, von Emembertus von Cambrai lagen dort die Gebeine, Madelberta war Äbtissin, Theodorich von St-Hubert wurde dort erzogen, Ursmar von Lobbes pflegte Beziehungen zum Kloster.

Im Kloster Hautmont wurde Aldegundis von Maubeuge Nonne, Ansbert von Rouen war hierher verbannt, Madelgar von Soignies hat das Kloster gegründet und als Abt geleitet, sein Sohn Landricus wurde auch Abt, Wulmar von Samer Mönch. In Pont-sur-Sambre bei Maubeuge wurde die Märtyrerin Anna Maria Erraux, eine Gefährtin von Maria Clothilde Bórgia Paillot, geboren, woran in dieser Kirche erinnert wird. Und im nahen Bavay erblickte Maria Clothilde Angela vom heiligen Franziskus Bórgia Paillot das Licht der Welt.
Recht angenehm: die Nacht an der Raststätte La Sentinelle.

In Le Cateau-Cambrésis wurde der Märtyrer Johannes-Anton-Joseph de Villette, ein Gefährte von Andreas Abel Alricy, geboren, in der Kirche St-Martin, in der gerade eine Trauerfeier stattfindet, liegen Reliquien von Sarius.

In Caudry starb Maxellendis als Märtyrerin, in dieser Pfarrkirche werden ihre Reliquien bewahrt. In St-Souplet war sie zunächst bestattet worden.

In Pleine-Selve starb Jolenda von Pleine-Selve, ihr wurde an einer heilkräftigen Quelle diese Kapelle errichtet. In Origny-Sainte-Benoite wirkte Benedicta als Glaubensbotin und starb als Märtyrerin. In Homblières gründete Eligius von Noyon ein Kloster,das Hunegundis dann leitete; an sie erinnert dort eine Statue.

Eine der größten Kirchen Frankreichs ist die Basilika Saint-Quentin in der danach benannten Stadt. Altfrid von Hildesheim war Mönch in deren Kloster, Bertram von St-Quentin Abt, von Fuscianus und Gefährten liegen dort Gebeine, Gottfried von Amiens wurde dort erzogen und Mönch, Gottfried von Peronne war Schatzmeister, Jolenda von Pleine-Selve kam ans Grab des Namengebenden Quintinius (Quentin).

Neben dieser Basilika Saint-Quentin besuche ich in der Stadt noch die von Leo Dehon erbaute Kirche St-Martin. Verdienste um die Stadt erwarb sich Gaspard de Coligny.
Am Abend komme ich auf den schönen Camping Municipal von Saint-Quentin, wo ich den nächsten Tag mit der weiteren Planung verbringe.

In St-Gobain bei Laon lebte und starb Goban. Das prächtige Gebäude des früheren Klosters Prémontré beherbergt heute ein psychiatrisches Krankenhaus. Das Kloster gründete Norbert von Xanten unter Mitwirkung von Hugo von Fosses,, daraus ging der Prämonstratenserorden hervor. Anton von Ilbenstadt, Burchard von Rot an der Rot, Gottfried von Cappenberg, Ulrich von Ursberg und Wolfram von Wadgassen waren dort Mönche.

Über das ehemalige Kloster Nogent-sous-Coucy im heutigen Coucy-le-Château-Auffrique, wo Gottfried von Amiens Abt war, komme ich nach Condren, wo Mummolus von Lagny starb, der in Chauny Pfarrer war. Schließlich suche ich Spuren der ehemaligen Königsresidenz in Quierzy und finde nichts als dieses Wäldchen - richtig wäre ein Gedenkstein im Ort, wie ich jetzt weiß. Amalar Fortunatus, Gottschalk von Orbais, Hinkmar von Reims, Prudentius von Troyes waren dort auf Synoden zu Gange.

In Juvigny ist die Kirche Jovinus geweiht. In Soissons ist nahe dem ehemaligen Kloster St-Crépin-en-Chaye diese moderne Kirche Crispinus und Crispinianus geweiht. Die Krypta des ehemaligen Klosters Saint-Médard in Soissons ist erhalten, aber verschlossen; Medardus von Noyon wurde hier bestattet, Goswin von Anchin war hier Prior, von Gurdanius lagen hier Reliquien, ebenso von Sebastian.

In der Kathedrale in Soissons war Agricola Priester; die englischen Priester, Alexander Rawlins, Eduard Stransham, James Thompson und John Adams wurden hier geweiht, Crispinus und Crispinianus sind Patrone, Divitianus von Soissons, Edibius von Soissons und Lupus von Soissons waren hier Bischöfe, Hinkmar von Reims und Odo I. von Beauvais Synodenteilnehmer, von Sebastian gibt es hier Reliquien, Valerius und Rufinus starben hier als Märtyrer, Wilhelm von Donjeon war hier Kanoniker.

Wie in jedem Ort, so auch in Soissons: das Denkmal an die Opfer der beiden Weltkriege.

Ins ehemalige Kloster St-Pierre-au-Parvis nach Soissons - von dem heute nur noch die Kirche erhalten ist - wurden Reliquien von Marcellinus und Petrus sowie Tiburtius übertragen. Im ehemaligen Kloster Notre Dame wurden Ratbert von Corbie und Wilhelm von Donjeon wurden erzogen, Sigrada und Theodrada waren Äbtissinnen. In diesem ehemaligen Kloster St-Crépin-le-Grand lagen zunächst die Reliquien von Crispinus und Crispinianus, Divitianus von Soissons und Edibius von Soissons, Gottfried von Amiens starb hier.

An der Kirche des ehemaligen Klosters St-Martin der Prämonstratenser in Laon: die Statuen mit abgeschlagenen Köpfen, wie so oft in Frankreich seit der Französischen Revolution zu sehen - und bis heute nicht repariert. Gualterus von Mortagne wurde hier bestattet, Norbert von Xanten hatte das Kloster gegründet. Im ehemaligen Kloster St-Vincent waren Cagnoald von Laon, Gerhard von Sauve-Majeure und Maccallin Äbte, Stephan Harding lebte zeitweise dort als Mönch.

An der großen Kathedrale von Laon waren Adalgisus und Autbodus von Laon Glaubensboten, wurde Alexander Crow zum Priester geweiht, Arialdus von Mailand, Balduin von Exeter und Gualterus von Mortagne und Vincelin von Oldenburg studierten hier, Balduin war hier Archidiakon, Cagnoald von Laon und Liutwin von Trier waren Bischöfe, Ermin von Lobbes war Kleriker, von Quintinius (Quentin) gab es Reliquien, Robert von Brügge war Lehrer, Urban IV. war hier Kanoniker.

Das ehemalige Kloster St-Jean - heute Sitz der Präfektur der Region - wurde von Salaberga gegründet und geleitet, ihre Tochter Anstrudis von Laon wurde ihre Nachfolgerin als Äbtissin.

In St-Erme wurde Ermin von Lobbes geboren, deshalb ist ihm die Kirche geweiht. Eindrücklich zeigt eine Schautafel die Zerstörungen durch die Deutschen im 1. Weltkrieg.
Die Nacht verbringe ich recht ruhig an der Raststätte Mont de Nizy.

Am nächsten Morgen fahre ich auf guten Straßen rund 20 km nach Corbeny bis zu dieser Kirche, wo Goban Cuillen wirkte und die Reliquien von Markulf von Nanteuil verehrt wurden.
Als ich zu meiner Kiste zurückkehre, sehe ich eine deutliche Ölspur genau auf der Strecke, die ich gefahren war, und dann unter dem Motor eine Lache. Also rufe ich den Ford-Mobilitäts-Service zu Hilfe. Nach mehreren Reklamationen kommt gut fünf Stunden später derAbschleppwagen und bringt mich zur Ford-Werkstatt nach Laon. Weil es nun 16 Uhr am Freitagnachmittag und also kurz vor Feierabend ist, schauen sie die Kiste noch nicht einmal mehr an. Ich muss aber am Sonntag wegen einer Bestattung zuhause sein. Ein Mitarbeiter bringt mich zum Bahnhof: Über Reims und Straßburg nach Stuttgart, instruiert er mich. So sage ich es der Dame am Schalter. Sie verkauft mir die gewünschte Strecke mit 7 Mal umsteigen, wobei es von Straßburg nach Offenburg und dann über Frankfurt (!!) nach Stuttgart geht. Alle deutschen Züge haben Verspätung auch mitten in der Nacht - auch die S-Bahn in Stuttgart, planmäßige Abfahrt 3.55 Uhr -, deshalb aber erreiche ich die Anschlüsse und bin um 4.30 Uhr zuhause.

Montags erfahre ich: die Kiste ist repariert, dienstags ist die Bestattung, mittwochs kann ich den Patienten holen. Inzwischen weiß ich: die schnellste Verbindung nach Laon führt über Paris. Beim Buchen sagt mir die Deutsche Bahn, ich müsse erst nach Karlsruhe, weil der TGV Stuttgart nicht anfahren kann, denn dort war vergangenen Samstag - grundlos, wegen eines Vogels - eine 15.000 Volt-Oberleitung herabgefallen und hatte die Stellwerkstechnik weitgehend außer Betrieb gesetzt; Ersatzteile für dessen Relais gibt es nicht mehr. Am Bahnhof stelle ich fest: den Zug nach Karlsruhe gibt es nicht, aber überraschender Weise einen TGV nach Paris. Ohne Platzkarte ergattere ich doch einen Sitz, komme tatsächlich pünktlich um 14 Uhr - zum Ende der Mittagspause - in der Ford-Werkstatt in Laon an und erhalte meine Kiste. Und tätsächlich, wie schon vermutet: bei der Inspektion und Reparatur der Injektoren in der Stuttgarter Werkstatt vor meinem Aufbruch hatten sie eine Mutter der Benzinleitung nicht festgezogen, daraus floss der Diesel auf die Straße.
Wäre ich mir sicher gewesen: das hätte ich selbst reparieren können. Und wäre der Abschlepper nur eine Stunde früher gekommen, hätte die Werkstatt diese Kleinigkeit am Freitag noch repariert. Mini-Ursache - mega Ärger. Am Abend erreiche ich das Zuhause in Stuttgart.

Ergebnis des Trips: 512 Fotos, dafür fürs 103 Ökumenische Heiligenlexikon.

Tracks
Wasserbillig gibt's nicht
Woinic
La Sentinelle - Schluss fehlt
St-Quentin gibt's nicht
Mont de Nizy - Schluss fehlt
Stuttgart

Logbuch Reiselogbuch 2022-3

geschrieben vom 21. bis 26. Juli 2022



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